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25. Juli 2011

Dr. Paul Spong fasst den Inhalt der 63. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission zusammen


Vorwort von Captain Paul Watson

Einer der Gründe warum ich Walschützer wurde, lässt sich viele Jahre, genauer gesagt, auf das Jahr 1974 zurückdatieren, als sich Dr. Paul Spong mit Robert Hunter, Rod Marining, anderen Mitgliedern von Greenpeace und mir traf, um uns vorzuschlagen, dass wir gegen den kommerziellen Walfang vorgehen sollten. Er redete und wir hörten zu und handelten danach. Ein Jahr später flimmerte die über unseren Köpfen abgeschossene Harpune weltweit über die Fernsehbildschirme – und damit hatte der Krieg zur Rettung aller Wale dieser Welt begonnen. Heute, nahezu 35 Jahre später, sind einige von uns immer noch dabei, diese Schlachten auf hoher See auszufechten und die Wahrheit ist, dass wir dabei beständig gewinnen.

Wir haben diese barbarische Industrie in einer dauerhaften, langatmigen, geduldigen und gewaltigen Odyssee bekämpft, die bereits eine Spur aus versunkenen Walfangschiffen, verlassenen Walfangstationen und überzeugenden Siegen zum Schutz der Wale in unserem Kielwasser hinterlassen hat, und wir werden dies natürlich auch weiterhin tun.

Der russische Walfang wurde von uns beendet. Ebenso der Walfang in Australien, Chile, Peru, Südafrika und Korea. Wir haben die Hälfte der grönländischen Walfangflotte versenkt und sie seit über einem Jahrzehnt aus dem Verkehr gezogen. Wir versenkten norwegische Walfangschiffe genauso, wie die Hälfte der spanischen Waljägerflotte. Außerdem zerstörten wir die Piratenwalfangschiffe Sierra, Astrid, Susan und Theresa, wobei der Piratenwalfänger Tonna zeitgleich von einem Wal selbst versenkt wurde. Wir zogen an die Strände von Sibirien, stellten uns den Ureinwohner des Makah-Stammes an der Pazifikküste der Vereinigten Staaten entgegen und beschäftigen die Kriegsflotten Norwegens, der Sowjetunion, Portugals und Dänemarks. Im Zuge dessen, retteten wir das Leben zehntausender Wale.

Lasst uns darüber hinaus auch nicht den größten Erfolg von allen vergessen: das Moratorium für den kommerziellen Walfang, das ab dem Jahr 1987 in Kraft trat. Seitdem haben wir uns auf Gefechte mit den abtrünnigen Nationen Japan, Island, Norwegen und den dänischen Färöer-Inseln eingelassen.

Dieser Kampf ist noch nicht beendet und wird solange weitergeführt, bis die archaische, barbarische, unwürdige und zudem illegale Walfangindustrie genauso, wie die anderen unmenschlichen Praktiken aus vergangenen Jahrhunderten, so z.B. der amerikanische, spanische, portugiesische und britische Sklavenhandel, sowie die Hexenverbrennung auf den Scheiterhaufen, den Weg auf den Müllhaufen der Geschichte gefunden hat.

Während bei Sea Shepherd ein produktives Jahr endet und wir die Grindwalmörder auf den Färöer-Inseln (unter dänischem Protektorat) verfolgen und uns auf eine Rückkehr in die Antarktis vorbereiten, um wieder einmal japanische Harpunen zu blockieren, hat dagegen die notorisch korrupte Internationale Walfang Industrie (die IWC) ein weiteres unproduktives und überflüssiges Jahr hinter sich gebracht.

Dr. Spong, ein neuseeländischer Neurowissenschaftler und Cetologe (Walforscher), der sich dadurch ausgezeichnet hat, immer wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Walfang zu richten, fasst nachfolgend das Treffen der IWC (International Whaling Commission) zusammen, das er kürzlich besucht hat und er tut dies mit einem Bericht, der ein deutliches Licht auf die manipulativen Vorgehensweisen der japanischen Walfangindustrie wirft.

23. Juli 2011

IWC 2011: Nachtrag

Man würde es nicht für möglich halten, wenn man die Feierlichkeiten nach Beendigung des diesjährigen Tagungsgeschehens am vierten Tag der 63. IWC-Versammlung beobachtet, die Freunde und Feinde, die sich gegenseitig bis zum nächsten Jahr auf Wiedersehen sagen und doch erlebte die Internationale Walfang Kommission, welche dieses Jahr auf der Kanalinsel Jersey stattfand, einen einschneidenden Wendepunkt. So versteinert und bestürzt war ich, dass ich kaum ein Foto machen konnte, um nicht im Rückblick, noch nicht einmal mir selbst gegenüber, den tiefen Graben einzugestehen, der sich zwischen der Wirklichkeit und dem oberflächlichen Schein aufgetan hatte.

