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nmf117Bericht von Captain Wyanda Lublink, 20. Januar 2017: Es geschah am frühen Morgen des 15. Januar 2017, ein Sonntag. Das Wetter war perfekt für den Walfang. Tief in mir spürte ich, dass die Walfänger in der Nähe sein mussten, irgendwo hinter dem Horizont. Also setzte ich mich in Bewegung.

Das sogenannte „Forschungsgebiet“ der japanischen Walfangflotte hat sich fast verdoppelt, seit sie ihren neuen „Forschungsplan“ (NewRep-A) vorgestellt haben. Das Gebiet, welches wir hier im Südpolarmeer abdecken müssen, ist gigantisch, fast doppelt so groß wie Australien.

In dem „Wissenschaftlichen Forschungsplan“ der japanischen Walfänger ist klar festgelegt, in welchen Teilen des Südpolarmeers sie „forschen“ dürfen. Sie haben das Gebiet, in welchem sie ihre falschen Forschungen durchführen möchten, in zwei Hälften geteilt. Die Walpopulationen werden als „Herden“ bezeichnet. Die beiden möglichen Populationen werden nach den Seegebieten, in welchen sie sich aufhalten, benannt. Die „I-Herde“ ist die Walpopulation im Indischen Ozean, während die „P-Herde“ die Wale im westlichen Teil des Südpazifik bezeichnet.

Das schwimmende Schlachthaus der Walfangflotte - die NISSHIN MARU - mit einem Harpunenschiff im Hintergrund. Foto: Glenn Lockitch

Während des australischen Sommers 2015/2016 haben sie Tiere der „I-Herde“ getötet, was bedeutet, dass sie dieses Jahr in der „P-Herde“ jagen sollten. Trotzdem besagt ein Notfallplan in der Erklärung, dass „Forschungsaktivitäten von natürlichen und menschlichen Faktoren unterbrochen werden könnten, einschließlich der Sabotage durch eine extreme Anti-Walfang-Organisation“. Obwohl also klar festgelegt ist, wo sie jagen sollten, haben sie die Möglichkeit ihre Meinung darüber zu ändern und in einem Gebiet zu jagen, welches dafür in diesem Jahr nicht vorgesehen ist, und in diesem Jahr halten sie sich definitiv nicht im festgelegten Gebiet auf. Mit anderen Worten heißt das, dass sie machen können, was sie wollen, und egal, was in ihrem sogenannten „Forschungsplan“ geschrieben steht – sie können es ändern, wie sie wollen. Daher frage ich mich, warum sie überhaupt so einen Plan schreiben.

Am Sonntag um 09:30 Uhr hielten wir unsere Helikoptereinweisung auf der Brücke ab. Ich erklärte dem Piloten und seinem Medienteam, was sie zu tun hatten, falls sie die Flotte finden würden, und ich gab dem diensthabenden Offizier und dem Chefingenieur die Anweisung, volle Kraft zu geben, sobald die Position der Flotte bestätigt worden sei. Der Helikopter hob um etwa 10:30 Uhr ab, und die Erwartungen auf der Brücke waren hoch. Es dauerte fast eine Stunde, bis wir die Nachricht vom Hubschrauber bekamen, dass sie die NISSHIN MARU und zwei weitere Harpunenschiffe der Flotte gefunden hatten. Anfangs war ich nicht sicher, was genau ich da hörte, also bat ich unseren Kommunikationsoffizier Niko, die Nachricht zu wiederholen. Die Stille auf der Brücke wurde zu einem Chaos! Seit Wochen hatten wir auf diesen Moment gewartet, und als wir endlich die Nachricht bekamen, fühlte es sich unwirklich an.

Der Helikopter der STEVE IRWIN bereitet sich auf einen weiteren Flug vor. Foto: Glenn Lockitch

Natürlich war es ein Schlag für uns zu hören, dass bereits ein toter Zwergwal an Deck des schwimmenden Schlachthauses lag, aber natürlich hatte ich mir nicht vorgemacht, dass die Walfangflotte dieses Jahr keine Tiere töten würde. Es kostete uns fünf Wochen, bis wir sie endlich gefunden hatten, und an einigen Tagen war das Wetter einfach zu gut für sie gewesen, um nicht zu jagen.

Nach fünf Erkundungsflügen des Helikopters, um die Position der Flotte an die STEVE IRWIN weiterzugeben, schlug das Wetter um, sodass der Helikopter nicht mehr starten konnte. Mit dem Geschwindigkeitsvorteil der NISSHIN MARU gegenüber der STEVE IRWIN würden sie uns nach 24 Stunden abhängen. Mit der Störung der Jagd an diesem Tag, retteten wir das Leben von vielen Walen, und indem wir sie zur Flucht zwangen, retteten wir das Leben von noch vielen mehr. Wir haben es geschafft, die Walfangflotte über 300 Seemeilen nördlich ihres Fanggebiets zu jagen, und während sie fliehen, können sie keine Wale fangen. Nun werden wir von einem ihrer Harpunenschiffe verfolgt, und solange dieses Schiff uns folgt, kann es nicht jagen.

Der Tod dieses Zwergwals wird nicht umsonst gewesen sein. Die Bilder und Videos gingen um die Welt, die Öffentlichkeit ist aufgebracht, dass sowas noch immer geschieht, und die Menschen verlangen das Eingreifen der Regierung. Ich bin sehr zufrieden mit der Resonanz der Medien, nicht nur in Australien, sondern weltweit.

Ein frei schwimmender Zwergwal im Antarktischen Walschutzgebiet. Foto: Chelsea Miller

Die Crew der STEVE IRWIN arbeitete am Sonntag wahnsinnig hart, um all das zu erreichen. Wir hatten eine zusätzliche Crew auf der Brücke, die Ausschau hielt. Die Helikopterflüge verlangten dem Piloten und dem Deckteam viel ab. Die Ingenieure hielten die Motoren über 30 Stunden auf voller Kraft und während all dem blieb die Motivation ungebrochen. Selbst nachdem die NISSHIN MARU uns abgehängt hatte, ließ sich die Crew nicht entmutigen, denn sie wusste, dass wir sie wieder finden werden, sobald das Wetter sich beruhigt!

Ich möchte euch allen für die Unterstützung danken. Ohne diese ist es unmöglich für uns, das zu tun, was wir tun. Und ohne Sea Shepherd gibt es keine Hoffnung für diese Wale. Also DANKE an euch alle, und bitte unterstützt uns weiterhin.

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