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12. August 2011

Kommentar von Captain Paul Watson

Die färöische Regierung und die dortigen Medien haben behauptet, dass sie eine offene Gesellschaft sind und Diskussionen auf den Färöer-Inseln willkommen heißen. Also beschlossen wir eine öffentliche Kundgebung in Tórshavn abzuhalten, um die Menschen darüber zu informieren, warum Sea Shepherd die Wale verteidigt.

Zuerst wendeten wir uns an das Haus des Nordens, eine kulturelle Einrichtung, wo man uns höflich mitteilte, dass wir dort nicht sprechen können. Als nächstes buchten wir einen Konferenzraum im Hotel Tórshavn. Als die Buchung bestätigt war, gaben wir bekannt, dass die Veranstaltung am Samstag, den 13. August stattfinden würde. Aber gleich am nächsten Tag stornierte das Hotel die Buchung auf Anraten einer Quelle, die sie nicht preisgeben wollten. Das Filmtheater schlug uns buchstäblich die Tür vor der Nase zu, als wir unseren Vorschlag wiederholten. So viel zum Angebot eines offenen Dialogs auf den Färöer-Inseln.

Man sagte uns, dass andere Leute das Grind gerne auf den Färöern diskutieren können, da sie bereit seien, die färöische Kultur und die Traditionen zu verstehen, die hinter dem Töten der Wale stehen. Man sagte uns, dass wir nicht willkommen sind, weil wir nicht kompromissbereit seien. Mit anderen Worten, sollten wir das Abschlachten verstehen und akzeptieren, um darüber zu diskutieren und das werden wir nicht tun.

Es ist unsere Auffassung, dass Kultur und Tradition niemals eine Rechtfertigung für Grausamkeit und Mord sein darf. Wenn es um das Töten geht, gibt es für uns keine Kompromisse.

Da wir die Einwohner der Färöer-Inseln nicht persönlich über unser Anliegen aufklären können, bleibt uns nur der Weg, dies über einen offenen Brief auf unserer Webseite und in sozialen Foren zu tun, was es den Färingern, die verstehen möchten, warum Sea Shepherd gegen das Grind eingreift, ermöglicht ihn zu lesen.

Wir hätten Fragen und einen offenen Austausch von Standpunkten begrüßt, aber diese Möglichkeit wurde uns durch Umstände, die wir nicht beeinflussen können, verwehrt. Falls wir jedoch die Erlaubnis bekommen, könnten wir am Samstag, den 13. August mit unserem Schiff in Tórshavn anlegen und die Leute einladen, an Bord zu kommen, um mit dem Captain und der Mannschaft zu diskutieren.

Einstweilen ist der folgende Brief eine Erklärung für jeden Bewohner der Färöer-Inseln, der wissen will warum wir hier sind.

Warum wir die Wale verteidigen

Von Captain Paul Watson

Man sagt die See ist kalt, aber die See enthält das heißeste Blut überhaupt, und das wildeste und dringlichste. -D.H. Lawrence

Im Meer gibt es tiefgründige Intelligenz. Diese Intelligenz wird durch das hervorragend entwickelte Gehirn der Delfine und Wale verkörpert!

Ein großes, komplexes vierlappiges Gehirn, welches im Vergleich zu unserem dreilappigen menschlichen Gehirn viel größer ist und mehr Falten im Bereich des Neokortex aufweist als unser eigenes. Auf neurologischer Ebene besitzt das Walgehirn viele der Merkmale, die beim Menschen mit hoch entwickeltem Erkenntnisvermögen in Zusammenhang gebracht werden. Wie auch die Schimpansen, sind Delfine und Wale im Grunde genommen nicht-menschliche Personen. Und deshalb ist es meine ernsthafte Überzeugung, dass das Töten eines Wals, das Töten eines Delfins, das Töten eines Grindwals die moralische Entsprechung von Mord ist!

Dies sind alle sozial komplexe, empfindungsfähige Lebewesen und neue wissenschaftliche Veröffentlichungen bestätigen, dass Pottwale und Delfine, die Fähigkeit gezeigt haben, sich gegenseitig anhand von individuellen Namen zu identifizieren.

Wir appellieren an die Färinger, Mitgefühl für die Wale und Delfine unseres Planeten zu entwickeln.

Seit hunderten von Jahren haben wir diese intelligente Tierart nur als Öl-, Barten- und Fleischlieferant angesehen. Nie haben wir innegehalten, um darüber nachzudenken, zu fühlen, zu verstehen, was sie denken, fühlen oder verstehen und haben ihnen dabei großes Leid zugefügt und rücksichtslose Gewalt an dieser fremden und doch außerordentlich hohen Intelligenz ausgeübt.

Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht für den Schutz der Wale und Delfine zu kämpfen, weil ich der Überzeugung bin, dass wir lernen müssen mit ihnen in Harmonie zu leben, weil wir noch so viel mehr von ihnen lernen können und wir kurz davor sind, wirkliche Möglichkeiten zu entdecken, mit einer nicht-menschlichen Spezies zu kommunizieren.

Wir verbrauchen Milliarden von Dollar, um nach außerirdischem Leben im Universum zu suchen und dabei gibt es eine Intelligenzform hier auf unserem eigenen Planeten, die weniger fremd und genauso faszinierend wie alles ist, was wir jemals in einem anderen Sonnen- oder Galaxiesystem finden werden.

Manche Leute bezweifeln die Intelligenz dieser Lebewesen, indem sie die Frage stellen, warum sie trotz ihres guten Kommunikationsvermögens die Färöer-Inseln nicht meiden. Die Antwort darauf ist, dass sie das nicht können, wenn ganze Walschulen bis zum letzten Kalb ausradiert werden. Ohne Überlebende bleibt kein einziger Wal übrig, der den anderen Schulen den Horror übermitteln kann, der andere Grindwale in den Fjorden und Buchten der Färöer-Inseln erwartet.

Der andere Grund ist die Unfähigkeit des Menschen, nicht manipulative Intelligenz zu begreifen. Wir setzen Intelligenz mit Technik gleich. Wale dagegen brauchen keine Technik und doch haben sie die Intelligenz, in Harmonie mit ihrer Umwelt zu leben. Die Menschheit hingegen scheint mit dieser Eigenschaft nicht so sehr gesegnet zu sein.

Wale sind eine intelligente Art, die die DNA dieses Planten mit uns teilen. Sie sind Erdlinge, genau wie wir. Genauer gesagt, leben wir alle auf dem Planeten Ozean und nicht auf dem Planten Erde. Das Leben nahm im Meer seinen Anfang und das Leben blüht im Meer und wenn es das nicht tut, wenn die Ozeane sterben, dann heißt das in Wahrheit, dass wir mit ihnen sterben werden. Wir können auf diesem Planeten nicht mit einem toten Meer leben. Es ist das Herz des Lebens und die Quelle von allem, was wir für unser Überleben brauchen. Es gibt 80 Walarten in den Meeren und diese 80 Arten sind unsere Verbindung, die enge Verwandtschaft zwischen dem lebendigen Meer und allem Leben zu verstehen.

Hast du dir die Schmerzen, welche die Wale während des Grinds erdulden schon einmal vorgestellt? Die schneidenden, quälenden Schmerzen eines Messers, das durch das weiche Gewebe schneidet und die Schmerzen zerbrechender Knochen? Die Schmerzen eines großen Herzens, das heißes Blut ins Meer pumpt, während es gleichzeitig die Lungenhöhlen füllt und die Wale daran ersticken und sich dabei in grauenvollen Zuckungen im seichten Meer winden, während sie Menschen sehen, die gnadenlos auf sie einschlagen, sie aufschneiden, aufschlitzen und mit scharfen Messern auf sie einstechen und schockiert erleben wie ihr Leben dahinschwindet.

Hast du dir schon einmal das Trauma dieser außergewöhnlich intelligenten und empfindungsfähigen Lebewesen vorgestellt, wenn sie sehen, wie ihre Familien um sie herum abgeschlachtet werden, während Mütter versuchen ihre Kälber zu verteidigen, aber gegenüber dem Gräuel, das sie umgibt, völlig hilflos sind? Stelle dir den Schrecken vor, den Mütter verspüren, wenn ihre Kälber rücksichtslos abgestochen werden und ihre Jungen Notsignale in Frequenzen von sich geben, die kein Mensch hören kann, die für die Mütter aber eine emotionale Hölle sind.

Die physischen Schmerzen sind horrorartig und die emotionalen Schmerzen kann sich niemand vorstellen, der sie nicht selbst erlebt hat. Manche werden sagen, dass es nur Tiere sind. Sie fühlen nichts. Sie denken nicht und sind einfach nur unbeseeltes Fleisch.

Doch sie denken und kommunizieren miteinander. Sie fühlen und haben Mitgefühl füreinander, was man daran sehen kann, dass sie sich gegenseitig beschützen, wenn einer von ihnen verletzt ist. Sie trauern. Sie fühlen Schmerzen. Sie leiden. Sie sind lebendig, gesund und schön und wir verletzen und töten sie. Man reißt ihnen die Gedärme heraus und die Föten aus den Bäuchen ihrer Mütter, während klaffende Löcher in ihrem Fleisch zurückbleiben, Blut das Meer erfüllt und Schreie die Fjorden entlang hallen.

