Die ALLANKAY hat am 10. Februar Ushuaia verlassen und damit OPERATION ANTARCTICA DEFENSE 2026 offiziell gestartet.
Die Kampagne beginnt in einer kritischen Phase: Letztes Jahr wurde das saisonale Fanglimit der industriellen Krillfischerei erstmals vorzeitig erreicht, was eine beispiellose frühzeitige Schließung zur Folge hatte. Diese Entwicklung verdeutlicht den zunehmenden Druck auf die Krillpopulationen und auf das antarktische Ökosystem, das durch den Klimawandel bereits stark geschwächt ist.
Krill-Supertrawler operieren vor allem im Gebiet zwischen den Südlichen Orkneyinseln und der Antarktischen Halbinsel. Wissenschaftler bezeichnen diese Region als eines der weltweit wichtigsten Nahrungsgebiete für Wale. Gleichzeitig wurde dieses Gebiet als Meeresschutzgebiet (MPA) vorgeschlagen.
Krill, kleine garnelenartige Krebstiere, bildet die Grundlage des antarktischen Nahrungsnetzes. Wale, Pinguine, Robben, Seevögel und viele andere Lebewesen sind auf Krill als Hauptnahrungsquelle angewiesen. Wenn nicht genügend Krill vorhanden ist, können sich diese Arten nicht ausreichend ernähren, sich nicht fortpflanzen und sich nicht von früheren Populationsrückgängen erholen.

Bereits am ersten Tag dokumentierte die Crew der ALLANKAY vor Coronation Island, wie Krill-Supertrawler ihre Netze mitten unter fressenden Walen einholten. Blasfontänen und Fluken waren dabei direkt neben den aktiven Trawlern deutlich sichtbar.
Im letzten Jahr hat die Crew zudem Bunkervorgänge und Frachtumladungen auf offener See beobachtet. Dieses sogenannte „Transshipment“ ermöglicht es den Flotten, tagelang rund um die Uhr in den Fanggebieten zu bleiben, ohne in den Hafen zurückkehren zu müssen. Gleichzeitig steigt durch das Bunkern jedoch das Risiko, dass Treibstofflecks oder andere Umweltverschmutzungen in diesen abgelegenen Gewässern unentdeckt bleiben und im Notfall nur schwer bekämpft werden können.
Wissenschaftler warnen, dass die industrielle Krill-Entnahme in Kombination mit dem klimawandelbedingten Verlust des Meereises den Druck auf das gesamte antarktische Ökosystem weiter verstärkt.
Unsere drei vorherigen Kampagnen zeigten konkrete Wirkung: 2025 führte die internationale Aufmerksamkeit für die Krillfischerei sowie die Dokumentation von Sea Shepherd dazu, dass die britische Einzelhandelskette Holland & Barrett ankündigte, ab April 2026 keine krillbasierten Produkte mehr zu verkaufen. Ein klares Zeichen dafür, dass öffentlicher Druck das Verhalten der Industrie verändern kann.


OPERATION ANTARCTICA DEFENSE 2026 verfolgt drei zentrale Ziele:
1. Das globale Bewusstsein für die Krill-Krise stärken, indem Supertrawler in antarktischen Gewässern dokumentiert werden und eine unabhängige Berichterstattung an Bord der ALLANKAY ermöglicht wird.
2. Unabhängige wissenschaftliche Forschung unterstützen, indem führende Wissenschaftler an Bord Daten direkt vor Ort erheben, um bestehende Wissenslücken zu schließen.
3. Den wirtschaftlichen Druck auf die Krillindustrie erhöhen, indem Einzelhändler dazu aufgefordert werden, den Verkauf von Krillölpräparaten und anderen Krillprodukten einzustellen.
So werden unabhängige Wissenschaftler an Bord der ALLANKAY sogenannte Linientransekterhebungen durchführen. Linientransekterhebungen sind standardisierte Zählungen entlang festgelegter Routen (Transektlinien), bei denen neben jeder Sichtung auch die Entfernung zur Route erfasst wird, um belastbare Aussagen über die Häufigkeit und Verteilung von Tieren im Untersuchungsgebiet zu ermöglichen. Zudem werden Wissenschaftler mithilfe von Drohnen die Abstände zwischen Walen und Supertrawlern messen, akustisches Monitoring betreiben und Fotoidentifikationsforschung durchführen. Ziel ist es, mehrjährige, wissenschaftlich begutachtete Daten über die Anwesenheit und das Verhalten von Walen in Gebieten zu gewinnen, in denen die Krillflotte operiert.
Die Ergebnisse sollen zukünftige Entscheidungen der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) unterstützen, die auch für das Fischereimanagement im Südpolarmeer zuständig ist.
Bislang hat die CCAMLR keines der seit Langem vorgeschlagenen Meeresschutzgebiete in der Region der Antarktischen Halbinsel eingerichtet. Im Jahr 2024 wurde stattdessen eine wichtige Schutzmaßnahme für Fanggebiete aufgegeben, die vorsah, die Krillfischerei auf ein größeres Gebiet zu verteilen. Nun kann die gesamte Fangmenge aus kleineren Gebieten entnommen werden, in denen die Konzentration von Krill, Walen, Pinguinen und Robben am höchsten ist.
„Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Antarktis unberührt ist. In Wirklichkeit nimmt die industrielle Ausbeutung in zentralen Nahrungsgebieten der Tierwelt zu. Diese Kampagne ist entscheidend, um zu dokumentieren, was geschieht, unabhängige Wissenschaft zu unterstützen und sicherzustellen, dass politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit verstehen, was auf dem Spiel steht“, sagte Peter Hammarstedt, Campaign Director Sea Shepherd Global.




