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23. Juli 2011

Kommentar von Captain Paul Watson


Es war ein langer Flug von den Shetland Inseln, doch glücklicherweise erreichte ich Johannisburg nicht allzu müde und schaffte es daher noch meinen Anschlussflug nach Durban zu bekommen. Ich entschied mich für meine Einreise die kanadischen Passdokumente vorzulegen, obgleich sowieso beide Pässe (auch mein amerikanischer Pass) auf der "Blauen Liste" sämtlicher Einwanderungsbehörden gelistet sind.

Die Mitarbeiterin der südafrikanischen Einwanderungsbehörde überprüfte meine Reisedokumente und sagte plötzlich: "Sie werden ja von der südafrikanischen Polizei gesucht!"

"Nicht wirklich", antwortete ich. "Ich weiß es sieht danach aus, aber das ist wirklich kein Problem. Würden Sie bitte die Polizei herbeirufen, dann können wir diese Sache innerhalb von ein paar Minuten aufklären und ich kann meine Reise fortsetzen."

Sie sah mich verwundert an, als ich zu ihr sagte: "Wissen Sie, ich stehe auf der selben "Blauen Liste" wie der Dalai Lama. Wir sind beide von staatlicher Seite zu politisch motivierten Terroristen erklärt worden, er von China und ich von Japan, aber es liegen keine Haftbefehle gegen mich vor."

Kurze Zeit später tauchte ein sehr freundlicher Polizeibeamter auf und wir unterhielten uns über den Haftbefehl, Nelson Mandela, seine Reise nach Kanada...damals, usw. bis wir an der Polizeistation des Flughafens angekommen waren. "Warten Sie bitte hier, ich überprüfe Ihre Passdokumente und besorge mir alle nötigen Informationen", sagte er.

In dem Wartebereich saß noch ein anderer Mann, ein netter Kerl aus Cape Town. Wir tauschten ein paar Höflichkeiten miteinander aus, während die Beamten ihrer Computertastatur malträtierten. Die Dame hinter dem Schreibtisch hielt kurze Zeit später ein Ausdruck meines Gesichtes in der Hand, gestochen scharf in Farbe und mit Fingerabdrücken.

Das Telefon klingelte und mein freundlicher Polizeibeamter sagte: "Okay,....verstehe, da ist also ein Haftbefehl gegen...verstanden....in Ordnung, wir halten ihn hier fest, bis der Transport arrangiert ist."

Da dachte ich so im Stillen: "Na, das ist jetzt aber mal was ganz Neues. Was mache ich denn jetzt? Oh man, irgendwas ist ja schließlich immer."

Ich bereitete mich innerlich schon darauf vor, in Handschellen gelegt und in Untersuchungshaft gebracht zu werden, da legte der Beamte den Hörer auf, drehte sich zu dem Typ neben mir um und sagte: "Gegen Sie liegt in Cape Town ein Haftbefehl wegen Drogenbesitzes vor!"

Der Mann protestierte, bestand auf seiner Unschuld und ich hatte wirklich Mitleid mit ihm, aber auf der anderen Seite war ich auch verdammt erleichtert, dass die Beamten nicht über mich gesprochen hatten. Daraufhin wendete sich mir der Polizeibeamte zu und gab mir meinen Pass zurück, während er sagte: "Sie können jetzt gehen, und ganz nebenbei, ich bin ein großer Fan Ihrer Show!"

Und ich beeilte mich dort wegzukommen, um meinen Verbindungsflug nach Durban noch zu bekommen, denn dort sollte ich Trish Dolmans Film Eco-Pirate: The Story of Paul Watson auf den Internationalen Filmfestspielen von Durban präsentieren. Bereits bei meiner Ankunft in Durban wurde ich von einem gigantischen Medieninteresse und Anfragen nach Presseinterviews förmlich erschlagen.

