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PW master and commander 0108. Mai 2012

Kommentar von Captain Paul Watson

Ich möchte zunächst dem Heavy Metal Musiker Heri Joensen dafür danken, dass er den Mut und die Überzeugung hatte, am 4. Mai mit mir beim Sender Animal Planet über das umstrittene Abschlachten der Grindwale bei den Färöer-Inseln zu diskutieren. Das grauenvoll brutale Massaker ganzer Schulen wehrloser Grindwale ist für die meisten Menschen der Welt so widerlich, dass nicht ein einziger färöischer Politiker, Forscher, Wissenschaftler oder sogar ein Walfänger sich freiwillig dazu bereit erklärt hat, dieses Verhalten in einer öffentlichen Diskussion zu rechtfertigen. Wie rechtfertigt man das nicht zu Rechtfertigende? Man kann es nicht, und das wussten sie auch, daher haben sie abgelehnt. Doch ein Mann stand für die Färinger ein. Heri Joensen von der Heavy Metal Band Tyr, eine Band, die nordische Mythologie und Heavy Metal auf eine einzigartig färöische Art in Musik übersetzt. Ihr Grollen über die Tugenden der nordischen Halbgötter hat so manchen Kritiker schon dazu provoziert, sie als Faschisten oder Nazi-Befürworter abzustempeln. Allerdings sehe ich keine Beweise dafür, dass sie solche hasserfüllten Überzeugungen verherrlichen.

Dass sie hingegen nordischen Nationalismus fördern, steht natürlich außer Frage, und ebenso, dass ihre anti-christlichen und gewalttätigen Texte sie regelrecht dazu prädestinieren, in die Extremisten-Schublade gesteckt zu werden. Trotzdem war es doch ein schwerer Auftritt für Heri Joensen. Er musste Tod und Grausamkeit rechtfertigen, während ich die wesentlich leichtere Aufgabe hatte, mich für Leben und Mitgefühl einzusetzen. Aber er hat sich zumindest Mühe gegeben, was man von den politischen Vertretern seines Landes nicht behaupten kann. Seine Aufgabe war sogar noch schwieriger, weil er den Standpunkt vertreten musste, dass das Abschlachten der Wale human sei, während das Video und die bluttriefenden Bilder, die gezeigt wurden, eindeutig bewiesen, dass das Schlachten alles andere als human ist. Das ist ungefähr das Gleiche, als behauptete man, dass die Farbe von Schnee grün ist, während man mitten in einem Schneesturm steht. Heri argumentierte, dass es viele Grindwale gäbe, dass die Wale rasch getötet würden und dass es keinen Unterschied zu Schlachthöfen in Europa oder Amerika gäbe. Vor der Debatte prahlte er damit, dass er mich mit Fakten und der Wahrheit erschlagen würde. Wie dem auch sei: Statt Thors beindruckenden Hammer Mjöllnir zog Heri dann einen kleinen Kugelschreiber hervor, mit dem er nur kläglich gegen den Schutzschild trommelte, den mir meine Argumente boten. Er konnte nicht einen einzigen Beweis vortragen, um die Ansichten zu untermauern, die er als Fakten präsentieren wollte. Er gab an, dass es laut der International Whaling Commission (IWC), der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) und verschiedenen anderen Fischereibehörden 800 000 Grindwale im Nordatlantik gäbe. Die IWC führt jedoch nicht Buch über kleine Meeressäuger und die IUCN führt die Grindwale unter "Status unbekannt", was bedeutet, dass das Vorsorgeprinzip angewendet werden sollte.

Nachdem die Zuschauer das qualvolle Leiden eines Wals vor laufender Kamera gesehen hatten, schrumpfte Heris Argumentation vom humanen Töten zusammen auf einen Mann mit einem Messer, der erklärte wie er einen Wal innerhalb weniger Sekunden umbringt. Darauf folgten jedoch keine sichtbaren Beweise dieser Praktik, sondern nur die Erklärungen eines Mannes. Aber da Heri ein Mitglied einer Heavy Metal Band von den Färöer-Inseln ist, wurden wir praktisch darum gebeten, über die wirklichen Gegebenheiten hinwegzusehen und stattdessen seine „Fakten“ und sein Wort als Musiker zu akzeptieren, der behauptet, dass die Jagd nachhaltig und human sei.

