Das Schlauchboot der Sam Simon wurde auf den Shetlandinseln beschlagnahmt. Foto: Sea ShepherdMittwoch, 2. September 2015 Färöischer Rechtsberater stellt Grindwalfanggesetz in Frage

Gestern haben die Behörden der Shetlandinseln (Schottland) ein Schlauchboot des
Sea Shepherd-Schiffs „Sam Simon“ beschlagnahmt. Die Beschlagnahmung erfolgte auf
Grund einer Forderung Dänemarks, als Reaktion auf einen Brief des färöischen Polizeichefs
vom 22. August, der eben diese Bitte äußerte.

Der Vollstreckungsbefehl für die Beschlagnahmung wurde dem Kapitän und Schiffsmanager der „Sam Simon“ vorgelegt, welcher zum Auftanken auf den Shetlandinseln war. Im Vollstreckungsschreiben behaupten die Behörden, „es lägen hinreichende Gründe für den Verdacht vor, dass eine Straftat unter dänischem Gesetz begangen wurde.“

Offenbar bezieht sich die Beschlagnahmung auf die Beteiligung des Schlauchboots bei der Verteidigung von 61 Grindwalen am 12. August beim Grindadráp am Tötungsstrand von Sandavágur auf den Färöern.

Das Schlauchboot befindet sich nun bei der Polizei auf den Shetlandinseln. Sea Shepherd holt sich weitere rechtliche Beratung zu dieser Angelegenheit.

Geschäftsführer von Sea Shepherd Global, Captain Alex Cornelissen, sagte dazu: „Einerseits weigert sich die Regierung von Dänemark, die bestehenden EU-Gesetze zum Schutz von Walen einzuhalten, und andererseits nutzt Dänemark seine Stellung in der EU und dadurch erhaltene Mittel aus, um Sea Shepherds Stimme gegen das Grindadráp zum Schweigen zu bringen. Dänemarks anhaltende Unterstützung der Abschlachtung von Grindwalen auf den Färöern ist eine Schande für die ganze Nation.“

Die Beschlagnahmung des Schlauchboots ist eine Folge der legalen Anfechtung des färöischen Grindwalfanggesetzes namens „Grindalógin“.
Henrik Weihe Joensen, färöischer Rechtsberater, ehemaliger Polizist und Berater in puncto Sicherheit, Verteidigung, Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr, hat Strafanzeige gegen das färöische Ministerium für Fischerei und maritime Angelegenheiten erstattet. Die Anzeige stellt die Rechtmäßigkeit des Grindwalfanggesetzes in Frage.

In einem Statement vom 20. August sagte Joensen, dass das Grindwalfanggesetz „ungültig“ sei, weil das färöische Parlament nicht die rechtliche Befugnis habe, neue Gesetze zu verabschieden, welche polizeiliche Aktionen „gegen Personen oder Objekte betreffen“.

Wenn das Walfanggesetz für ungültig erklärt wird, geht Joensen davon aus, dass dies einen großen Einfluss auf die Klagen haben wird, die bereits gegen Sea Shepherd vorgebracht wurden und auch die Beziehung zwischen Dänemark und den Färöern beeinflussen wird.

Das Grindwalfanggesetz wurde bereits als Grundlage für die Verhaftungen von 14 Sea Shepherd-Freiwilligen auf den Färöern in diesem Jahr genutzt. Fünf von ihnen wurden schon des Landes verwiesen.

Die Freiwilligen Rudy de Kieviet aus den Niederlanden, Lawrie Thomson aus Großbritannien, Tobias Böhm aus Deutschland, Alice Bodin aus Italien und Frances Holtman aus den USA sind angeklagt, das gleiche Massaker am 12. August in Sandavágur gestört zu haben.

Das Abschlachten von Walen ist durch die EU, der auch Dänemark angehört, laut Anhang II der Berner Konvention verboten.

Trotzdem geht auf den Färöern das Abschlachten von Grindwalen und anderen kleinen Walarten mit Hilfe der dänischen Polizei und Marine, sowie dem Segen der dänischen Regierung weiter.

Allein in diesem Jahr wurden 490 Grindwale auf den Färöern mit der Deckung Dänemarks abgeschlachtet.

„Sea Shepherd hat sowohl das legale Recht als auch die moralische Verpflichtung, die Grindwale, die an den Färöern vorbeiziehen, zu schützen, und das ist genau das, was wir weiterhin tun werden“, sagte Captain Cornelissen.

Sea Shepherd stellt sich seit den frühen 1980er Jahren in einer führenden Rolle gegen das Grindadráp und ist zurzeit auf den Färöern im Rahmen von Operation Sleppid Grindini, seiner sechsten Kampagne zum Schutz der Grindwale, vor Ort.


   Die Polizei übergibt den Vollstreckungsbefehl für die Beschlagnahmung des Schlauchboots an den Kapitän und Schiffsmanager der Sam Simon. Foto: Iraultza Darias   Die Sam Simon in Lerwick. Foto: Iraultza Darias


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