Stellnetze bleiben eine tödliche Gefahr für Wale und andere Meeressäuger
Erneut wurde ein Großwal in der Ostsee gesichtet. Eine solche Begegnung bewegt Menschen. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden: Die Ostsee ist kein natürlicher Lebensraum für diese Wale.
Die Ostsee ist ein stark durch menschliche Aktivitäten und die Folgen der Klimakrise belastetes Meer. Schifffahrt, Fischerei, Unterwasserlärm und weitere menschliche Eingriffe verändern diesen Lebensraum und erhöhen den Druck auf Meeressäuger.
Wenn ein Großwal in die Ostsee gelangt, sind Politik und zuständige Behörden gefordert. Sie müssen frühzeitig aktiv werden und alles dafür tun, zusätzliche Gefahren durch menschliche Aktivitäten zu reduzieren. Es reicht nicht aus, erst zu handeln, wenn ein Tier verletzt oder tot an der Küste gefunden wird.
Eine der größten tödlichen Gefahren für Wale und andere Meeressäuger sind Stellnetze in Küstennähe.
Die Ereignisse rund um die Walsichtung und -strandung im Frühjahr 2026 haben erneut verdeutlicht, dass Stellnetze eine ernsthafte Bedrohung für große Meeressäuger darstellen. Diese Netze sind für Wale kaum wahrnehmbar und können besonders bei der Nahrungssuche oder beim Auftauchen zum Atmen zu einer lebensbedrohlichen Falle werden.
Gerät ein Wal in ein Stellnetz, kann er sich schwer verletzen, in Panik geraten und große Mengen an Energie verlieren, während er versucht, sich zu befreien. Gleichzeitig wird die Nahrungssuche erschwert, wodurch es für diese großen Meeressäuger noch schwieriger wird, ihren ohnehin hohen Energiebedarf zu decken.
Im schlimmsten Fall kann das Tier nicht mehr rechtzeitig die Wasseroberfläche erreichen und stirbt.
Was für den Menschen wie ein gewöhnliches Fanggerät aussieht, kann für einen Wal eine unsichtbare Todesfalle sein.

Die Verantwortung liegt dabei klar bei der Politik. Insbesondere Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Dr. Till Backhaus, sowie Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz, Cornelia Schmachtenberg, müssen jetzt handeln. Ein Wal kann sich innerhalb kurzer Zeit zwischen den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins bewegen. Deshalb tragen beide Minister gemeinsam die Verantwortung dafür, zusätzliche Gefahren für Wale und andere Meeressäuger unverzüglich zu reduzieren.
Es darf nicht länger darauf vertraut werden, dass freiwillige Maßnahmen einzelner Akteure, besonders der Fischerei, ausreichen. Der Schutz von Walen und anderen Meeressäugern ist eine gesetzliche Verpflichtung: Deutschland und die Bundesländer sind aufgrund des Bundesnaturschutzgesetzes, der FFH-Richtlinie der Europäischen Union sowie internationaler Abkommen wie der Berner und Bonner Konvention verpflichtet, Wale und andere Meeressäuger wirksam vor vermeidbaren Gefahren zu schützen.
Beide Minister müssen die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten konsequent nutzen, um Stellnetze in sensiblen Küstenbereichen einzuschränken und weitere wirksame Schutzmaßnahmen umzusetzen.
Sie dürfen nicht erst reagieren, wenn wieder ein Wal an der Küste liegt. Sie dürfen nicht warten, bis aus einer Sichtung eine Todesmeldung wird.
Bereits im Frühjahr 2026 hat die Strandung eines Wals in der deutschen Ostsee gezeigt, wie real die Gefahren für diese Tiere in unseren Gewässern sind. Dieses Ereignis hätte ein deutliches Warnsignal sein müssen.
Die Politik darf nicht zulassen, dass bekannte Gefahren bestehen bleiben, obwohl wirksame Maßnahmen längst möglich und rechtlich geboten sind.

Unsere Forderungen an die Politik
Wir fordern die Bundesregierung sowie die Landesregierungen Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins auf, endlich konsequente Maßnahmen zum Schutz von Walen und anderen Meeressäugern umzusetzen:
- Stellnetze müssen in sensiblen Küstenbereichen der Ostsee umgehend eingeschränkt und langfristig verboten werden, da sie eine erhebliche Gefahr für Meeressäuger darstellen.
- Es müssen wirksame Schutzgebiete geschaffen und konsequent umgesetzt werden, in denen Meeressäuger vor tödlichen Fangmethoden geschützt sind.
- Die Auswirkungen von Fischerei, Schiffsverkehr, Unterwasserlärm und weiteren menschlichen Aktivitäten auf Meeressäuger müssen umfassend bewertet und wirksam reduziert werden.
- Für den Fall, dass sich Wale in der Ostsee aufhalten, müssen kurzfristig Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um das Risiko einer Verwicklung in Stellnetzen so weit wie möglich zu minimieren.
- Präventiver Meeresschutz muss endlich Priorität haben.
Freiwillige Maßnahmen allein reichen nicht aus. Dr. Till Backhaus und Cornelia Schmachtenberg müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden und verbindliche Schutzmaßnahmen auf den Weg bringen. Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Politik muss handeln, bevor aus einer erneuten Walsichtung wieder eine Todesmeldung wird.