Das Schlachten von Babyrobben in Kanada durch meine kanadischen Landmänner ist ebenso skrupellos brutal wie das gnadenlose Massakrieren der Grindwale, und die Mehrheit der Kanadier ist dagegen. Die Mehrheit der Färinger mag das Abschlachten der Grindwale unterstützen, aber einige von ihnen fangen an, es zu hinterfragen und sind gegen das Töten. Das sind die Samen des Unmuts, die wir nähren müssen. Heri gab während der Debatte zu, dass einzelne Wale auf unmenschliche Art getötet werden. Er gestand, dass das Töten der Wale keine Notwendigkeit ist und dass den Färingern die gleichen Lebensmittel wie den Europäern zur Verfügung stehen. Er räumte ein, dass Quecksilber in den Walen ein ernstes Problem ist. Ich denke, dass Heri aufrichtig in seiner Ansicht und Meinung ist, aber das gibt ihm trotzdem nicht Recht. Auch mögen die Menschen nicht glauben, dass ich deswegen mit meinen Ansichten richtig liege. Darum kamen wir zu den Färöer-Inseln und entfesselten die stärkste Waffe überhaupt: die Kamera!

10478166 10152526076015932 3052033256743839015 nIn unserer Kampagne ging es nicht darum, zu den Färöer-Inseln zu fahren und das Abschlachten mit nur einer Aktion für immer zu beenden. Wir waren uns der Schwierigkeiten einer solchen Strategie bewusst. Aber wie sich herausstellte, wurde nicht ein einziger Wal getötet, während die Sea Shepherd-Aktivisten vor Ort waren. Unsere primäre Taktik bestand darin, die Aufmerksamkeit der Welt auf das abartige Massenabschlachten dieser schönen, schlauen und empfindsamen Kreaturen zu richten. Und genau das taten wir, indem wir Millionen mit den Bildern, der Kontroverse und dem Konflikt erreichten. Dadurch entfachten wir ein Feuer der Missbilligung und brannten die Bilder von Blut, Schmerz und der grausamen Orgie des Abschlachtens in die Erinnerung von Millionen ein, die zuvor nicht einmal von der Existenz der Färöer-Inseln gewusst hatten. Heri wiederholte immer wieder, dass das Töten der Grindwale sich nicht vom Töten in Schlachthöfen, in denen Kühe, Hühner oder Schweine geschlachtet werden, unterscheidet.

Natürlich gibt es Unterschiede, aber warum sollte das relevant sein, wenn man mit einer Organisation debattiert, die sich für Veganismus und Vegetarismus einsetzt? Die Sea Shepherd Conservation Society sieht dänische Fabrikfarmen besonders kritisch, in denen Sandaale, die Hauptnahrungsquelle der Papageitaucher, an Masthühner verfüttert werden. Sea Shepherd würde Heris Schlachthaus-Vergleich verstehen, wenn er ein Problem damit hätte. Aber Heri kauft Hühner-, Rind- und Schweinefleisch im Supermarkt. Sea Shepherd nicht. Heri gibt an, dass das Töten von Grindwalen legal ist, und das stimmt technisch gesehen. Die Position von Sea Shepherd ist jedoch, dass Dänemark, ein Mitglied der Europäischen Union, die Färöer nicht massiv subventionieren sollte, da europäisches Recht das Töten der Wale verbietet. Die Färinger sollten vor die Wahl gestellt werden zwischen den Subventionen und Essen aus dem Supermarkt, oder dem barbarischen Abschlachten.

