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Lebendbergung um jeden Preis?

Lebendbergung um jeden Preis?

Der geplante Versuch, den gestrandeten Buckelwal lebend zu bergen, weckt Hoffnung, wirft jedoch zugleich fachliche und tierschutzrelevante Fragen auf.

Ein Kommentar von Florian Stadler, Kampagnenleiter von Sea Shepherd Deutschland

Unser Standpunkt basiert nach wie vor auf dem Gutachten des Deutschen Meeresmuseums (DMM) und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Demnach ist der Versuch einer Lebendbergung mit erheblichem Stress und einem hohen Verletzungsrisiko für den gestrandeten Buckelwal verbunden, das nicht im Verhältnis zu den Erfolgsaussichten steht. Diese Einschätzung teilen auch internationale Forschungseinrichtungen und Organisationen, die über umfangreiche praktische Erfahrung in der Rettung gestrandeter Meeressäuger verfügen.

Wir wurden über den aktuellen Versuch nicht vorab informiert, ebenso wenig wie die bislang beteiligten Institute und Organisationen, darunter DMM, ITAW und Greenpeace. Daher können wir nicht beurteilen, wie der Bergungsversuch im Detail ablaufen soll und ob bzw. inwieweit die im aktuell gültigen Gutachten angesprochenen tierwohlbezogenen Problematiken bedacht wurden. Unklar ist zudem, wer die wissenschaftliche Begleitung und Kontrolle der Arbeiten am Tier übernimmt oder ob Abbruchszenarien definiert wurden, um das Tier vor weiterem Leid zu schützen.

Für Sea Shepherd hat der Schutz von Meerestieren allerhöchste Priorität und wir wünschen uns natürlich einen positiven Ausgang. Dennoch müssen wir festhalten, dass dieser Bergungsversuch erhebliche Risiken beinhaltet, die bei der Erteilung der Duldung durch Minister Backhaus scheinbar keine Rolle gespielt haben. Laut dem gültigen Gutachten ist die Gefahr eines Bergungstodes enorm, sodass das Tier – gesetzt den Fall, dass Aufnahme und Transport glimpflich verlaufen – bei der Freilassung oder kurz darauf stirbt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass sich immer noch größere Netzreste im Maul und Schlund des Tieres befinden, die leider nicht entfernt werden können. Auch dies macht ein Überleben mittelfristig unmöglich.

In seiner Sendung vom 16. April 2026 hat das 3sat-Magazin NANO die Situation aufgegriffen. Dabei kam auch Florian Stadler im Interview zu Wort.

Update: 22. April 2026
Die „Nordreportage“ vom NDR blickt auf die bisherigen Ereignisse zurück: „Gestrandet: Ein Wal in der Ostsee“

Lebendbergung um jeden Preis?
Buckelwal im Flachwasser. Foto: Sea Shepherd