• Simple Item 10
  • Simple Item 9
  • 1
  • 2

03. September 2011

Kommentar von Captain Paul Watson

Am 1. September begann im japanischen Taiji wieder offiziell das furchtbare jährliche Massaker an wehrlosen Delfinen, aber weil der Taifun Talas rechtzeitig eingetroffen ist, wird sich das Töten noch um mindestens eine Woche verschieben. Die See ist Japan dieses Jahr nicht sehr freundlich gesonnen, aber andererseits verhält sich auch Japan seit einiger Zeit nicht sehr freundlich gegenüber der See.

Die Fischer von Taiji im Verwaltungsbezirk von Wakayama sind stolz darauf, den Ruf Japans durch den Dreck zu ziehen, indem sie mit dem Abschlachten von Delfinen fortfahren, was in seiner barbarischen Grausamkeit und ekelhaften Bösartigkeit inzwischen weltweit nirgendwo anders so stattfindet.

Die Sea Shepherd Conservation Society hat den Mord an den Delfinen in Taiji seit 2003 tatkräftig bekämpft, als wir der Presse und unseren Unterstützern zum ersten Mal aussagekräftige Bilder vom brutalen Abschlachten vorgelegt haben. Im selben Jahr haben zwei Mannschaftsmitglieder von Sea Shepherd, Allison Lance aus Amerika und Alex Cornelissen aus den Niederlanden, Fischernetze zerschnitten und 15 Delfinen zur Freiheit verholfen.

Die Antwort der Fischer auf unsere Aktionen war der Aufbau von Abdeckplanen, um die Sicht auf ihr blutiges Tun zu verdecken. Dann drehten die Filmemacher Louie Psihoyos und Ric O’Barry einen Dokumentarfilm namens Die Bucht, in dem es um die Herausforderung ging, das unsagbar Böse hinter den Barrikaden zu filmen. Dieser Film gewann später einen Oskar als bester Dokumentarfilm und lenkte die Aufmerksamkeit der Welt auf das Grauen in Taiji.

2010 begann Sea Shepherd mit dem Cove-Guardian-Programm, durch das 65 Freiwillige sechs Monate lang nach Taiji kamen, um die Delfinmörder auf legale und nicht-gewaltsame Art und Weise zu bedrängen, ihr Tun zu dokumentieren und sie zu irritieren. Durch ihre Aktionen wurde die Tätigkeit der Fischer wirksam ins Stocken gebracht, so dass in der Zeit zwischen 1. September 2010 und 1. März 2011 nur halb so viele Delfine getötet wurden, wie im Jahr zuvor. Dadurch wurde 750-800 Delfinen das Leben gerettet.

Die Cove Guardians werden dieses Jahr zurückkehren, aber Sea Shepherd hat entschieden, nicht schon in der ersten Septemberwoche vor Ort zu sein, um Ric O’Barry und seinen gemäßigteren Widerstand gegen das Abschlachten nicht zu behindern. Ric kam zum ersten Mal zusammen mit Sea Shepherd im Jahr 2003 nach Taiji. Er ist ein engagierter Verteidiger der Delfine, ein Star im Film Die Bucht und hört nicht auf, sich weltweit für Delfine einzusetzen.

Ric macht eine phantastische Arbeit, aber sein Ansatz unterscheidet sich von unserem und wir möchten nicht, dass seine Taktik gefährdet ist, weil die japanischen Behörden durch unser beider Anwesenheit verwirrt werden. Wir wünschen Ric für seinen Einsatz alles Gute und wir halten uns bereit, die Stellung zu übernehmen, wenn er Taiji verlässt.

Die Cove Guardians von Sea Shepherd werden ihre Aktivitäten in Taiji für weitere sechs Monate wieder aufnehmen und alle plumpen Versuche der japanischen Regierung vereiteln, uns von unserem legalen und nicht-gewaltsamen Vorgehen abzuhalten.

Der offiziell erste Tag des Delfinschlachtens traf mit der Ankunft des Taifuns Talas zusammen, der einen maximalen Mittelwind von 30 Metern pro Sekunde (100 Stundenkilometer) und einen Kerndruck von 965 hPa aufweist. Heftiger Regen peitscht auf die südliche Küste ein und starker Seegang und Überflutungen bedrohen die Delfine, die bereits gefangen in Taiji eingepfercht sind.

Meteorologen wundern sich über Talas und sagen: „Die Analyse ergibt auch weiterhin ein ungewöhnliches Muster in den oberen Schichten mit einem hochgelegenen Tief über dem Zentrum und einer antizyklonischen Strömung um die Peripherie herum.“ Und Talas dicht auf dem Fuß folgt mit Nanmadol ein tobender Supertaifun der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometer.

