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Captain Wyanda Lublink von der „Brigitte Bardot“Dienstag, 7. Juli 2015
Kommentar von Wyanda Lublink aus den Niederlanden, Kapitänin der "Brigitte Bardot"

An diesem Morgen wachte ich früh auf. Er fühlt sich anders an. Es ist erst 05:00 Uhr, die Sonne scheint bereits und das Wasser um die Färöer ist ruhig. Mein Bauchgefühl sagt mir, es wird kein guter Tag für die Wale und Delfine werden. Leider war dieses Gefühl richtig.

Um 07:45 Uhr werden wir von einem lokalen Fischerboot belästigt. Wir fahren Richtung Süden, in einem der wunderschönen Fjorde, als das Fischerboot anfängt, uns auf der Backbordseite der „Brigitte Bardot“ zu überholen. Der Name des Schiffs ist „Bjorgfin“. Das Schiff kommt so nah, dass ich eindeutig erkennen kann, dass sich nur ein einziger Mann auf der Brücke befindet. Er passt seine Geschwindigkeit an und bleibt eine Weile auf unserer Backbordseite. Er bringt sein Boot extrem dicht an unseres heran, zwischen ihm und uns liegen weniger als 10 Meter. Der Fjord ist über eine Meile (1,6km) breit, sodass es wirklich nicht nötig ist, so dicht an uns heran zu fahren.

Dann entschied er sich, unseren Weg nur 3m vor der „Brigitte Bardot“ zu kreuzen. Das ist lächerlich. Ich kann verstehen, dass jeder, der die „Brigitte Bardot“ zum ersten Mal sieht, beeindruckt sein muss, denn sie ist ein wahnsinnig gut aussehendes Schiff. Ich kann verstehen, dass man unser Schiff von Nahem anschauen möchte, aber dies sollte auf sicherer Art und Weise geschehen. Er gefährdet das Leben meiner Crew und auch sein eigenes. Das ist einfach unnötig. Ich versuche über Funk Kontakt zu ihm aufzunehmen, aber er antwortet nicht. Ich benutze mein Signalhorn um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, aber das ignoriert er auch.

Nach diesem lächerlichen Manöver bewegt sich der Bootsfahrer zur Steuerbordseite des Fjords. Dann plötzlich beschleunigt er und fährt in die Richtung der „Finger“, welche sich am nördlichen Ende der Färöer Inseln befinden.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass nur ca. 32km von uns entfernt ein neuer Grind begonnen hat.

Eine halbe Stunde später bekommen wir die verheerende Nachricht, dass eine Schule von 22 Grindwalen nach Hvannasund getrieben wurde. Sie hatten keine Möglichkeit zu entkommen. Wir befanden uns gerade nördlich der färöischen Hauptstadt Thorshaven auf Streymoy, der größten und am dichtesten besiedelten Insel der Färöer. Wir konnten sehen, dass die „HDMS Triton“, ein dänisches Marineschiff, mit voller Geschwindigkeit gen Norden fuhr. Ein Helikopter landete an Bord der „Triton“. Es sah aus, als würden die Polizisten, die wir zuvor in Thorshaven entdeckt hatten, in Rettungsanzügen an Bord der „Triton“ abgesetzt werden.

Das dänische Marineschiff „HDMS Triton“ mit dem Helikopter darüberDer Helikopter hob wieder ab und flog zurück nach Thorshaven. Es war klar, dass etwas passierte, und mein Instinkt sagte mir, es wäre nichts Gutes. Auf Grund der „Anti- Sea Shepherd“ Gesetze gab es keinen Weg für uns, nahe an die Grindwale zu kommen. Selbst wenn wir dichter dran gewesen wären, hätte die dänische Marine uns aufgehalten und wir wären zu spät gekommen.

Als ehemalige Marineoffizierin raubt es mir den Verstand, dass sich die dänische Marine in eine so grausame Handlung einbeziehen lässt. Dänemark gehört zur EU und diese hat Anti-Walfang Gesetze. Wissen die dänischen Bürger, dass ihr hart verdientes Geld für einen so veralteten Tötungssport ausgegeben wird? Wenn sie das wissen, was denken sie dann darüber?

Das Militär sollte in Konflikte verwickelt sein, die die nationale Sicherheit betreffen. Sie sollten die beschützen, die unschuldig sind oder sich nicht selbst verteidigen können. Sie sollten nicht an einer solchen Abschlachtung teilnehmen.

Sind wir, Sea Shepherd, eine solche Bedrohung für die nationale Sicherheit der Färöer?

Im Juni half das färöische Patrouillenschiff „Brimil“ mit seinen Schlauchbooten beim Grind am Strand von Miðvágur auf der Insel Vágar. In Hvannasund hat unsere Landcrew die Umrisse der „Triton“ am Tatort erkennen können. Später konnten wir von unserem Schiff sehen, wie die „Triton“ ihre Schlauchboote wieder einholte, nachdem das Walfleisch verteilt wurde.

Die dänische Marine behauptet nun, dass sie keine Sichtungen von Grindwalen oder Delfinen an die Behörden melden würden. Dies bedeutet, dass die dänische Marine die schnell aufgestellten Gesetze der Färöer bezüglich des Grind, nicht befolgen muss. Während ich dankbar für diese kleine Gnade bin, bin ich auch von der Situation verwirrt. Wie kann es möglich sein, dass Besucher, eingeschlossen EU Bürger, verpflichtet sind, jede Sichtung von Walen und Delfinen zu melden, damit diese abgeschlachtet werden können? Wenn die Leute dies nicht tun, können sie mit einem Bußgeld bestraft oder verhaftet werden. Welches Recht haben die färöischen Behörden, EU Bürger zu zwingen, an etwas teilzunehmen, dass in ihrem eigenen Land illegal ist?

Ich hoffe der Regierung wird bald klar, dass sie nicht nur Grindwale töten, sondern auch eine der größten wirtschaftlichen Branchen. Ich hoffe zutiefst, dass kein Tourist die Inseln mehr betreten wird, solange diese Gesetze aufrecht erhalten werden.

Mir ist klar, dass einige der Einheimischen Sea Shepherd hier nicht wollen. Der Vorfall mit dem Fischerboot am Tage des Hvannasund Grind hat das deutlich gemacht. Aber wir sind hier, wir haben das Recht hier zu sein, und wir machen nichts falsch.

Sie können sich jedes Gesetz ausdenken, das sie wollen, aber wir weichen nicht zurück. Wir werden bleiben und dafür sorgen, dass die Welt sieht, was für eine barbarischer Brauch hier immer noch fortgeführt wird.

Unsere Häupter sind hoch erhoben und der Kampf wird weiter gehen: FÜR DIE OZEANE!


Captain Wyanda Lublink

„Brigitte Bardot“

Die „Bjordfin“ kreuzt den Bug der „Brigitte Bardot“ und verspottet die Sea Shepherd Crew wegen des erneuten GrindsDie Nachrichten des Hvannasund Grind nagen schwer an Captain Wyanda Lublink


Alle Bilder von Mayk Wendt


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