Ein wenig besorgt über Gesetze war ich aber schon, zwar nicht über die südafrikanischen, allerdings über die namibischen Gesetze. Über den ganzen vergangenen Monat hatte ich ein Team in Namibia stationiert, dass dort gearbeitet hat, um das grauenhafte Gemetzel der Südafrikanischen Pelzrobben zu dokumentieren. Diese Kampagne mit dem bezeichnenden Namen "Operation Desert Seal" wird von Steve Roest und Laurens De Groot geleitet (hierzu bald umfangreichere Neuigkeiten). Wie Du Dir sicher vorstellen kannst, ist es in Namibia, genauso wie auch in Kanada bereits illegal, dieses Robbenmassaker überhaupt auf Video zu dokumentieren. Wie auch immer, jedenfalls ist der doch erhebliche Unterschied, dass man in Kanada deswegen im Gefängnis landen kann, Namibia dagegen zu Gewaltmitteln greift, die einen schnell das Leben kosten können.

Und gerade gestern ist unser Team in der Wüste, nahe dem betreffenden Strand, von der namibischen Militärpolizei, die mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet war, entdeckt worden. Glücklicherweise hatte unsere Mannschaft ebenfalls Nachtsichtgeräte und so kam es zu einer spektakulären Jagd, zu Fuß durch die Wüste, bis zu den in fünf Kilometern Entfernung geparkten Fahrzeugen. Die namibische Küstenwache hatte schon mit zwei ihrer Kriegsschiffe vor der Küste Position bezogen und das horrorartige Robbenmassaker fand jetzt sogar unter dem vollen Schutz der namibischen Armee statt.

Dies wurde noch gekrönt von einer Presseerklärung im Namen des namibischen Präsidenten, in der er mitteilen ließ, dass er sich vorbehält, Sea Shepherds Versuche das Robbenmassaker zu dokumentieren, zu einer Angelegenheit der nationalen Sicherheit Namibias zu machen. Darüber hinaus will er die Verantwortlichen umgehend in namibischem Gewahrsam wissen. Es war eine sehr lange und umständliche Fahrt durch die Wüste, jedem Kontrollpunkt und den Polizeikräften musste ausgewichen werden, aber schließlich hat es das Team über die Grenze nach Südafrika geschafft.

Insgesamt 92.000 Robbenbabys sind allein diesen Sommer dazu verdammt an den Stränden des "Cape Cross"- Robbenschutzgebietes in Namibia grausam zu verenden. Es ist eine illegale Jagd, die nur dadurch aufrechterhalten werden kann, weil Schmiergelder und Korruption dort bis in die höchsten Ebenen von Politik, Polizei und Militär hineinreichen.

Unser Team vor Ort konnte über die vergangenen Wochen am eigenen Leib erfahren, wie stark dieser Einfluss wirklich ist und gerade noch über die Grenze entkommen um ihre Haut zu retten. Einige unserer Kameras und Laptops gingen verloren, weil während des Aufenthaltes in die Teamunterkünfte eingebrochen wurde und genau dieses Material benutzt jetzt die namibische Staatsgewalt als Beweis, dass wir unbefugt in eine Sicherheitszone eingedrungen sind.

Währenddessen patrouilliert die Besatzung der Brigitte Bardot die Gewässer vor den Faröer Inseln, um die Grindwale von der Küste und damit von "der Grind" (= blutrünstiges und sinnloses Abschlachten von Grindwalen unter Berufung auf fragwürdige Traditionen) fernzuhalten, dichtauf gefolgt von einem dänischen Kriegsschiff. Das erste Mal in der Geschichte von Sea Shepherd haben zwei unterschiedliche Nationen ihre Kriegsschiffe in Position gebracht und das in unterschiedlichen Hemisphären, um uns daran zu hindern, das illegale Abschlachten unserer meeresbewohnenden Klienten zu verhindern.

Es ist wirklich eine verkehrte Welt, in der bewaffnete Marineschiffe eingesetzt werden, um denjenigen, die die Meere und ihre Bewohner vernichten auch noch zur Seite zu stehen und sie bei ihrem Vernichtungswerk zu unterstützen.



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