Dies nicht zu sehen und nicht zu fühlen ist schlicht und ergreifend Verdrängung – bequem, ignorant, arrogant und einfach nur völlig falsch. Es ist so leicht dies zu verdrängen und in unserer hominiden Überheblichkeit sind wir absichtlich ignorant, indem wir ihr Empfindungsvermögen verneinen.

Es geht nicht um das Töten einer Kuh, eines Schafes oder eines Schweins, das für den menschlichen Verzehr aufgezogen wurde, sondern es gleicht dem Töten eines Gorillas, eines Schimpansen oder eines Orang-Utans. Es ist aus moralisch-ethischer Sicht einfach falsch.

Und die Menschheit als Ganzes sieht das genauso. Die meisten Menschen auf dieser Welt fühlen eine Verbundenheit zu Walen und Delfinen. Die meisten Menschen fühlen ihre Einzigartigkeit und schätzen diese wundersamen Lebewesen und wollen sie am Leben erhalten. Die meisten Menschen verabscheuen das „Grind“, genauso wie das Abschlachten der Delfine in Japan.

Die Färinger verlangen, dass ihre Kultur respektiert wird, doch wie können zivilisierte Menschen solch eine barbarische Tradition als genau das respektieren, was sie ist – ein Affront gegen den Anstand, eine Beleidigung der Menschlichkeit und eine Schande für die Zivilisation.

Jeder, der Wale in der Wildnis gesehen hat oder mit ihnen dort in Kontakt gekommen ist, weiß und fühlt, dass sie besondere Wesen sind. Intuitiv wissen wir um ihre Intelligenz und intuitiv sorgen wir uns um ihr Wohlergehen. Wir retten sie, wenn sie gestrandet sind, wir befreien sie, wenn sie sich in unseren Netzen verfangen haben, und wir freuen uns, sie schwimmen zu sehen.

Manche Menschen sagen, ihr Leben habe sich verändert, nachdem sie Wale und Delfine gesehen hatten. Manche Menschen sind von Delfinen gerettet worden. Der Weltmeister im Freesurfen, Dave Rastovich, verdankt sein Leben einem Delfin, der einen großen angreifenden Weißen Hai seitlich rammte. Es gibt viele Berichte von Delfinen, die das Leben von Menschen gerettet haben. In Neuseeland, Amerika, Brasilien und kürzlich Schottland kommen freiwillige Helfer von weit her, um gestrandete Grindwale zu retten.

Aber nicht auf den Färöer-Inseln. Hier bringt ihr sie um. Warum? Weil es eine Tradition ist! Weil es Teil Eurer Kultur ist.

Im vergangenen Jahr haben Katalonien und Ecuador den Stierkampf abgeschafft, der dort auch eine Tradition war. Gegenden wie Katalonien und Ecuador haben die Tatsache erkannt, dass Traditionen, die auf Grausamkeit und Abschlachten beruhen, im 21. Jahrhundert keinen Platz haben.

Die Gesuche Islands und Norwegens, der Europäischen Union beizutreten, wurden abgelehnt, weil sie Walfangnationen sind. Aber die Färöer-Inseln, ein Protektorat Dänemarks, erfreuen sich an Subventionen der EU ohne EU-Regulierungen einhalten zu müssen. Europa hat völlig klar gemacht, dass das Abschlachten von Walen mit den Idealen der europäischen Zivilisation nicht vereinbar ist. Die Subventionen sollten eingestellt werden, weil andernfalls Norwegen und Island diskriminiert werden. Die EU muss auf Dänemark Druck ausüben, die Subventionen zurückzuhalten, bis die Färöer-Inseln die Regulierungen zum Schutz der Wale und gegen die Grausamkeit einhalten, die alle Europäer respektieren müssen.

Manche Leute argumentieren vielleicht, dass es genügend Grindwale gibt, aber wie viele wirklich leben, weiß niemand ganz genau.

Die Weltnaturschutzunion (IUCN, International Union for Conservation of Nature) hat festgestellt, dass die Datenlage für diese Art mangelhaft ist. Anders gesagt, niemand weiß, wie viele Gewöhnliche Grindwale in unseren Ozeanen existieren. Die IUCN schätzt, dass es ungefähr 200.000 Kurzflossen-Grindwale gibt und die Anzahl Gewöhnlicher Grindwale ist viel geringer.

