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Jolly19. Mai 2015

Kommentar von Sea Shepherd-Gründer Captain Paul Watson

Wen würdest du rufen, wenn die Dienste guter Piraten benötigt werden?

Endlich wurde die Rolle von Sea Shepherd in einer Welt, in der sich ein Großteil der Erdoberfläche in einem Zustand der Anarchie und Gesetzlosigkeit befindet, in einem Artikel anerkannt. Näheres erfährst du hier:

The conundrum of the Patagonian toothfish

Seit 1977 beschützt Sea Shepherd Meeresbewohner vor rücksichtloser und illegaler Ausbeutung.

In der Tat werden die Sea Shepherds von ihren Gegnern immer noch als Piraten betrachtet, ähnlich wie Sir Francis Drake und Sir Walter Raleigh von den Spaniern, obwohl sie von den Briten gefeiert wurden.


Natürlich gibt es Hürden und Probleme, die zu überwinden sind. Selbst der große Lord Horatio Nelson wurde durch Gerichte, Händler und Regierungsbeamte behindert, als er versuchte, die Geschäftemacherei der Piraten in Karibik zu unterbinden.

Ich habe die Sea Shepherd Conservation Society stets als die "Damen der Nacht" der Umweltbewegung betrachtet. Viele Menschen stimmen dem heimlich zu und können Sea Shepherd im Dunkeln der Nacht sogar bewundern, doch möchten bei Tageslicht nicht mit ihnen gesehen werden.

Heute gilt dies im Besonderen für Politiker. Jean Michelle Cousteau sagte einst zu einem meiner Freunde, „Ich mag Sea Shepherd, doch wie kann man von mir erwarten, dass ich mit Präsidenten und Premierministern spreche, wenn diese denken, dass ich Sea Shepherd unterstütze?“

Vor vielen Jahren, als unsere Gegner damit begannen, uns Piraten zu nennen, reagierte ich darauf, indem ich eine eigene Version des „Jolly Roger" erschuf. Wir schämten uns nicht, Piraten genannt zu werden. Piraten schieben Dinge an und scheuen den Papierkram und die Bürokratie.

Im 17. und 18. Jahrhundert attackierten und kaperten Piraten Sklavenhändler und befreiten die Afrikaner von ihren Fesseln. Befreite Sklaven durften sich Piratencrews anschließen und konnten aufgrund ihrer Fähigkeiten aufsteigen. Es gab zu dieser Zeit kein anderes Unternehmen auf der Welt, das eine derartige Gleichheit erlaubte. Piratenschiffe wurden demokratisch geführt, ihre Kapitäne wurden gewählt, und das in einer Zeit, in der die Kapitäne von Handels- und Militärschiffen rücksichtslose Diktatoren waren.

Waren sie Diebe? Ist es Diebstahl, das Gold der Diebe zu entwenden? Manchmal vergessen wir, dass die spanischen Galeonen, die von den Piraten attackiert wurden, nicht ganz unschuldig waren; das Gold, das sie in ihren Lagerräumen transportierten, war von den mesoamerikanischen Indianern gestohlen, welche die Spanier ermordeten.

Und wer sind heute die wahren Piraten von Somalia? Die verarmten Fischer, die aus Verzweiflung dazu gedrängt werden, Schiffe auszurauben, weil die Piraten-Fischflotten aus Europa und Asien den gesamten Fisch aus den somalischen Gewässern geraubt haben?

Viele Piraten von damals wurden für ihre Anstrengungen belohnt. Neben Drake und Raleigh, wurde Henry Morgen geadelt und ihm das Gouverneursamt von Jamaica zugesprochen. Der französische Pirat Jean LaFitte wurde zum amerikanischen Helden, wie auch John Paul Jones, der Gründer der amerikanischen Navy, der von den Briten als Pirat verdammt wurde. Der französische Pirat Robert Surcouf wurde von Napoleon in die Ehrenlegion aufgenommen.

All dies beweist, dass Piraten je nach Blickwinkel gut oder schlecht sind, je nach eigenem Standpunkt und finanziellen Interessen.

Aus rechtlicher Sicht können die Crews von Sea Shepherd nicht als Piraten definiert werden. Denn wenn sie es wären, dürften die Schiffe von Sea Shepherd nicht in den Häfen der Welt anlegen oder die Flaggen der Nationen hissen, bei denen sie registriert sind. Der „Jolly Roger“ von Sea Shepherd ist die Flagge einer Bewegung, nicht die Flagge einer Registrierung oder ein Symbol der fehlenden Registrierung.