Schließlich verglich Heri Sea Shepherd mit der Tabakindustrie, was besonders absurd ist, da Sea Shepherd zum Schutz des Lebens handelt, wohingegen Heri Leid und Tod verteidigt. Heri bestand darauf, dass ich nur des Geldes wegen handeln würde. Offensichtlich recherchierte er nicht gründlich, da ich selbst nicht an Spenden verdiene. Ich verdiene mein Geld durch Schreiben, Vorlesungen und Filme, genau wie er seinen Lebensunterhalt durch Musik bestreitet. Wir nehmen Spenden an, aber die Bücher zeigen klar, dass es verwendet wird, um die Dinge zu stoppen, die Heri verteidigt. Er räumte ein, nicht recherchiert zu haben, als er sein Lied Rainbow Warrior über mich schrieb. Er bemerkte nicht, dass die Rainbow Warrior ein Schiff von Greenpeace ist, denen ich nicht angehöre. Seine Beschreibung von mir als jemand aus dem Großstadtdschungel entspricht nicht der Wahrheit, da ich in einem Fischerdorf an der Ostküste aufgewachsen bin und zurzeit auf einer Insel lebe, die noch kleiner als seine ist. Seine Strategie war es, mich als einen opportunistischen, von der natürlichen Welt (in der Schlachten normal ist) entfremdeten Stadtmenschen abzuweisen. In seiner Welt mag es normal sein, aber nicht in meiner. Ich habe mein Leben damit verbracht, mich Grausamkeiten und der Zerstörung der biologischen Vielfalt entgegen zu stellen. Das schließt das Jagen von Elefantenwilderern im Tsavo East Park in Kenia ein, das Schützen der Wölfe am Yukon, der Robben auf Eisschollen und der Wale im Südpolarmeer. Tatsächlich habe ich mehr Zeit in der Wildnis und abgelegenen Gegenden verbracht, als Heri es bislang getan hat und jemals tun wird. Es ist einfach, als Rockstar von der Kanzel der Bühne aus singend über Konflikte und Stürme, Schlachten und Kämpfe zu predigen, doch es ist etwas vollkommen anderes, Stürme im Angesicht rücksichtsloser Bösewichte auf hoher See zu bezwingen.

10390497 523315691106638 205172124399992560 nHeri lebt in einer Welt der Musikinstrumente, der Bühnenarbeiter und des Publikums, mit all den Vorteilen eines Rockstars. Es ist etwas ganz anderes, auf hoher See echte Stürme zu überstehen und sich auf physische Konfrontationen mit einer gewalttätigen Gegenseite einzulassen. Kurz: Wir, die Crew der Sea Shepherd-Schiffe, sind die echten Wikinger, und Heri darf auf der Bühne einen Wikinger spielen. Aber es gibt noch mehr, das Heri nicht über mich weiß. Mein Großvater, Otto Larsen, war Däne, und die Familie meines Vaters kam aus der Bretagne und der Normandie, was mich ebenfalls zu einem Nachfahren der Wikinger macht. Dabei gibt es nur einen bedeutenden Unterschied: Ich muss keine intelligenten, sich selbst bewussten, schönen, sozialen, empfindsamen Geschöpfe töten, um meine Abstammung zu feiern. Jeder kann einen Wal oder eine Babyrobbe töten, wenn er sich dafür entscheidet, skrupellos und nicht liebevoll und gütig zu sein, und wenn er sich dafür entscheidet, Mitgefühl und Barmherzigkeit zu verneinen, um Grausamkeit und Tod zu befürworten. Blut und Gewalt, Tod und Zerstörung sind alte Wikingertraditionen und sollten genauso behandelt werden wie Vergewaltigungen, Plünderungen, Sklaverei und das Opfern von Menschen, bei denen es sich auch um jahrhundertealte, traditionelle Werte der Wikingergemeinschaften handelt. Trotz alledem hatte Heri Joensen den Mut, für seine Ansichten einzustehen, und das kann ich ihm nicht übel nehmen, besonders deshalb, weil es färöischen Walfängern und Politikern an moralischer Stärke fehlt, es selbst zu tun. Aber falls dies das Beste ist, was die Färöer zur Verteidigung für das Abschlachten vorzutragen haben, dann haben sie die moralische Überlegenheit klar verloren. Es geht nicht um Traditionen und Werte, Kultur und Abstammung. Es ist einfach eine gnadenlose, rücksichtslose, hartherzige, abartige Todesorgie und Respektlosigkeit gegenüber der Natur und des Lebens. Der Grindwalfang muss sterben, damit die Wale leben können.

So einfach ist das.

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