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Foto: Leonard Kötters | http://www.natureofmusic.netDie Tiere in den Meeren folgen ihren eigenen Gesetzen, sie folgen den Gezeiten und ihren Beutetieren.
Es ist ein ewiger Kreislauf und das Meer sollte man daher als ganzheitliches Ökosystem betrachten.
Dort passiert nichts ohne Grund und es passiert auch nichts ohne Folgen. Wenn man vom menschlichen Einfluss absieht,
dann sind diese Kreisläufe perfekt abgestimmt, aber dieser menschliche Einfluss ist nicht mehr zu ignorieren.
Dachte man anfangs, dass das Meer unerschöpfliche Ressourcen bergen würde, weisen Experten schon lange darauf hin,
dass die Verschmutzung und die Überfischung der Meere zu den größten Problemen in unseren Weltmeeren zählen.

Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr 7 Millionen Tonnen Müll in das Meere geleitet werden
(das dt. Umweltbundesamt schätzt für das Jahr 2013 etwa 100 bis 150 Millionen Tonnen Abfälle, davon ca. 60 % aus Plastik),
die Atomkatastrophe von Fukushima birgt nach wie vor Risiken, die nicht kalkulierbar sind. Es werden Rekordsummen für Thunfische gezahlt,
weil es immer weniger Exemplare gibt und das Interesse daran, mit wenigen Tieren viel Geld zu erzielen größer ist als das Interesse an einer gesunden Population im Meer. Und auch wenn sich bei den Walen viele der am Rande geglaubten Population wieder weitestgehend erholt haben,
ist auch hier die Gefahr immer noch nicht gebannt.

Dass das Interesse an Meeressäugern in Gefangenschaft nach wie vor groß ist, zeigen uns die vielen Delfinarien und Zoos, in denen diese oft geselligen, hochintelligenten Tiere ihr Dasein fristen. Die vorgeschobenen Argumente der Betreiber scheinen nobel zu sein, denn sie argumentieren so, dass ja Menschen nur schützen können, was sie kennen und das erlebt man nun einmal im Zoo.

Die Realität ist aber eine andere: Alleine im japanischen Taiji werden jedes Jahr mehrere hunderte Delfine in Buchten getrieben, es werden wenige Tiere für eine lebenslange Gefangenschaft ausgewählt und der Rest der Schulen wird abgeschlachtet. Die Auswirkungen, wenn auch an einer anderen Spezies beleuchtet, werden u.a. auch in der Dokumentation „Blackfish“ verdeutlicht, denn diese wirft einen Blick auf die Hintergründe und Zusammenhänge von Meeressäugern in Gefangenschaft und Entertainmentshows. Auch wenn dies nur exemplarische Fallbeispiele sind, zeigen sie uns doch, dass am Ende nur die Freiheit artgerecht ist.

Und wer diese artgerechte Freiheit einmal mit eigenen Augen gesehen hat, dem wird schnell die Einzigartigkeit dieser Erfahrung klar. „Whale Watching-Touren sind daher wertvolle Werkzeuge zur Aufklärung über Wale und deren Schutz. Sie sind gut für die Wirtschaft der Gemeinden vor Ort und bringen die Menschen im gegenseitigen Respekt für den Ozean zusammen.“
Deshalb ist es wichtig, einen genauen Blick auf diese Art des Ökotourismus zu werfen, da sich auch die Interessen der Anbieter unterscheiden und somit auch die Auswirkungen auf das jeweilige Ökosystem. Neben den sehr speziellen Formen des Whale Watching aus der Luft, den Sichtungen von Land aus (die zwar oft mit mehr Aufwand verbunden sind, aber mit einem individuelleren Erfolgsgefühl belohnt werden), gibt es noch die populärste Form: Whale Watching auf einem Boot. Klar ist dabei auch, dass der Mensch bei der Whale Watching-Tour im Lebensraum Meer zu Gast ist und sich dementsprechend verhalten sollte.

Trotz der wachsenden Bedeutung dieses Themas gibt es noch keine internationale Gesetzgebung, sondern es wird auf nationaler Ebene, bzw. auch lokaler Ebene (sprich: in den Bundesstaaten) entschieden. Einige wichtige, einprägsame Regeln haben sich aber durchgesetzt:
das Boot sollte sich im 30-Grad-Winkel zu den Tieren nähern eine niedrige Fahrgeschwindigkeit ist grundsätzlich wichtig, sowie das Vermeiden abrupter Änderungen von Richtung und / oder Geschwindigkeit etwa 100 Meter Abstand sollte zwischen Boot und den Tieren liegen max. 3 Boote sollten sich im Umkreis von 300 Metern zu den Tiere aufhalten eine Höchstdauer von höchstens 30 Minuten sollte die Begegnung haben Rücksichtsloses Verhalten kann negative Folgen für die Tiere haben. Die Hauptfaktoren sind dabei der Lärm und der damit verbundene Stress. Ein andauerndes Bedrängen und der damit einhergehende Lärmpegel führen zur Verhaltensänderung bei den Tieren, beispielsweise hinsichtlich Schwimmgeschwindigkeit, Richtung und längerer Tauchzeiten. Weiter wird die Kommunikation der Tiere erschwert und auch kann es zur Trennung kommen, gerade bei Jungtieren mit ihren Müttern ist dies fatal. Im schlimmsten Falle kommt es zur Kollision zwischen Boot und Tier oder einer Übertragung von Krankheiten, wenn die Tiere in greifbare Nähe kommen oder einige Veranstalter das Schwimmen erlauben. 

Rundkopfdelfin in der Bucht von Monterey, Foto: Leonard Kötters | http://www.natureofmusic.net

Die längerfristigen Folgen sind daher zum Teil erst nach Jahren zu erkennen. Durch den Stress kann die Anfälligkeit von Krankheiten steigen, aber auch die Reproduktionsrate könnte rückläufig sein, weiter geraten die Jagd- und Ruhephasen der Tiere ins Ungleichgewicht. In Summe führt dies zur einer Abwanderung oder einem Rückgang der Population.

So ist beispielsweise Sea Shepherd Brasilien in der Vergangenheit gegen derart rücksichtsloses Verhalten vorgegangen. Nachdem sie entsprechende Hinweise bekommen hatten, sammelten die Freiwilligen vor Ort handfeste Beweise (der Mindestabstand wurde unterschritten; einige Tourguides hatten die Touristen ermutigt, die Wale anzufassen und in einem Fall wurde sogar ein Kalb gerammt) und reichten Beschwerde bei entsprechenden Stellen ein, auch die Option vor Gericht zu ziehen stand im Raum. Wichtig ist dabei zu betonen, dass nicht grundsätzlich gegen das Whale Watching vorgegangen wurde, sondern nur gegen die Vorfälle bei denen die Tiere misshandelt wurden.

Werden die Bedürfnisse der Tiere zu jeder Zeit vor die Interessen der Touristen gestellt und zu 100% eingehalten, dann – und nur dann - kann Whale Watching einen Beitrag zu einem besseren menschlichen Verständnis von Meeressäugern und deren Lebensraum leisten.

Ein Bericht von Leonard Kötters



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