Für die Wale gab es einen kurzen hoffnungsvollen Moment, als nach einem hart umkämpften Einverständnis beschlossen wurde, dass die jährlich fälligen Teilnahmegebühren aller Mitgliedsstaaten zukünftig ausschließlich durch Banküberweisungen zahlbar sind. Dies kann die ungezügelte Korruption, die Japan taktisch dazu ausnutzt, seine Absichten in der Kommission durchzusetzen, zwar nicht komplett verhindern – letztlich befinden sich auch noch weiterhin korrupte Schutzgeldgeber im Raum, aber es beschränkt dennoch die Kernmöglichkeit, jedes Jahr neue Stimmen zu kaufen, bis das gewünschte Ergebnis (eine 3/4 Mehrheit) endlich erzielt ist.

Für Japan und seine Kumpanen war es dagegen ein absoluter Sieg, der fast schon einem Putsch gleichkam. Praktisch alles, was in dem Versammlungsraum passierte, wurde von Japan dominiert und kontrolliert. Zu Beginn des Treffens schien der neue Kommissionsvorsitzende Herman Oosthuizen, bisheriger Kommissionsvertreter für Südafrika, noch knapp und unparteiisch die Situation unter Kontrolle zu haben, aber es dauerte nicht lange und Japan kippte die Lage zu seinen Gunsten. Aufgrund einer technischen Panne am ersten Versammlungstag schaffte es Japan durch die entstandene Unruhe unter den Kommissionsteilnehmern, das Mitleid für seine Notlage durch die kürzlichen Naturkatastrophen dazu zu nutzen, einen einfachen Antrag auf Änderung der Tagesordnung bezüglich des Punktes "Sicherheit auf See" durchsetzen, der daraufhin vom dritten Tag auf den ersten Tagesordnungspunkt des zweiten Tages verschoben wurde. Dies war eine fatale Entscheidung, welcher der Vorsitzende hier zustimmte, denn als Japan erst einmal die Herrschaft über die Versammlung an sich gerissen hatte, ließen sie nicht mehr locker.

"Sicherheit auf See" ist ein schwieriges Thema für diejenigen Mitglieder, die eigentlich dem Walschutz gegenüber positiv eingestellt sind. Auf der einen Seite ist ihnen bewusst, dass die Schiffe der Sea Shepherds das einzig verbleibende Hindernis sind, welches noch zwischen den Walen und dem abscheulichen Vorgehen der japanischen Walfangflotte im antarktischen Walschutzgebiet steht. Aber auf der anderen Seite sind sie verpflichtet zumindest Japans Ausführungen und Beschwerden zur Kenntnis zu nehmen, in denen sich Japan als Opfer und nicht als Aggressor präsentiert.Versammlung um Versammlung gelingt es Japan immer wieder die im Raum befindlichen Mitglieder mit Hilfe ihrer dramatischen Foliendarstellungen und Videos einzuwickeln und dadurch schnell einen Konsens, bezüglich der Verurteilung der Taktiken und Vorgehensweisen von Sea Shepherd, herzustellen. Einige Mitglieder sind dabei mutig genug aufzuzeigen, dass die IWC nicht die geeignete Plattform ist, dieses Thema zu behandeln, weil dieses Komitee nicht ermächtigt ist, aktiv Maßnahmen zu ergreifen, aber das ändert nichts an Japans Absicht, sicherzustellen, dass sie auch im weiteren Verlauf der Versammlung ihren Willen durchsetzen.