Höchstwahrscheinlich umfasst die gesamte Weltpopulation der Gewöhnlichen Grindwale nicht mehr als das Vierfache der 47.000 Einwohner auf den Färöer-Inseln. Aber es geht hier nicht um Zahlen. Es geht um Moral. Es geht um das erbarmungslose Abschlachten von intelligenten, sensiblen und empfindsamen Lebewesen. Es geht um Mord.

Manche argumentieren, dass Mord ein Begriff ist, der nur auf das Töten menschlicher Wesen angewendet werden sollte. Dem widerspreche ich. Wäre es beispielsweise kein Mord, wenn eine fremdartige außerirdische Lebensform einen Menschen töten würde? Die meisten von uns würden zustimmen, dass es in der Tat Mord wäre. Und aller Wahrscheinlichkeit nach würde jede außerirdische Lebensform, die technologisch in der Lage wäre uns zu besuchen, sich überlegen fühlen und in uns nichts weiter als nutzbares Eiweiß sehen.

Es gibt Leute, die sagen, dass die Färinger damit aufhören müssen, Wale zu töten, wegen des Quecksilbers in den Körpern der Wale und den ungesunden Folgen, die Quecksilber hat, wenn es in unsere Körper gelangt. Aber nur wenige von ihnen fragen, welche Auswirkungen Quecksilber auf die Überlebenschancen der Grindwale selbst hat. Quecksilber stellt ihr Überleben in Frage – zusätzlich zu den Verlusten, die sie durch den Grind erleiden.

Manche Färinger sagen, die Industrienationen wie Großbritannien und Frankreich seien für das Quecksilber verantwortlich, lassen aber außer Acht, dass sie es selber sind, die die Produkte dieser Industrienationen kaufen, und sie deshalb ebenfalls für die hohe Verunreinigung der Meere durch Quecksilber und andere Schwermetalle Verantwortung tragen.

Tatsache ist, dass unsere Ozeane sterben: durch Überfischung, Umweltverschmutzung, Übersäuerung, den Klimawandel und einen ökologischen Zusammenbruch, der durch die Zerstörung von Habitaten und das Ungleichgewicht in den Beziehungen der Arten untereinander hervorgerufen wird. Dieses Ungleichgewicht bedroht unsere Sauerstoffversorgung und dadurch sogar unser ureigenes Überleben.

Der meiste Sauerstoff auf der Erde wird durch Phytoplankton erzeugt. Zooplankton ernährt sich von Phytoplankton. Wale und Fische verzehren Zooplankton. Der Anteil an Meeres-Lebewesen, die nicht vom Menschen überfischt wurden, ist ebenfalls unverhältnismäßig gering. Das hat eine zerstörerische Wirkung auf die Nahrungskette. Haie haben die letzten großen Massenaussterben auf diesem Planeten überlebt, aber ihre großartige Fähigkeit als Art zu überleben ist den Auswüchsen der Menschheit nicht gewachsen und ihr gegenwärtiger Rückgang ist alarmierend. Weltweit ist auch die Menge an Phytoplankton zurückgegangen und zwar seit 1950 um 40% (Scientific American). Man nimmt an, dass die Übersäuerung der Meere zu diesem Rückgang des Phytoplanktons beiträgt.

Die Ozeane stecken in Schwierigkeiten und dadurch steckt die Menschheit in Schwierigkeiten, denn wenn die Ozeane sterben – dann sterben wir.

Was mich selbst betrifft, so verteidige ich Wale, weil einst ein sterbender Wal mein Leben verschont hat, und seit diesem Tag im Juni 1975 habe ich meinen Körper, mein Herz und meine Seele dem Schutz von Walen und anderen Lebewesen in unseren Ozeanen verschrieben. Was ich tue, tue ich für sie und weil ich ein tiefes intuitives Mitgefühl für diese außergewöhnlichen Gemüter empfinde.

Empathie ist das Verstehen der Gefühle und Gedanken von anderen und so zu fühlen, wie sie fühlen, und weil ich fühle, was sie fühlen, reagiere ich so, wie sie reagieren würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Und weil ich ein Mensch bin, habe ich die Möglichkeit zu reagieren um sie zu verteidigen und das tue ich. Empathie ist das Erleben eines fremden Bewusstseins und die Fähigkeit zu sehen, was ein Anderer sieht, zu fühlen, was ein Anderer fühlt, und zu leiden, wenn ein Anderer leidet.

