Foto: Juan Carlos Balda12. November 2014
Am letzten Wochenende wurde ein wichtiger Meilenstein für den Schutz der Haie erreicht. Am Sonntag, dem 9. November 2014, wurde eine Reihe von Haiarten endgültig unter den Schutz der Bonner Konvention (engl. Abkürzung CMS) gestellt – somit unter den Schutz des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten, getragen vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). Die neu unter Schutz gestellten Haiarten umfassen alle drei Arten der Fuchshaie (genus alopias), den Glatthai (Carcharhinus falciformis) sowie den Großen und den Gekerbten Hammerhai (Sphyrna mokarran und Sphyrna lewini).

Der Schutzstatus dieser Arten wurde auf der 11. CMS-Vertragsstaatenkonferenz (CoP11) in Quito, Ecuador, festgeschrieben. Auf der Vertragsstaatenkonferenz werden notwendige globale Maßnahmen diskutiert, um den Erhaltungsstatus wandernder wild lebender Arten zu verbessern.

Wandernde Haie stehen im Visier zielgerichteter Fischerei, vor allem wegen ihres Fleisches und ihrer Flossen – aber auch wegen ihres Knorpels, ihrer Leber und ihrer Haut. Diese wichtigen Spitzenprädatoren fallen darüber hinaus auch als ungewollter Beifang der Fischerei zum Opfer. Der Rückgang der Haie in den Weltmeeren ist inzwischen anerkannte Realität, die von der Bonner Konvention bestätigt und als alarmierend bezeichnet wurde. Haie, Rochen und Sägefische machen 21 der insgesamt 31 bestätigten Vorschläge für Neuaufnahmen in die CMS-Anhänge geschützter Arten aus.

Diese neuen Umweltschutzmaßnahmen sind ein wichtiger rechtlicher Schritt, der den jüngsten wissenschaftlichen Studien folgt, die ein düsteres Zukunfts-Szenario für die Haie aufzeigen. Nach einem im Januar 2014 veröffentlichten Gutachten der sogenannten Spezialistengruppe für Haie (SSG) der Weltnaturschutzunion (IUCN) sind rund ein Viertel der mehr als 1.000 Hai- und Rochenarten bedroht. Mehr noch – eine Studie aus dem Jahr 2013 unter dem Titel „Globale Fangzahlen, Bewirtschaftungsraten und Optionen zur Erholung von Haipopulationen“ geht davon aus, dass zwischen 63 und gigantischen 273 Millionen Haie weltweit jedes Jahr getötet werden. Ein Bericht aus dem Jahr 2006 geht von geschätzten 26 bis 73 Millionen Haien aus, die jedes Jahr getötet werden, nur um den globalen Markt mit Haiflossen zu versorgen. All diese Daten sind in einer offiziellen CMS-Resolution zusammengestellt. Der alarmierende Rückgang der Haipopulationen, seit Langem eine ernste Sorge von Umweltaktivisten, wurde von der Welt der Wissenschaft inzwischen anerkannt – und ist nun auch durch internationales Recht bestätigt.

Foto: Nicolas VeraDie jetzt unter Schutz gestellten Haiarten werden im CMS-Anhang II geführt als „wandernde Arten mit ungünstigen Erhaltungsstatus, für die Regional- bzw. Verwaltungsabkommen geschlossen werden sollen.“ Das bedeutet, dass die betreffenden Arealstaaten miteinander u.a. zu Schutz, Erhaltung und Wiederherstellung von Lebensräumen in den Wanderungsgebieten kooperieren und ebenso Aktivitäten oder Hindernisse beseitigen, die die natürliche Wanderung erschweren oder verhindern.

Obwohl dieser Schutzstatus globale Ausmaße hat, so ist die Aufnahme der Arten in den CMS-Anhang insbesondere für bestimmte Gebiete, wie das Galapagos Meeresschutzgebiet, von besonderer Bedeutung – dort, wo der Hammerhai das ureigene Symbol dieses UNESCO Weltnaturerbes ist. Der langjährige Bewohner der Galapagosinseln und derzeitiger Einsatzleiter von Sea Shepherd Galapagos, Godfrey Merlen, sagte dazu: „Es sind nur wenige Gebiete auf der Erde verblieben, wo die Haipopulationen überall immer noch so stark sind wie vor 100 Jahren. Das Galapagos Meeresschutzgebiet ist sicher eines dieser letzten Gebiete, wo Haie immer noch ihre lebenswichtige Rolle als Spitzenprädator in einem marinen Ökosystem spielen können. Das Überleben dieser Haie zu sichern, wird dabei helfen, ökologische Stabilität in einem Gebiet zu schaffen, das für seine einzigartige Meerestierwelt berühmt ist.“

Die Regelungen der Bonner Konvention werden nicht nur die internationale Koordinierung zur Erhaltung von Lebensräumen wandernder Haie ermöglichen – so in benachbarten Gebieten der Galapagosinseln und der Cocos-Inseln in Costa Rica – sondern auch wichtige Möglichkeiten zur verstärkten Rechtsdurchsetzung in die Hand geben. Hugo Echeverria, Leiter von Sea Shepherds Umweltrechtsprojekt auf Galapagos, sagte dazu: „CMS wird Richtlinien zur Anwendung des Umweltrechts innerhalb des Galapagos Meeresschutzgebietes zur Verfügung stellen – einschließlich des kürzlich angepassten Strafgesetzbuches von Ecuador, das illegale Fischerei auf Arten, die über internationale Abkommen, wie CMS, geschützt sind, unter Strafe stellt. Auf Galapagos sind Haie komplett geschützt – durch Gesetze und Vorschriften.“

Die Bonner Konvention ist ein internationales Übereinkommen, das darauf hinzielt, die Tierwelt auf ihren Wanderungsrouten zu erhalten. Bis heute sind 120 Staaten diesem 1979 gegründeten Abkommen beigetreten. Unter den durch das Abkommen geschützten Meerstieren sind Haie, Wale, Rochen und andere wandernde marine Arten geführt.

Auf der folgenden Seite erfährst du mehr über die Bonner Konvention (CMS): Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals

Weitere englischsprachige Web-Links:

IUCN - A quarter of sharks and rays threatened with extinction

Governments Commit to Step up Action for Migratory Animals at UN Wildlife Conference

Convention Text

Foto: Nicolas Vera Foto: Nicolas Vera


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