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Helikopterpilot Brent nimmt Captain Wyanda Lublink auf einen kurzen Flug mit. Foto: Glenn LockitchKommentar von Captain Wyanda Lublink vom 2. Februar 2017: Zum Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe, sind wir bereits 61 Tage auf See und sind über 11.000 Seemeilen gefahren, was umgerechnet über 20.000 Kilometer oder 12.000 Landmeilen beträgt. Die Umrundung der Erde wäre eine Strecke von 21.600 Seemeilen. In den letzten zwei Monaten haben wir die Hälfte davon zurückgelegt, indem wir die japanischen Walwilderer im Südpolarmeer gejagt haben.

Während wir die abgelegenste Wildnis der Welt durchquert haben, sind wir vielen Meereslebewesen begegnet und es ist diese besondere Verbindung mit der natürlichen Welt um uns herum, die uns daran erinnert, warum wir dafür kämpfen, die Antarktis zu beschützen. Aber wenn man niemals am Bug eines Schiffes stand und zugesehen hat, wie die sanften Riesen dort unten aus dem Wasser springen oder mit ihren Schwanzflossen schlagen und die Schönheit ihres Platzes in der Welt nicht gefühlt hat, dann muss man fragen, was daran so wichtig ist, die Wale zu verteidigen.

Zwei neugierige Buckelwale nähern sich der STEVE IRWIN, während sie ins Südpolarmeer fährt. Foto: Glenn Lockitch
Wale spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem des Südpolarmeers, da sie an der Spitze der Nahrungskette stehen. Sie sind Spitzenprädatoren und schaffen so die empfindliche Balance derer, die unten in der Kette stehen. Wir wissen, wenn wir auch nur eine einzige Art in der Kette entfernen, werden andere Arten davon betroffen sein. Die Wale im Südpolarmeer sind auf Krill angewiesen, kleine Krustentiere der Ordnung Euphausiacea (Leuchtgarnelen). Wenn wir die Wale entfernen, bekommen wir einen Überfluss an Krill, was wiederum dazu führt, dass die Zahl der Tiere, die Krill fressen, sich erhöht. Nun denkt ihr vielleicht, dass es sich für diese Arten doch gut anhört, doch nach einer gewissen Zeit und der Überpopulation dieser Art, werden alle anderen Arten, von denen sie sich ernähren, aufgegessen sein. Und das führt zum Ungleichgewicht in der Nahrungskette.

Zum Beispiel: Im Nordpazifik werden Robben von Menschen getötet. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Orcas in dieser Region, die sich von Robben ernähren. Während also der Überfluss an Robben schwindet, passen sich die Wale einem veränderten Nahrungsplan an. An manchen Orten haben sie angefangen, Otter zu fressen. Otter fressen Seeigel. Ohne die Otter, die den Überfluss an Seeigeln unter ihnen regulieren, verbleiben wir mit einer Überpopulation der Seeigel, die wiederum den Tangwald zerstören.
Ein neugieriger Buckelwal im Südpolarmeer. Foto: Chelsea Miller
Ein anderes Beispiel: Im Südpolarmeer werden Wale von Menschen getötet. Wale ernähren sich von Krill. Mit weniger Walen, die den Überfluss an Krill im Meer regulieren, vergrößern sich die Pinguin-Populationen und andere Fischarten, von denen sich die Pinguine ernähren, verschwinden.

Wenn also das Institut für Walforschung (Japans Walfangflotte) behauptet, die Wale essen „ihren“ Fischbestand, vernachlässigen sie die Tatsache, dass sich durch das Töten der Wale andere Arten vergrößern werden, die dann „ihren“ Fisch essen werden.

Nach einer kürzlichen Begegnung mit zwei Buckelwalen, haben wir angefangen über die große Bedeutung von Walkot zu reden, der nicht nur für das Leben im Ozean wichtig ist, sondern auch für unsere gesamte Existenz. Forschungen haben gezeigt, dass Walkot das Wachstum von Phytoplankton anregt. Phytoplankton ist nicht nur als Nahrungsquelle für Krill und andere Arten im Meer von Bedeutung, sondern es entfernt auch Kohlenstoff aus der Atmosphäre und schafft somit eine sauberere und gesündere Atmosphäre für sowohl Menschen, als auch Tiere.

Nach dem Spielen ums Schiff herum, lässt der neugierige Buckelwal seinen Kot zurück. Foto: Glenn Lockitch
Walkadaver sind auch Teil der Nahrungskette, da sie andere Tiefseetiere unterstützen. Darüber hinaus sind Wale und Delfine zu einer gewaltigen Tourismusindustrie geworden. Viele Nationen, die einst Wale getötet haben, wie zum Beispiel Australien, sind nun auf diese intelligenten Wesen, als Einkommensquelle durch Tourismus angewiesen. Sogar im Südpolarmeer steigt der Tourismus, damit die Menschen die Vielfältigkeit der Natur am Ende der Welt erleben können. Jedoch entwickelt sich daraus ein weiteres Problem und das ist Verschmutzung.

Dieses Jahr habe ich wirklich angefangen eine Zunahme von Abfall im Meer zu bemerken. Wir haben viele im Ozean treibende Bojen gefunden, wir haben leere Benzinkanister und weggeworfene Fischereiausrüstung gefunden. All den Abfall im Meer, dem wir begegnet sind, haben wir aufgesammelt. Denn ich denke, es liegt in unserer Verantwortung dies zu tun, genauso wie wir Verpackungen, die wir auf der Straße finden, aufheben. Weggeschmissene Stellnetze und Fischereiausrüstung, die im Meer zurückgelassen wird, stellen eine ernsthafte Gefahr für alle Meereslebewesen dar, ob groß oder klein. Indem wir den Müll beseitigen, beseitigen wir auch die Gefahr.

Helikopterpilot Brent nimmt Captain Wyanda Lublink auf einen kurzen Flug mit. Foto: Glenn Lockitch
Letzte Woche hatte ich das Privileg einen Flug in unserem Helikopter zu unternehmen und auf einem Eisberg zu landen. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, mitten im Nirgendwo zu sein, mit ausschließlich Eis und Wildnis um mich herum. Als ich auf dem Eisberg stand, saß ein ganzer Schwarm Antarktischer Sturmvögel auf der anderen Seite und Wale schwammen unter mir im Ozean, schlugen mit ihren Schwanzflossen und hatten einen Riesenspaß. Es fühlte sich magisch an. Ich habe ein noch größeres Bedürfnis gespürt, unsere letzte große Wildnis zu verteidigen, die noch größtenteils unberührt von unserer industrialisierten Gesellschaft ist. Für Millionen von Jahren hat es die Tierwelt geschafft, ihr Gleichgewicht zu halten. Nur als die Menschen kamen und sich ins Leben auf dem Planet Erde einmischten, geriet das Ökosystem ins Ungleichgewicht. Wir müssen unsere Umwelt und die noch verbliebenen Arten schützen, bevor es zu spät ist.

Das Südpolarmeer. Foto: Chelsea Miller

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