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29. Juli 2011

Kommentar von Peter Hammarstedt, Erster Offizier, M/Y Brigitte Bardot

Die Färöer-Inseln sind berüchtigt für das jährliche Massaker an Grind- und anderen Kleinwalen. Doch vor 25 Jahren färbte auch das Blut der Großwale die windgepeitschten Küsten dieser Inseln tief rot.

Während die Brigitte Bardot in Hvalvik vor Anker lag, besuchten die Besatzungsmitglieder Simon Ager, Megan Jolley und ich vid Air, eine der beiden aufgegebenen Walfangstationen, in der einst hunderte von Großwalen pro Jahr verarbeitet wurden und welche sich nur ein paar Gehminuten von der Stadt entfernt befindet. 1984 wurde der letzte Finnwal die Gleitbahn von vid Air hinaufgezogen.

Diese letzte Walfangstation wird lediglich durch das Meersalz konserviert, das langsam den gewellten Stahl zurückerobert, der die Walspeckbehälter und die Dampfmaschinen vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt. In vielerlei Hinsicht sieht es so aus, als ob dort der Walfang durch das weltweite Moratorium für den kommerziellen Walfang abrupt zum Stillstand kam. Es sieht so aus, als ob die Walfänger eines Tages zur Arbeit gingen, ihre Flensmesser und anderen Geräte zurückließen und am nächsten Tag einfach nicht zurückkehrten. So als ob ein Notschalter auf einer großen Vernichtungsmaschine gedrückt wurde, die hier zum Erliegen kam.

Es gab keinerlei Anstrengungen die Walfangstation aufzuräumen. Die großen Eisenbehälter, die früher Walspeck zu Öl verarbeiteten, stinken immer noch nach Fleisch. Und Rippen und Kiefer von einstmals lebendigen Walen umrahmen die Gebäude mit dem Meer. Wenn die Mauern des Gebäudes in vid Air sprechen könnten, würden sie uns warnen, dass vor nicht all zu langer Zeit die Meinung vorherrschte, dass die Meere eine unerschöpfliche Quelle seien und beinahe alle Großwalarten ausrotteten. Sie würden uns sagen, dass wir aus der Geschichte lernen sollen oder verdammt sind, sie zu wiederholen.

Peter Hammarstedt and Megan Jolley inspect whale remains. Photo: Simon AgerPeter Hammarstedt und Megan Jolley untersuchen Überreste von Walen.

Seltsam an der Einstellung der Färinger gegenüber den Walen ist, dass nur wenige Menschen für den Wiederbeginn des kommerziellen Walfangs sind. Viele unterstützen Sea Shepherds erfolgreiches Einschreiten gegen das illegale Abschlachten von Walen in der Antarktis durch die Japaner. Und dennoch trennt man überraschenderweise zwischen der Dezimierung von Großwalen und dem andauernden Massaker an Grindwalen.

Das Argument, das man am meisten hört ist, dass es viele Grindwale gibt. Ortsansässige erzählten uns, dass man die Grindwalpopulation hier im Nordatlantik auf bis zu 700.000 Tiere schätzt. Es gibt jedoch gute Gründe, warum der Gemeine Grindwal von der CITES (Convention on the International Trade in Endangered Species of Wild Flora and Fauna) als gefährdete Art aufgelistet ist. Der Grindwal ist auf internationaler Ebene geschützt, weil keine genauen Bestandsdaten vorhanden sind und niemand wirklich weiß, wie viele Grindwale es tatsächlich gibt.

Was wir aber definitiv wissen, ist, dass alles was gegen das Vorsichtsprinzip verstößt, einem ökologischen Selbstmord gleichkommt. Wir müssen vom kleinsten gemeinsamen Nenner ausgehen, und solange die internationale Forschergemeinschaft die Ansicht vertritt, dass der Grindwal bedroht ist, dann ist die völlige Vernichtung ganzer Grindwalschulen, die komplexe soziale Gruppen bilden, die sich im Laufe von Äonen sowohl sozial als auch genetisch entwickelt haben, ein absoluter Hohn.

Die Meinung, dass die Jagd auf jegliche Walarten irgendwie nachhaltig sei, ist die gleiche, die in vid Air geäußert wurde, bevor ein konsequentes Moratorium nötig war, um die Großwale zu retten. Das absichtliche Aufblähen von Statistiken, die die Bestandszahlen von Meeressäugern regeln sollen, wird dazu benutzt, um sämtliche Massaker an Wildtieren, vom Erschlagen von Sattelrobben in Ostkanada bis zum Harpunieren von Walen in der Antarktis, zu rechtfertigen.

Die Walfangstation in vid Air ist ein Symbol für eine noch gar nicht so weit zurückliegende Zeit, als uns die Mischung aus Unwissenheit und offenkundiger Missachtung fast einer der größten Naturschätze beraubt hätte. Der Sundini Fjord reißt keine Finnwale mehr in den Tod, aber vor nur zwei Jahren wurden hier hunderte von Grindwalen abgeschlachtet. Man findet immer noch Grindwalschädel, die an den Strand gespült werden, dort wo die Brigitte Bardot verankert ist. Wenn die Walfänger von Hvalvik vor zwei Jahren von ihrem Blutbad aufgeschaut hätten, dann hätten sie vielleicht bemerkt, dass nicht weit außerhalb ihres Blickfeldes die Walfangstation weiterhin verfällt und eine Zeit kennzeichnet, die Bände darüber spricht, dass der Walfang zur Geschichte gehört.



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