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Foto: Sea Shepherd/Godfrey Merlen14. September 2015: von Dr. Godfrey Merlen, Direktor, Sea Shepherd Galapagos

Diesen Schädel habe ich am wunderschönen Strand von Villamil an der Südküste der Insel Isabela ausgegraben.
Er ist der allererste Beweis für das Vorkommen der Spezies des Kleinen Pottwals im Galapagos-
Meeresschutzgebiet.  Es handelt sich um die kleinste Spezies der "Wale" auf unserem Planeten,
knapp unter zwei Meter oder sechs Fuß lang.

Dieses Tier ist lebend gestrandet und traurigerweise - trotz der Versuche, es zu retten - innerhalb von 24 Stunden verendet. Die Ursache des Strandens blieb unbekannt.

Da wir eine beachtliche Menge an Daten über die Sichtung von Blauwalen im Meeresschutzgebiet gesammelt haben, können wir nun mit Sicherheit behaupten, dass sowohl die kleinsten, wie auch die größten Wale in den fruchtbaren Gewässern, die die Galapagosinseln umgeben, leben.

Zähne eines weiblichen Pottwales und eines Kleinen Pottwales im Vergleich. Die als Maßstab benutzte Münze ist ein Zehn-Cent-Stück. Foto: Sea Shepherd/Godfrey Merlen

Ich sammele schon seit vielen Jahren für die Nationalsammlung von Ecuador Schädel von Walen, und doch übertrifft dieses Exemplar alle anderen - wegen seiner extrem einfachen Linienführung, seiner winzigen Größe und der bloßen Schönheit seiner Form. Die tiefe Wölbung des Oberseite des Kopfes erinnert tatsächlich an den mächtigen Pottwal, dessen Kopf alleine ein Drittel der gesamten Körperlänge ausmachen kann, und mit dem der Kleine Pottwal genetisch verwandt ist.

Obwohl man sehr wenig über diese Spezies weiß, nimmt man an, dass sie zur Orientierung und Futtersuche Echoortung benutzt. Das Sonar von Zahnwalen und Delfinen stellt die wohl bemerkenswerteste Anpassungsleistung von Säugetieren dar, die es ihnen erlaubt, in den tiefen und völlig dunklen Regionen der Meere auf Futtersuche zu gehen.

Und diese Methode der Echoortung ist in der ganzen Tierwelt einzigartig. Durch Druckluft werden die Stimmlippen in den Nasengängen in Vibrationen versetzt – und zwar in Geschwindigkeiten, die man bis heute nicht messen konnte. Die so gebildeten, oft durchdringenden Töne werden durch die Schädelform, Luftsäcke und die unterschiedlich dichten Gewebe am Vorderkopf direkt nach vorn ausgesandt.

Solch innovative und einzigartige Anpassungen wären ohne die knochenartigen Gehörgänge völlig nutzlos, denn diese fangen das Echo der ausgestoßenen Ultraschallwellen auf. Das Gehör ist nicht mehr wie ehemals innerhalb, sondern außerhalb des Schädels angelegt - wie auch bei anderen Landsäugetieren, von denen Wale und Delfine abstammen. Dies hilft, äußere Schwingungen des Kopfes selbst auszublenden.

Kochenartiger Gehörgang des Kleinen Pottwals. Er liegt unterhalb des Hirnareals und empfängt die Echowellen von den unteren Kieferknochen. Foto: Sea Shepherd/Godfrey Merlen

Dadurch, dass wir Wale töten und sie an den Rand des Aussterbens bringen, machen wir unsere Erkenntnisse zunichte und schmälern unsere Vorstellungskraft. Denn in ihnen verbirgt sich die außergewöhnliche "Magie" des Lebens und die Kraft der Anpassung. Wir wissen nichts über die geistige Leistungsfähigkeit von Walen: wir vermuteten lediglich, dass sie über hoch empfindliche Sinne verfügen, die das menschliche Gehirn nicht nutzt. Sie sind, auf sehr reale Weise, "andere Völker".

Mit diesen Knochen in meiner Handfläche fühle ich die Begeisterung darüber, diesem "anderen Volk" viel näher zu kommen, das in den Gewässern der "Verzauberten Inseln" lebte und starb.

Wir beschützen in den Gewässern von Galapagos alle Wale und Delfine im 25 Jahre alten Walschutzgebiet und können dadurch der erstaunlichen Lebenswelt dieser Spezies ein wenig näher kommen. Diese Walarten durchstreifen schon seit Millionen von Jahren die pechschwarzen Tiefen der Ozeane mit Techniken, die die Menschheit erst seit weniger als 100 Jahren kennt.

Ich bedauere sehr den Tod dieses kleinen Geschöpfes, dennoch freue ich mich, wie sehr mich die Schönheit seiner Knochenform und die damit gesendete Botschaft überwältigt. Wir heißen diese Spezies im Galapagos-Walschutzgebiet willkommen, wo sie leben können, ohne verfolgt zu werden.

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Identifizierung von Walen

Die Identifizierung von Walen wird erheblich durch etliche, schon im Handel erhältliche, Bücher erleichtert. Das, was ich häufig nutze, ist “Marine Mammals of the World”, ein von der FAO herausgegebener Leitfaden zur Identifizierung von Arten. Dennoch ist zu beachten, dass der Kleine Pottwal und der Zwergpottwal erst seit 1966 als getrennte Arten geführt werden!

Ich hatte das Glück, dass man mir ein Bild dieses kleinen Wales schickte, als er gestrandet war, so dass nicht nur die Knochen als einziges Merkmal für die Identifizierung vorhanden waren. An den zurücktretenden Unterkiefern war eindeutig zu erkennen (mit großer Ähnlichkeit zu den Haien), dass er zu den Walen der Familie der Kogiidae gehörte. Aber der sehr breite Schädel, der aus der Rückenansicht kreisrund ist, ist unter Walen einzigartig. Darüber hinaus können die Gehörknöchel von Walen und Delfinen bei der Identifizierung als Zugabe dienen, denn bei vielen Spezies sind sie von einzigartiger Form und Größe.

Der Pottwal hat besonders lange Oberkiefer- und Unterkieferknochen, die den Schnabel bilden, und die Gehörknöchel sind sehr ausgeprägt und groß.

Hier eine wunderschöne Zeichnung eines Pottwalschädels aus den 1880er Jahren.

Hier eine wunderschöne Zeichnung eines Pottwalschädels aus den 1880er Jahren

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Pottwale haben ausgeprägte Gehörknöchel sowohl in der Größe, als auch in der Form.
Dieses Bild zeigt Gehörknöchel eines weiblichen Tieres, das an der nördlichen Küste der Bucht, an der ich lebe,
in Puerto Ayora, Santa Cruz Island, gestrandet ist.

Foto: Sea Shepherd/Godfrey Merlen






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