Wenn daher ein Messer in den Körper eines Wales fährt, dann spüre auch ich das und kann mich mit dem Entsetzen identifizieren, dass er empfindet. Ich weiß, dass ich anderen Menschen nicht leicht begreiflich machen kann, was ich fühle und was ich erlebt habe, aber für mich ist es real und fundamental in seinen Auswirkungen auf alles, was ich gemacht habe und bis zum Ende meines Lebens machen werde. Ich habe eine andere und fremde Realität im Auge des sterbenden Pottwals gesehen und es ist die Realität dessen, was ich mit einem Blick in die Seele eines fremden, aber fühlenden Lebewesens erhascht habe, was all mein Tun in den vergangenen vier Jahrzehnten geprägt hat.

Die Welt muss erfahren, was auf den Färöer-Inseln geschieht und so wie wir die Welt mit dem Oskar-gekrönten Film „Die Bucht“ auf das Grauen des Delfin-Abschlachtens in Taiji aufmerksam gemacht haben, so müssen wir das Geschütz der mächtigsten, jemals erfundenen Waffe jetzt auf die Färöer-Inseln richten – das der Kamera.

In der Welt des 21. Jahrhunderts ist kein Platz mehr für barbarische Traditionen wie diese, in einer Welt, in der das Artensterben zunimmt, in der die Ozeane sterben und in der die schiere Zahl an Menschen die ökologische Unversehrtheit eines ganzen Planeten gefährdet.

Die Färinger sagen, dass wir ihre Kultur nicht respektieren und sie haben Recht – wir respektieren sie nicht. Die Färinger sagen, dass wir ihre Tradition nicht respektieren und sie haben Recht – wir respektieren sie nicht. Wir respektieren das Leben und wir respektieren, dass es in unseren Ozeanen eine Intelligenz und einen Geist gibt, mit dem wir uns eines Tages austauschen können, indem wir die Macht unserer Vorstellungskraft und Intelligenz vereint mit Empathie dazu nutzen, etwas zu erreichen, was viele als unmöglich ansehen – die Kommunikation mit einer anderen Lebensform.

Eines Tages werden wir vielleicht in der Lage sein, genau das zu tun, wenn nicht die dunkle Seite des Menschen die Oberhand gewinnt, indem sie diese Intelligenz auslöscht und der Menschheit diese erstaunliche Möglichkeit für immer raubt.

In der Zwischenzeit wird die Sea Shepherd Conservation Society in ihrer langen Odyssee fortfahren, den Grind auf den Färöer-Inseln zu bekämpfen. Wir haben das seit 1983 getan. Wir haben niemals auf schnelle Erfolge gehofft. Es hat vier Jahrzehnte gedauert, bis der kommerzielle Markt für kanadische Robbenprodukte unterhöhlt war und wir haben sieben Jahre gebraucht, um die Japaner aus dem Walschutzgebiet im Südpolarmeer zu vertreiben. Wir wissen, dass die politischen Auseinandersetzungen Jahrzehnte dauern können, aber wir wissen auch, dass es unerlässlich ist damit fortzufahren, das Abschlachten von Walen weltweit zu bekämpfen. Egal durch wen, wo und aus welchem Grund. Und wir werden weiter kämpfen.

Durch unsere Anwesenheit auf den Färöer-Inseln haben wir viele Einheimische kennen gelernt, die dem Grindwal-Abschlachten ablehnend gegenüber stehen, sind aber auch an andere geraten, die heftige Befürworter sind. Ich bin aber guter Hoffnung, dass die Gegner letztlich die Oberhand über die Befürworter gewinnen werden.

1977 haben wir australische Walfänger in ihren Walfang-Stützpunkten angegriffen, die daraufhin 1978 geschlossen wurden, und heute ist Australien die leidenschaftlichste Walschutz-Nation der Welt. Wir glauben, dass die Japaner, die Norweger, die Isländer und die Färinger genauso leidenschaftlich darin sein können, Wale zu schützen, wie ihre Vorfahren darin waren, sie zu töten.

Wir haben erlebt, wie sich das öffentliche Bewusstsein in Australien entwickelt hat und ich glaube, wir werden das in Zukunft auch auf den Färöer-Inseln erleben, diese wunderschönen Inseln im Norden, vollendet in jeder Hinsicht mit einer grauenvollen Ausnahme – dem blutigen Schlachtopfer des Grind.

Es muss aufhören. Es wird aufhören. Die einzige Frage ist, wann?

Unsere Aufgabe ist es im Augenblick, dem Rest der Welt die Augen dafür zu öffnen, was der Grind ist – eine Obszönität und eine Schande auf dem Wappen der Menschlichkeit. Und hoffentlich werden mehr und mehr Färinger es genauso sehen wie die übrige Welt und hoffentlich wird das Mitgefühl über die Grausamkeit triumphieren.

Wir haben die beste Waffe für diesen Zweck – die Kamera – und wir werden sie nutzen.



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