Seinen Willen durchzusetzen, das war etwas, was Japan sehr erfolgreich in Jersey erreicht hat. Mein Gedanke vor der Tagung war, dass das große weltweite Mitgefühl und der gute Wille der anderen Tagungsteilnehmer aufgrund des schrecklichen Erdbebens vom 11.März diesen Jahres und dem darauf folgenden Tsunami, Japan womöglich dazu bringen würde Zugeständnisse bei dem international doch sehr schwierigen Thema Walfang zu machen. Ich muss geträumt haben, jedenfalls wurde mir schnell klar, wie weit entfernt dieser Gedanke von der Realität war. Anstatt Bündnisse zu knüpfen und Wiedergutmachungen anzubieten, wie z.B. das Ende des Walfangs "zu Forschungszwecken" im antarktischen Walschutzgebiet zu erklären, war Japan bereit zuzuschlagen. Das Mittel, das sie hierzu nutzten, war das sogenannte "Private Commissioner Meeting", bei dem jedes Thema, das der Vorsitzende als weiter erörterungspflichtig erachtet, hinter verschlossenen Türen ausdiskutiert werden kann.Alles was Japan hierfür tun musste, war einen seiner "Kunden"-Staaten, wie z.B. St. Kitts & Nevis, dazu zu bringen, eine Wand aus Verwirrung und Ablenkung, über ein beliebiges, nebensächliches Thema, aufzubauen, woraufhin der Vorsitzende dieses Thema in einer privaten Sitzung, hinter verschlossenen Türen und ohne Gesprächsdokumentation, weiter erörterte, solange bis ein Konsens erzielt wurde, während nebenan in der Hauptversammlung allenfalls andeutungsweise Informationen durchsickerten. Im Folgenden kommt es dann schließlich zu einer kurzen Stellungnahme in der Hauptversammlung und einer Diskussion der Ergebnisse, allerdings ist das Ergebnis dann bereits eine beschlossene Sache.

Konsens zu erzielen, ist ein Mittel, das Japan und seine Verbündeten sehr effektiv und präzise in all diesen Versammlungen anzuwenden wissen. Fern von der tatsächlichen Absicht einhellige Beschlüsse und Absprachen zu erzielen, wird es nun zu einem machtvollen Nötigungsmittel, das vorzugsweise von Japan genutzt, allerdings zumindest auch stillschweigend von überraschend anderen Staaten, wie den USA und Neuseeland, gebilligt wird, die jedenfalls früher einmal auf der Seite der Walschützer gestanden haben. In der diesjährigen Versammlung, wurden die Japaner ebenfalls indirekt durch das Vorgehen des Vorsitzenden unterstützt, der auf den ersten Blick den Eindruck machte, ein gerechter Kerl zu sein, jedoch später damit drohte, die Versammlung abzubrechen und sein Amt niederzulegen, wenn kein Konsens und eine Abstimmung erzwungen werden könnte.

Auslöser dieser Drohung, war der vorangegangene Antrag der Buenos Aires Group (BAG), bestehend aus Latein- und Zentralamerikanischen Mitgliedsstaaten, ein Südatlantisches Walschutzgebiet einzurichten, das an das Antarktische Walschutzgebiet anschließen soll, um einen umfangreicheren Schutz der Wale zu gewährleisten, sowie den betroffenen angrenzenden Küstenländern die Möglichkeit zu eröffnen, das Schutzgebiet für ihre Forschungen und ökonomischen Vorteile zu nutzen. Die Antragsteller waren bewundernswert geduldig in ihrem Anliegen, hatten sie doch bereits 10 Jahre gewartet, endlich ihr Ziel zu erreichen, aber die bloße Idee eines weiteren Walschutzgebiete ging den Japanern und den anderen nordischen Walfangnationen, die jedes Walschutzgebiet als einen persönlichen Angriff auf ihre Existenzberechtigung verstehen, dermaßen gegen den Strich, dass sie einfach kategorisch dagegen sein mussten, ganz gleich welche Vorteile auf der Hand liegen. Damit wurde "Konsens" das Motto des Tages. Gerade im Umgang mit Anträgen wird die Autorität der IWC zur Farce, zeigt sie sich doch in Form einer bloßen inhaltsleeren Marionette, die ihrem Verfall entgegen strebt, während Japan solange geduldig die Fäden in der Hand hält.

Jeder weiß, dass Japan die Erfordernis eines Konsens nutzt, um den Willensschwachen seinen Willen aufzuzwingen, was soweit geht, dass niemand Einspruch erhebt, und insbesondere bei dem diesjährigen Treffen, niemand bereit war, bei auch nur einer Abstimmung gegenteiliger Meinung zu sein. Gleichzeitig waren jedoch alle bereit, der Zivilgesellschaft die Rolle zuzuschieben, die Diskussion auf eine internationale Ebene, wie z.B. CITES, zu tragen, in der vagen Hoffnung, dass diese Geste ein Mindestmaß an gutem Willen in die Vorgänge einbringt. Nie im Leben.

So ist der Zustand der Demokratie auf der Internationalen Walfang Kommision.

