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Captain Adam MeyersonDonnerstag, 9. Februar 2017 - von Captain Adam Meyerson: Wenn die OCEAN WARRIOR im Hafen liegt, ragt der Bug 4 Meter aus dem Wasser. Wenn ich also aus dem Fenster der Brücke hinaus schaue, und sehe Wellen die 3 Meter über der Reling hochschlagen, kann ich ungefähr schätzen, dass diese Wellen etwa 7 Meter hoch sind. Das passt auch zur Wettervorhersage. Dieses ungeheure Tiefdruckgebiet von 948 Millibar hat gerade das Schiff erreicht. Wir haben versucht ihm zu entkommen und eine schützende Stelle zu finden, wurden jedoch von Eisschollen, Nebel und dem Aufbäumen der rauen See, hervorgerufen durch die Kaltfront, die dem Tiefdruckgebiet vorauseilte, daran gehindert. Nun bleibt uns wohl nichts anderes übrig als es auszusitzen. Wir lauschen dem heulenden Wind dort draußen und schauen dem Sprühnebel der Wellen zu. Größere Wellen schlagen übereinander zusammen und Tonnen von Wasser rauschen an ihnen herab. Nach einer ruhigen und sonnigen Woche erinnert uns die Antarktis daran, dass mit ihr nicht zu spaßen ist.

Der Axtbug schlägt ins Wasser, zerschlitzt die Wellen und das Schiff bockt und rollt. Die Kaffeemaschine landet auf dem Boden, überlebt den Sturz aber glücklicherweise. Die Mikrowelle hat nicht so viel Glück, als eine Portion Ramen-Nudeln (Instant-Nudeln) in der Lüftung hängenbleibt. Sie wird Ersatzteile brauchen, bevor wir wieder in der Lage sein werden übrig gebliebenes Essen aufzuwärmen. Das Belüftungssystem des Schiffes ist ausgeschaltet, um zu verhindern, dass etwas von dem salzigen Spritzwasser hereinkommt, das kontinuierlich über die Außenwände des Schiffes spült, was zur Folge hat, dass es sich drinnen anfühlt wie in einem Terrarium.

Wellen schlagen über dem Heck der OCEAN WARRIOR zusammen. Foto: Simon Ager
Irgendwie schafft Marc es trotzdem Mahlzeiten zusammenzustellen und ein Großteil der Crew isst einfach weiter. Wenn du im Inneren des Schiffes bist, und die Wellen nicht sehen kannst, musst du dich auf deine anderen Sinne verlassen, um zu wissen, wann eine große Welle kommt; es beginnt mit dem Rauschen von Wasser, dann fühlst du wie der 'Fahrstuhl nach oben fährt' und dann kommt die große Stille, wenn sich das etwa 200 Tonnen schwere Schiff im freien Fall befindet.

Der stille, schwerelose Teil scheint mich immer dann zu wecken, wenn ich inmitten des Wetterchaos und dem Rufen auf die Brücke zu kommen – was häufiger bei den eisigen und rauen Bedingungen vorkommt – gerade versuche, ein Nickerchen zu machen. Ich frage mich manchmal, ob eines der Crewmitglieder überhaupt reagieren würde, wenn sie in einem Fahrstuhl wären und ein Kabel reißt – oder ob sie so an das Gefühl des freien Falls gewöhnt sind, dass sie sich einfach nur besser festhalten und auf das Ende der Welle warten würden.

Ein japanisches Harpunenschiff treibt vor einem Eisberg. Foto: Simon Ager
Die Walfangflotte ist nicht immun gegen das Wetter. Klar, sie haben größere Schiffe als wir, aber sie können in diesem Wetter nicht jagen. Sie sind irgendwo, warten den Sturm ab und lassen die Wale in Ruhe. Das ist der Grund, warum ich das Wetter nicht verfluche, obwohl all das Zeug von meinem Schreibtisch in meiner Koje landet, wenn eine besonders große Welle gegen das Schiff schlägt, oder wenn Salzwasser irgendwie den Weg in meine Kabine findet und mein Laptop nass wird, oder wenn ich durch die Küche geschleudert werde während ich versuche mein Geschirr abzuwaschen. Ich verfluche das Wetter nicht (okay, vielleicht ein bisschen, ganz leise). Wir können nicht überall sein, aber heute, morgen und vielleicht noch einen Tag länger, sieht es so aus, als ob das schlechte Wetter überall sein kann. Es gibt diese alte Redensart: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.” Dies macht mich zum Freund von mächtigen antarktischen Tiefs, dichtem Nebel und Kaltfronten mit eisigen Stürmen. Mit Freunden wie diesen, werden meine Feinde überhaupt eine Chance haben?

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