Jeff Hansen zusammen mit Hauptanwalt Patrick Pearlman vor dem Obersten Gerichtshof in Westaustralien Foto: Omar Todd26. Februar 2014
Jeff Hansen, geschäftsführender Direktor, Sea Shepherd Australien

Aus den Reihen der Wissenschaft gibt es kritische Stimmen gegen die gezielte Tötung von Haien durch die westaustralische Regierung, die Öffentlichkeit ist gegen die Drumlines (eine Fangvorrichtung für Haie mit beködertem Haken) sowie die damit einhergehenden Risiken für die Menschen, und rund um den Globus wird das Tötungsprogramm gegen Haie, das jeglicher Logik entbehrt, verurteilt. Und trotzdem gesteht Premierminister Colin Barnett nicht ein, dass er einen Fehler begangen hat, und weigert sich, den Wahnsinn dieses Tötungsprogramms zu beenden.

Daher blieb Sea Shepherd Australien keine andere Wahl, als die westaustralische Regierung und Colin Barnett vor dem Obersten Gerichtshof Westaustraliens zu verklagen, um so eine gerichtliche Überprüfung der systematischen Tötung der Haie zu erreichen.

Dr. Sharon Burden, die Mutter von Kyle Burden, der 2011 mit seinem Wellenbrett vor Bunker Bay von einem Weißen Hai angefallen und getötet wurde, schließt sich Sea Shepherd als Beschwerdeführerin an.

Der Hauptanwalt des gemeinnützigen Umweltschutzbüros Westaustraliens (Environmental Defenders Office of Western Australia, kurz: EDOWA), Patrick Pearlman, sowie der berühmte Rechtsanwalt Richard Hooker werden Dr. Burden und Sea Shepherd Australien vertreten.

Basierend auf einem einstweiligen Unterlassungsanspruch haben Sea Shepherd Australien und Dr. Sharon Burden einen Eilantrag auf gerichtliche Überprüfung der Entscheidungen und/oder der Ausführung des laufenden Tötungsprogramms der Regierung des Bundesstaats Westaustralien gestellt und eingereicht.

Wir beantragen eine einstweilige Verfügung zur umgehenden Entfernung der Drumlines, da unserer Ansicht nach die Umsetzung des Tötungsprogramms für die Haie gerichtlich überprüft werden muss.

Sea Shepherd Australien ist davon überzeugt, dass die Ausschreibung des Tötungsprogramms für Haie rechtswidrig erfolgte, dass die Regierung von Westaustralien unrechtmäßig handelte, und dass die Gefangenname und Tötung von geschützten Tieren illegal ist. Das bestehende Gesetz bedingt, dass ein Prozess vorhanden ist, der den Schutz dieser Tiere gewährleistet - und dieser Prozess wurde unterwandert.

Als das Drumline-Programm bekannt gegeben wurde, sagte Dr. Sharon Burden: “Ich würde eine juristische Anfechtung begrüßen, bei der die Barnett-Regierung Beweise vorlegen muss, die ihre Entscheidung unterstützen. Ich denke, wir alle würden davon profitieren, wenn es ein unabhängiges Forum gäbe, in dem es nur um Fakten und nicht um Politik geht.”

Jeff Hansen und Dr. Sharon Burden an der Gedenkstätte für Kyle Foto: Sharon BurdenJeff Hansen und Dr. Sharon Burden an der Gedenkstätte für Kyle Foto: Sharon BurdenIn einer kürzlich bei einer Versammlung vor dem westaustralischen Parlamentsgebäude gehaltenen Rede sagte Dr. Burden: “In den Sanddünen von Bunker Bay, in direkter Umgebung der Stelle, wo Kyle getötet wurde, steht eine Skulptur. Diese Skulptur haben wir dort nicht als Erinnerung an Kyles Tod errichtet, sondern als Erinnerung für andere, die Schönheit der Bucht, sowie die Freude am Surfen zu würdigen, und vor allem um die Notwendigkeit zu verdeutlichen, alles in der Natur zu schützen, auch wenn wir einiges davon manchmal als selbstverständlich erachten. Für mich war dies immer ein Platz des Friedens und der Geborgenheit. Und wenn ich heute dort sitze und nachdenke, kann ich klar und deutlich die Bojen der Drumlines direkt vor der Küste sehen. Und das stört mich gewaltig.”

Es ist keine Frage, ob Haie nun wichtiger sind als Menschen. Es geht vielmehr um das Verständnis, dass Haie unsere Ozeane erhalten, dass Ozeane unsere Lebenserhaltungssysteme sind, und dass wir auf diese angewiesen sind. Unsere Kinder benötigen intakte Ozeane. Haie können auf diesem Planeten ohne uns leben, aber wir können auf diesem Planeten nicht ohne sie leben.

Seit vielen Jahrzehnten beschützt Sea Shepherd Haie, und seit dem Jahr 2000 unterstützt Sea Shepherd die Behörden auf den Galapagos-Inseln bei ihren Bemühungen, das illegale Wildern von Haien innerhalb des Galapagos Marine Reservats auszumerzen. Im Rahmen unserer weltweiten Mission, die Biodiversität in unseren Ozeanen für unsere zukünftigen Generationen zu schützen, sorgt Sea Shepherd für die Einhaltung der Gesetze. Aus diesem Grund stellen wir die Rechtmäßigkeit des Tötungsprogramms der Barnett Regierung infrage, und das ist auch der Grund, warum wir uns so aktiv daran beteiligen, gegen das Töten der Haie in Westaustralien vorzugehen.