Der Moment der Wahrheit dieser Tagung, der Japans wahres Gesicht in HD enthüllte, kam, als "Assistant Commissioner" Joji Morishita, der das Redepult an Tag 4, um 11:20 Uhr übernahm, proklamierend er spreche nicht nur für Japan, sondern im Namen der gesamten "Fraktion für eine nachhaltige Nutzung" (Walfangbefürworter). Glasklar, dass der Auftritt, der jetzt folgen sollte, vorher abgesprochen war. Morishita San (Herr Morishita) ist weithin bekannt für seine rhetorischen Fähigkeiten, die er zunächst dazu nutzte, festzustellen, dass er mehr Redezeit benötigte, als die üblichen zwei Minuten, um über ein so wichtiges Thema zu sprechen. (Hierzu erfolgte kein Kommentar seitens des Vorsitzenden.) Und dann begann er den Geist dieser Versammlung zu loben, die doch so viele positive Ergebnisse zu Stande gebracht hätte, so z.B. die Übereinkunft über die Sicherheit auf See. Es wäre so wichtig weiterhin Vertrauen aufzubauen und diese lebendige Entwicklung nicht durch den negativen Einfluss von Wahlen zu schmälern. Weiterhin versicherte er den Versammlungsteilnehmern, dass er nicht von einem erzwungenen Beschluss gebunden sein will, wonach er in seiner Position als "Assistant Commissioner" ankündigte, dass Japan und die "Fraktion der nachhaltigen Nutzung" die Versammlung verlassen und damit das erforderliche Quorum unterlaufen würden, sofern eine Abstimmung durchgesetzt würde. Kurze Zeit später, nachdem mehrere Nationen darauf hingewiesen hatten, dass Wahlen ein natürlicher Ausdruck von Demokratie, und daher nichts sind, wovor man sich fürchten müsse, machten Brasilien und Argentinien dann deutlich, dass sie immer noch eine Abstimmung wünschen, woraufhin der Vorsitzende seinen Sekretär aufforderte, eine solche Wahl vorzubereiten. An diesem Punkt, wiederholend, dass ihr Verhalten nicht als feindlich aufzufassen sei, erhob sich Japan und verließ den Raum, zusammen mit den Vertretern von 21 weiteren Mitgliedsstaaten. Das war das Schauspiel des Tages.

Niemand, der diese Szene beobachten konnte, die direkt in einen plötzlichen Abbruch der Versammlung neun Stunden später mündete, konnte auch nur einen Zweifel über Japans Entschlossenheit haben, jedes mögliche Mittel zu nutzen, legal oder nicht, seinen Willen durchzusetzen. Die Maske war gefallen.

Betrachtete man den guten Willen, mit dem Japan angereist war, der jetzt in Fetzen am Boden lag, wie ein zurückgelassenes Kinderspielzeug, brachte dies gerade in denjenigen einen tiefen Schmerz hervor, die, so wie ich auch, Japan eigentlich auf so vielfältige Art und Weise lieben und bewundern. Warum sind die Führer Japans nicht auf derselben Seite wie der Großteil der Nationen dieser Welt? Das liegt jenseits meines Verständnisses.

Ironischer Weise wird sich das, was in Jersey passiert ist, als für die Wale denkbar vorteilhaft erweisen. Nichts hätte deutlicher zeigen können, dass neben den guten Intentionen und der Gewissenhaftigkeit einiger Mitgliedsstaaten, die IWC völlig unfähig ist, einen Diskurs, bezüglich der Bestimmungen im Umgang mit Meeressäugetieren, ob groß oder klein, oder die Ozeane betreffend, die sie bewohnen, einem Ergebnis zuzuführen. Es ist an der Zeit für die IWC, den ihr zustehenden Platz einzunehmen und zwar als eine Fußnote in der Geschichte.

Der vielleicht beste Ort, um die Diskussion wiederaufzunehmen, sind die Vereinten Nationen. Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) ist schließlich umfangreich mandatiert und hat dadurch einen ausreichenden Geltungsbereich, um geschützte Meeressäuger und ihre Lebensräume zu der langen Liste an Themen und Problemen hinzuzufügen, mit denen sie sich bereits jetzt befasst. Wie Monacos brillianter IWC Kommissar Frederick Briand, der in einer, vor kurzem bei der UNCLOS in New York eingereichten Anfrage, beantragte, alle Meeressäuger in allen Ozeanen dieser Erde unter Schutz zu stellen:

Die umherziehenden Meeressäuger, alle der insgesamt 76 Arten, sind ein Hauptbestandteil der Weltozeane. Per definitionem gehören sie weder zu einem bestimmbaren Ort und noch weniger gehören sie einer bestimmbaren Interessenspartei. Sie sind ein Erbe der gesamten Weltgemeinschaft, ererbt in dem Vertrauen auf eine Gemeinschaft der Nationen, die fähig ist, die Interessen und Ressourcen dieser und zukünftiger Generationen zu bewahren.



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