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15. August 2011

Kommentar von Gary Stokes, Sea Shepherd Hong Kong Koordinator

Die jährliche Hong Kong Food Expo, organisiert von der Handels- und Entwicklungskammer Hong Kong (HKTDC), ist eine der größten Nahrungsmittel-Messen ihrer Art in ganz Asien. Nachdem mir ein befreundeter Fotojournalist einen Tipp gegeben hatte, machte ich mich sofort auf, um der Messe einen Besuch abzustatten. Nach unserer Ankunft entdeckten wir einen Stand der Yashima Shoji Co. Ltd., wo Vertreter des Unternehmens nicht nur für Verträge über den Kauf von Blauflossen-Thun aus dem Atlantik warben, sondern den Großhandels-Besuchern der Messe auch kostenlose Essensproben anboten.

Ich ging auf sie zu und fragte sie, warum sie eine auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet eingestufte Art anbieten. Erst bekam ich keine Antwort, aber dann ging ihnen auf, dass ich bei SSCS bin (Vielleicht hat mich mein schwarzes T-Shirt mit der Sea Shepherd Piratenflagge verraten). Meine Frage löste eine Folge von Ereignissen aus, die wir nur ungläubig bestaunen konnten. Alle griffen zum Telefon und nach wenigen Augenblicken erschien ein Team vom Sicherheitspersonal der Messe, das von den Messeveranstaltern selbst begleitet wurde. Einer der Veranstalter wollte wissen, was mein „Problem“ sei. Ich sagte ihm, ich hätte nur eine einfache Frage gestellt und würde ohne weiter etwas zu sagen, einfach nur auf eine Antwort warten.

Das Gespräch ging noch ein wenig hin und her, bis ich sie fragte, warum sie es, als Veranstalter, einem Verkäufer gestatten würden, eine gefährdete Art auf die Messe mitzubringen, und bat um eine offizielle Antwort für das Protokoll.

Die Spannungen zwischen den chinesischen Veranstaltern und den japanischen Handelsvertretern nahmen zu und wenig später begannen die Japaner damit, alle Proben und Aufschriften verschwinden zu lassen. Danach schauten sie ziemlich unglücklich aus der Wäsche. Die Veranstalter wussten nicht so recht, was sie als nächstes tun sollten, und entschlossen sich dann, uns den Rücken zuzukehren und wegzugehen.

Ich hatte mit dieser Reaktion überhaupt nicht gerechnet, aber nun stand ich neben dem einzigen Stand mit Blauflossen-Thun auf der ganzen Messe und der war nun komplett leer, abgesehen von ein paar Postern an der Wand und neun unglücklichen japanischen Vertretern, die mich anstarrten. Was sollte ich jetzt tun? Wenn ich gegangen wäre, hätten sie die Thunfisch-Proben einfach wieder raus geholt. Um das zu verhindern, entschloss ich mich, bis zum Abend dazubleiben.

Am Nachmittag kam die South China Morning Post, eine Tageszeitung, vorbei und wollte mit mir sprechen, um herauszufinden, was los war. Nachdem die Japaner mehrere Stunden gewartet hatten, packten sie ihre Proben wieder aus, um zu testen, wie ich reagieren würde. Zunächst war es absolut qualvoll, mit anzusehen, wie sich die dumme Menschenmasse um den Stand zusammenballte. Dann packte ich meine Kamera aus und begann damit, jede Person zu fotografieren, die sich etwas Fleisch von der bedrohten Tierart holen wollte. Diese Strategie bewirkte sofort, dass die Menschenmenge auseinander stieb, und es dauerte nicht lange, bis ich und meine neuen „Freunde“ den Messestand wieder für uns hatten.

Schließlich wurde es sechs Uhr Abends und die Messe schloss ihre Tore. Ich verabschiedete mich von den japanischen Handelsvertretern und sagte ihnen noch, wir würden uns am nächsten Morgen wieder sehen. Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände.

Am Sonntagmorgen wachte ich auf, um mich auf der Titelseite der South China Morning Post vom 13. August (Für den Link benötigt man ein Abonnement) wiederzufinden. Als ich auf der Messe ankam, war am Stand, wo es gestern noch Essensproben vom Blauflossen-Thun gegeben hatte, keine Menschenseele zu sehen. Ich wartete und wartete bis schließlich jemand von den Vertretern vorbei kam, mich sah und sofort einen Anruf machte. Dann wartete und wartete ich wieder, aber es kam niemand mehr, um den Stand zu öffnen. Ich blieb den ganzen Tag auf der Messe, bis ich sicher war, dass dieser Stand nicht mehr aufmachen würde. Es war mehr oder weniger der einzige geschlossene Stand auf der gesamten Messe wo überall sonst die Geschäfte blühten.

Nur dadurch, dass ich mich auf der Messe umgeschaut und eine einfache kurze Frage gestellt hatte, während ich gleichzeitig in einem schwarzen T-Shirt einer wohl bekannten Naturschutzorganisation nicht von der Stelle gewichen bin, ist es mir gelungen, Blauflossen-Thun von einer der größten Nahrungsmittel-Messen in Asien verschwinden zu lassen. Auch wenn es nur eine Messe und nur eine Gelegenheit war, ist es trotzdem ein Sieg für die Tierart und ein Beispiel, was man überall auf der Welt machen kann und machen sollte. Es war wirklich ein gutes Wochenende!



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