Rechtlich betrachtet war die „Thunder“ ein Piratenschiff, da ihr die nigerianische Flagge entzogen wurde. Ein Piratenschiff ist per Definition ein Schiff ohne Flagge. Die Schiffe von Sea Shepherd hissen seit jeher rechtmäßige Flaggen und folgen stets den Regularien der Flaggenstaaten. Derzeit fahren Sea Shepherd-Schiffe offiziell unter den Flaggen der Niederlande, Australien, den USA und Großbritannien und sind dort registriert. Die Schiffe von Sea Shepherd hissen ebenso ihre eigene Jolly Roger-Flagge, aber auch die Flagge der Fünf Nationen der Irokesen und die Flagge der Aborigines und Maori, welche uns als Anerkennung für unsere Aktivitäten zum Schutz der Meerestiere verliehen wurden.

Diese Arbeit bewirkt etwas. Sea Shepherd stoppt Wilderer, wo die Gesetzesvollstreckung gegen sie fehlt, rettet Meereslebewesen vor illegaler Ausbeutung und ermittelt gegen illegale Aktivitäten und dokumentiert sie. Sea Shepherd unterstützt die Polizei und Gesetzeshüter, wo und wann immer dies möglich ist. Zudem vermittelt Sea Shepherd seinen Freiwilligen das Bewussttsein, dass jedes Individuum die Fähigkeit hat, etwas zu bewirken.

Sea Shepherd rechnet damit, sich unbeliebt zu machen und kritisiert zu werden, denn Sea Shepherd spricht Dinge an, die die Menschen nicht hören wollen und tut Dinge, die manche Leute nicht tun wollen, beschämt nicht selten Regierungen und verursacht jede Menge Profitverluste, wo mächtige Interessen im Spiel sind.

Sea Shepherds Kampagnen sind nicht auf die Hochsee beschränkt, sondern werden auch überall dort geführt, wo Sea Shepherd für seine Mandanten kämpfen muss (Artenvielfalt und bedrohte Arten in den Meeren), also auch vor Gerichten und in den Foren der weltweiten Medien.

Unsere Bemühungen, den Blauflossenthunfisch vor der Küste Libyens im Jahr 2010 zu beschützen, führte Sea Shepherd UK, die Sea Shepherd Conservation Society (SSCS) und mich vor das Gericht in Großbritannien, als die Wilderer uns für den Verlust von über 800 Thunfischen, die aus den Netzen befreit wurden, anklagten. Wir gewannen das Verfahren und die Thunfisch-Wilderer mussten für unsere Gerichtskosten aufkommen.

SSCS kämpft derzeit gegen die japanischen Walfänger vor den Gerichten mit Argumenten, die Präzedenzfälle schaffen und tiefgründige rechtliche Auswirkungen haben könnten.

Das wichtigste ist jedoch, dass passionierte Sea Shepherd-Piraten derzeit an den Stränden von Costa Rica, Guatemala, Cap Verde und Florida vor Ort sind, um das Leben von Schildkröten zu retten. Captain Oona Layolle aus Frankreich segelt derzeit im Golf von Kalifornien, um gefährdete Kalifornische Schweinswale zu verteidigen. Captain Peter Hammarstedt aus Schweden, Captain Sid Chakravarty aus Indien sowie Adam Meyerson aus den USA setzen sich derzeit gegen die illegale Fischerei vor der Küste Afrikas, im Südpazifik und im Nordatlantik ein. Captain Alex Cornelissen entwickelt einen Plan, um das Leben von Grindwalen im Nordatlantik zu retten. Sea Shepherd-Freiwillige verteidigen Robben in Schottland und Finnland und stellen sich Wilderern auf den Galapagos entgegen.

Die Piraten von Sea Shepherd sind die ersten Piraten auf der ganzen Welt, die aus Mitgefühl handeln – Piraten ohne Profitgier, die aufgrund der Dringlichkeit unserer Mission aktiv werden. Denn wenn wir das Leben im Meer nicht verteidigen würden, wer würde es tun?

Die meisten Menschen, die ich auf der Straße treffe – Studenten, Anwälte, Künstler und Polizisten – erheben ihre Stimmen, um Sea Shepherd zu unterstützen.

Wenn mich jemand verärgert einen „Piraten“ nennt, lächle ich und antworte, „Du hast verdammt nochmal recht, ich bin ein Pirat, und ich bin verdammt stolz darauf“. Und wenn sie mich einen „Öko-Terroristen“ nennen, lächle ich ein weiteres Mal und antworte, „Nein, ich bin kein Öko-Terrorist; ich habe niemals für Monsanto oder Shell gearbeitet.“


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