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05. August 2011

Kommentar von Peter Hammarstedt, Erster Offizier, M/Y Brigitte Bardot

Ich erinnere mich daran, wie dankbar ich war, dass ich keine Filmkamera hatte. Ich hätte zehn Filme gebraucht, um Aufnahmen jedes toten Grindwals auf dem Dock von Klaksvik zu machen. Als ich an den vielen Reihen toter Wale vorbei lief und ein Foto nach dem anderen machte, stellte das Ausmaß dieses Massenmordes die hoch aufragenden grünen Berge, die die zweitgrößte Stadt der Färöer-Inseln umgeben, in den Schatten. Es schien beinahe so, als ob die Berge, die den Fischereihafen von allen Seiten umgeben, das Gemetzel vor dem Rest der Welt verbergen wollten.

An diesem Morgen wurden insgesamt 236 Grindwale umgebracht, eine ganze Schule von Kleinwalen nebeneinander aufgereiht und das auf einer Länge, die ich nicht überblicken konnte. Es lagen dort erwachsene Tiere, Jungwale und Föten, die aus den Gebärmüttern der weiblichen Tiere herausgerissen wurden und noch an den Nabelschnüren miteinander verbunden waren.

Es war für Sea Shepherd wichtig, diese Fotos weltweit zu verbreiten, doch seitdem ist es für uns noch wichtiger dieses Massaker zukünftig zu verhindern. Als die Brigitte Bardot im Juli 2011 – fast genau ein Jahr nachdem ich Zeuge der Grindwaljagd in Klaksvik geworden bin – anlegte, war es gespenstisch, aber auch erfolgversprechend, dass die Docks nicht mehr mit Blut bedeckt waren.

Wir waren in Klaksvik unbeliebt, da Sea Shepherd der Stadt einen internationalen Ruf als herzlosen Ort beschert hatte und sogar viele Färinger dem berüchtigten Grindadráp in Klaksvik mit Abscheu gegenüberstanden.

Die Blutorgie dauerte zwei Stunden. Der Strand von Klaksvik soll angeblich Platz für nur 100 Grindwale bieten. Es ist üblich, dass die örtliche Polizei dem Grind-Vorsteher anordnet, den Rest der Walschule wieder zurück ins Meer zu treiben, wenn der Strand voll ist. Doch hier in Klaksvik ging das Morden weiter. Wenn die Wale nicht an den Strand kommen, waten die färöischen Walmörder durch das Wasser und rammen den sogenannten Soknargul, einen grausamen Walfanghaken, in das Blasloch des Grindwals. Der Soknargul oder Grindakrok, wie er auf den Inseln Sandoy und Suduroy genannt wird, ist an einer Leine befestigt und wird dazu verwendet den verängstigten und in Panik versetzten Wal näher an die Küste zu den Schlächtern an Land zu ziehen.

Als die Walfänger im Hafen von Klaksvik nach mehr Platz für die Wale auf dem blutgetränkten Sand suchten, eilten viele der Walfänger schnell nach Hause, um Fanggeräte zu holen, die 1986 teilweise verboten wurden. Vor 1986 hatte der Soknargul ein spitzes Ende, welches jetzt stumpf ist, um die färöische Vereinigung von Veterinären zu besänftigen. Anschließend kehrten die Mörder wieder zu dem Gemetzel zurück und versetzten, mit den einst nicht gerne gesehenen Geräten, die seit Generationen bestehende Walschule wieder in Panik.

Nachdem diese erbarmungslose Waljagd nach zwei Stunden vorbei war und die Ebbe das Blut schließlich hinaus ins Meer trug, war eine komplette Walschule ohne einen einzigen Überlebenden ausradiert. Diese Waljagd war alles andere als schnell, schonend oder nachhaltig.

Die Fotos, die ich in Klaksvik gemacht habe, erzählten eine Geschichte. Jeder Schnitt und Schlag, der die Kadaver, die vor mir lagen, zeichnete, erzählten eine Geschichte. Ein Grindwal wurde sechs Mal traktiert, bevor seine Wirbelsäule durchtrennt war. Wenn mir die Färinger erzählen, dass das Töten schnell vonstatten geht, dann denke ich an diesen Wal.

Zum Glück erzählte die Ankunft der Brigitte Bardot eine andere Geschichte und zwar die einer effektiven Kampagne, die sämtliche Jagdversuche blockieren und verhindern soll. Es ist die Aufgabe von Sea Shepherd und Captain Paul Watson sicherzustellen, dass keine Waljagd mehr stattfindet, besonders wenn wir Wache halten. Als ich wieder die Docks von Klaksvik entlang lief, war es eine Genugtuung festzustellen, dass sie leer waren. Soweit mein Auge reichte – ich konnte keine toten Grindwale sehen. Ich sah nur die Brigitte Bardot an den Festmachern im Kai ruhen, so als ob sie einen Tatort absperren würde, den niemand betreten soll.



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