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11. August 2011

Kommentar von Deborah Bassett, Sea Shepherd Crewmitglied, Operation Ferocious Isles

Am 29. Juli fuhren Stephane Gili aus Frankreich, Georgie Dicks aus Australien und ich (Amerikanerin) – die Landcrew der Operation Ferocious Isles – mit unserem einzigartig dekorierten „Stoppt das Grind“ Van durch die Straßen der färöischen Hauptstadt Tórshaven. Wir nutzten die Gelegenheit und nahmen an der größten kulturellen Feierlichkeit des Landes teil, welche jedes Jahr am St. Olav Tag stattfindet. Mit unserem Van, der mit grauenhaften Bildern, die Peter Hammarstedt während des Grindwalmassakers 2010 aufgenommen hatte, beklebt war, fuhren wir mitten in den Festzug und spielten die schaurigen Schreie der unschuldigen Opfer aus den vergangenen Jahren über Lautsprecher ab. Das überholte, unnötige und verschwenderische Grindwalmassaker, welches die Einheimischen „Grindadráp“ oder einfach „Grind“ nennen, wird auf dem aus 18 Inseln bestehenden Archipel, der sich nordwestlich von Schottland, zwischen Norwegen und Island befindet, immer noch mit dem erbärmlichen Argument „kulturelle Tradition“ gerechtfertigt. Unsere Mannschaft war sich darin einig, dass es deshalb nur angemessen war, an die ermordeten Grindwale während dieser jährlichen Feierlichkeiten zu erinnern. Schließlich erfordert der ethische Fortschritt oftmals provokante Aktionen.

Der Festzug ging vom Parlamentsgebäude zur Kathedrale und wurde von Regierungsmitgliedern, Geistlichen und hochrangigen Staatsbeamten angeführt, die stolz ihre nordische Tracht trugen. Dies gab uns eine gute Gelegenheit, den Einheimischen und den vielen Touristen, die die einsame Inselkette jedes Jahr besuchen, die grausame und entsetzliche Tradition vor Augen zu führen. Während das Massaker bei den internationalen Besuchern Schock, Unglauben und Empörung auslöste, zeigten die meisten Einheimischen keinerlei Regung und vergnügten sich einfach weiter. Einige ortsansässige Familien hielten sogar an, um ihre Kinder vor den Bildern der geschändeten Walkadaver fotografieren zu lassen. Offensichtlich werden zwischen der sozialen Vielschichtigkeit mit starken Familienverbänden, welche die Grindwale und die Menschen hier auf den Färöer-Inseln teilen, kaum oder überhaupt keine Parallelen gezogen. Schließlich kam der Bürgermeister an uns und einer großen Gruppe von Schaulustigen, unter denen auch die örtliche Presse und ein Filmteam des Senders Animal Planet war, vorbei und rief sofort die Polizei, die uns zwang das Gelände zu verlassen. Für Menschen, die mit ihrem angeblichen Stolz auf dieses jährliche Gemetzel so prahlen, scheint die Bloßstellung durch die Medien hier immer noch eine der größten Bedrohungen zu sein und wird deshalb auch unsere bevorzugte Waffe bleiben.

Mannschaftsmitglied Stephane klärt die Einheimischen über das Grind auf.

Einige Tage zuvor fuhr Stephane den “Stoppt das Grind” Van von Paris nach Kopenhagen und anschließend mit der Fähre zu den Färöern, wo sie bei der Ankunft von Zollbeamten empfangen wurde, die sieben von acht akustischen Geräten beschlagnahmten. Höchstwahrscheinlich wurde den Beamten von Einheimischen ein Hinweis gegeben, doch Stephane konnte eines der akustischen Geräte in seinem persönlichen Gepäck verstecken. Die Schiffe haben die Geräte seitdem erfolgreich zur Vertreibung der Grindwale von den Küsten verwendet, wo ein sicherer und brutaler Tod auf sie warten würde.

In den frühen Morgenstunden, bevor die Feierlichkeiten begannen, brachte Stephane die Klebebilder heimlich an dem versteckten Van an und machte sich schnell zu der riskanten Mission auf. Wir bereiteten uns auf gewalttätige Reaktionen vor, da die meisten Inselbewohner, die wir während der letzten Wochen getroffen hatten, leidenschaftliche Unterstützer des Walmordes sind und keinen Hehl daraus machten, dass Sea Shepherd auf den Färöern nicht willkommen ist. Trotzdem gab es, abgesehen von dem ein oder anderen bösen Blick oder einer wütenden Bemerkung, kaum Auseinandersetzungen. Wir konnten ihnen „die Stimmung vermiesen“, was als symbolische Geste unserer Solidarität mit den Grindwalen diente. Den Rest des Tages unterhielten wir uns mit Einheimischen und Touristen, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Thematik zu lenken und unseren direkten Widerstand gegen diese schändliche und sinnlose Gräueltat zu zeigen.

Unser Landeinsatz für die Operation Ferocious Isles, welche von Lamya Essemlali, der Sea Shepherd Vorsitzenden von Frankreich angeführt wird, geht weiter und wir patrouillieren regelmäßig die Jagdbuchten und arbeiten mit den Mannschaften auf der Steve Irwin und der Brigitte Bardot zusammen. Essemlali sagte: „Da wir es hier mit einer einzigartigen geografischen Landschaft zu tun haben, ist es entscheidend, dass wir während dieser Kampagne unsere Augen und Ohren auf dem Land offen halten. Hier werden alle verfügbaren Kräfte gebraucht und die Landcrew arbeitet fleißig daran, die Schiffe mit den neuesten Nachrichten zu versorgen. Wenn eine Grindwalschule in diese Gewässer schwimmen sollte, werden wir vor den Walfängern da sein, um die wehrlosen Wale, unsere Auftrageber, zu beschützen."



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