Die folgenden Punkte fassen detailliert die Probleme mit dem westaustralischen Tötungsprogramm zusammen und stellen die Gründe für die weltweite Entrüstung darüber dar:

  • Der 2012 veröffentlichte westaustralische Fischereibericht der Bond Universität empfiehlt ausdrücklich nicht den Einsatz von Drumlines und Netzen als Abhilfemaßnahme gegen Haiunfälle in Westaustralien, da diese keine Garantie dafür sind, dass die Strände wirklich frei von Haien sind, die von Größe und Spezies her eine Gefahr für Menschen darstellen.

  • Ein Untersuchungsbericht, der sogenannte Shark Correlation Report, der westaustralischen Fischereibehörde von November 2012 führt auf, dass die meisten Angriffe von Weißen Haien in tieferen Gewässern vor der Küste stattfinden. Nur einer der 26 Haiangriffe in Westaustralien fand in weniger als 30 Meter Entfernung vom Strand statt. Der weitaus größte Teil der Attacken fand mehr als einen Kilometer von der Küste entfernt statt, wobei Taucher und Schnorchler mit 44% den größten Anteil an Unfällen hatten, gefolgt von Surfern und Kajakfahrern (37%).

  • Jüngste Umfragen haben gezeigt, dass zwischen 85% und 90% der Australier gegen das Hai-Tötungsprogramm der westaustralischen Regierung sind.

  • Die Nutzung von großen Haken hat nicht dazu geführt, dass weniger der kleineren Haie gefangen werden. Das betrifft auch die gesetzlich geschützten Makohaie.

  • Die Behandlung von lebend gefangenen kleinen Haien, sowie die Bedingungen, unter denen sie wieder freigelassen werden, lassen ihnen kaum Überlebenschancen. Legt man die aktuellen Tötungszahlen zugrunde, werden bis zum Ende des Programms ca. 140 Tigerhaie getötet - weit mehr, als die ursprünglich vom westaustralischen Fischereiministerium in einer Risikoanalyse geschätzten 10 - 20. Das wird eine signifikante Auswirkung auf die Population des potenziell gefährdeten Tigerhais haben.

  • Sowohl das Fischereiministerium als auch Colin Barnett geben zu, dass ihre Drumlines die Haie näher an beliebte Strände und Surfpunkte ziehen. Aus diesem Grund hatten sie die Drumlines für den jährlichen Schwimmwettbewerb Rottnest Channel Swim entfernt. Haie, die in den Drumlines gefangen wurden, ziehen weitere Haie an. Das kann dadurch bewiesen werden, dass an den gefangenen und aus dem Wasser gezogenen Tieren große Teile durch noch größere Haie herausgebissen wurden. Einige gestresste Haie erbrechen sich ca. einen Kilometer entfernt von unseren beliebten Schwimm- und Surfstränden - dieser Mageninhalt enthält eine ölige Substanz, die im Wasser wiederum weitere, größere Haie anzieht.

  • Eine vor kurzem erschienene Studie von Professor Jessica Meeuwig über die Wirksamkeit des Drumline-Programms von Queensland kam zu dem Ergebnis, dass Todesfälle, die mit Haien in Verbindung stehen, sowohl im Bereich mit Drumlines, als auch im Bereich ohne Drumlines zurückgegangen sind. Der größte Rückgang wurde jedoch verzeichnet, bevor man die Drumlines anbrachte. Die ökologischen Kosten der Drumlines sind hoch, denn 97% der seit 2001 gefangenen Haie waren auf die eine oder andere Art bedroht, wobei 89% der Fänge in Gebieten stattfanden, in denen es noch nie zu Todesfällen kam.

  • Es existieren durchaus wirksame Methoden, z.B. das Markieren und die weitere Erforschung von Haien, um sowohl unsere Strände mittel- bis langfristig sicherer zu machen, als auch um das Risiko zu minimieren.

  • Weltweit rufen Wissenschaftler nach weiterführender Forschung an Weißen Haien auf. Einhundert Experten auf dem Gebiet der Haie und Wissenschaftler wandten sich in einem offenen Brief an die westaustralische Regierung und erklärten, dass dieses Drumline-Programm nicht funktionieren wird.

  • Es gibt unzählige Möglichkeiten im Bereich des Ökotourismus in Verbindung mit Weißen Haien, wie sie z.B. zurzeit auch in Ländern wie Südafrika praktiziert werden.

  • Der Weiße Hai gehört zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) gelistet, und durch australische Umweltschutzgesetze gesetzlich geschützt ist. Er ist außerdem ein Spitzenprädator, der extrem wichtig für die Gesundheit unserer Ozeane ist.

  • Weltweit wurden die Haipopulationen durch Überfischung an einigen Stellen um mehr als 90% ausgerottet.

  • Haie erhalten die Gesundheit unseres kostbaren Meeresökosystems, welches wiederum uns Menschen den größten Teil unseres Sauerstoffs zur Verfügung stellt, den wir zum Atmen benötigen.

  • Laut der westaustralischen Fischereibehörde ist das Vorhandensein von Haien vor der westaustralischen Küste ein Zeichen für ein gesundes Meeresökosystem.

  • Die Weltöffentlichkeit verurteilt die Tötung der Haie durch die westaustralische Regierung.



Antrag auf eine gerichtliche Überprüfung

Vorladung zur Anhörung beim Obersten Gerichtshof

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