Die Stürme sind der geeignete Bote für Sea Shepherds Kampagne gegen den japanischen Walfang in der bevorstehenden Saison. Der Name der diesjährigen Kampagne ist Operation Divine Wind (Japanisch „Kamikaze“, das heißt „Göttliche Winde“). Es waren die Kamikaze, die in den Jahren 1274 und 1281 die angreifenden Flotten aus der Mongolei zerstört haben.

Haben einst die Taifune Japan geschützt, so sind es heute die Fischer, die beim Meer in Ungnade gefallen sind, und die Taifune sind zurückgekehrt, um die Delfine zu schützen. Und es sind die Cove Guardians, die heute den Geist der Kamikaze verkörpern.

Yamato-damashii, der japanische Volksgeist, in dem sich das Wesen des alten japanischen Volkes ausdrückt, ist fast ganz verschwunden und Shikishima (das alte Japan, Anm.d.Ü.) löst sich in den Nebeln der Zeit auf wie verblühte Kirschblüten. Stattdessen wird Japan heute von grausamen Verbrechern, die Delfine in Taiji brutal behandeln, gedankenlosen Massen, die die letzten Blauflossen-Thuns konsumieren und herzlosen Schlächtern der großen Wale im Walschutzgebiet des Südpolarmeeres repräsentiert.

Nach der Seele von Delfinen gefragt würde ich antworten: “Ihre Seelen sind wie wilde rote Kirschblüten, die in der Morgensonne bluten.”

Manche führen die aus dem Meer stammenden Katastrophen, die Japan getroffen haben, auf Karma und göttliches Eingreifen zurück. Sea Shepherd und ich lehnen solche abstrusen und unrealistischen Überlegungen ab, weil es für solche Spekulationen keine wissenschaftliche Plausibilität gibt, aber ich mache mir Gedanken über ausgleichende Gerechtigkeit im poetischen Sinn, weil die Nation, die die größte Verantwortung für die Vernichtung von Walen, Delfinen, Meeresschildkröten, dem Blauflossen-Thun und so vielen anderen Arten in unseren Ozeanen trägt, genau dieselbe Nation ist, die vom Zorn aus dem Meer so schrecklich zugerichtet worden ist.

Mir kommt der Roman Gogo no Eiko (Der Matrose, der beim Meer in Ungnade fiel) von Yukio Mishima aus dem Jahr 1963 in den Sinn und mir drängt sich das Gefühl auf, dass es Japan selbst ist, das beim Meer in Ungnade fällt.

Auf dem Staatsschiff mit Namen "Nation von Japan" sind vielleicht die Delfinmörder aus Taiji und die Walfänger der antarktischen Walfangflotte die Jonasse unserer Tage, die das Land verhexen.



Solche Spekulationen sind natürlich dumm und die Folge meiner poetischen Sichtweise der Dinge, aber es gibt keinen Zweifel, dass die Größe Japans in der Wertschätzung hunderter Millionen Bürger weltweit zurückgegangen ist, weil sie die Massaker im Südpolarmeer und in Taiji als schwarzes Schandmal auf dem ganzen Land der aufgehenden Sonne empfinden.

Wenn ich an Japan denke, dann möchte ich an Haiku (traditionelle japanische Gedichtform; Anm. d. Ü.) und an Filme und Literatur aus Japan denken, Filme wie Die Sieben Samurai und Rashomon von Akira Kurosawa oder Seppuku (Harakiri) von Masaki Kobayashi. Mir fallen legendäre Helden ein, wie Miyamoto Musashi, japanische Kunst, das japanische Empfinden für Ordnung und Symmetrie und die linguistische Schönheit der japanischen Sprache. Aber auf all die Schönheit und Poesie wird durch das rote Blut, das aus klaffenden Wunden von totgeprügelten Delfinen und Walen in die kalte See fließt, ein Schatten geworfen. All die Zartheit japanischer Musik wird übertönt von den mitleiderregenden und beklagenswerten Schreien sterbender Wale.

Und ich frage mich, warum eine Nation mit solchen Errungenschaften in Kunst, Philosophie, Technologie und Genialität es zulässt, sich von einer kleinen Handvoll blutrünstiger Männer mit ihren Harpunen und Speeren besudeln zu lassen. Ich kenne die Antwort nicht, aber ich weiß, dass mich das Studium der japanischen Geschichte Eines gelehrt hat und das ist, zu seinen Pflichten zu stehen und mit absoluter Loyalität und Ehre zu dienen.

Und das tun wir in Bezug auf die Delfine und Wale, die wir verteidigen. Wir haben gelobt, sie zu verteidigen und zu beschützen, und wir müssen unserer Pflicht nachkommen, egal welcher Gegner aufgeboten wird, um uns davon abzubringen.

Sea Shepherd ist kein Feind Japans, aber wir sind der Feind jenes hässlichen Krebsgeschwürs, das wie ein hartnäckiger Blutegel an der Flagge Japans haftet, und dieses Krebsgeschwür ist Taiji und die Walfangflotte, die das Gewässer des Walschutzgebietes im Südpolarmeer ausplündert.



Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen