Im Norden der Insel patrouillierten Sea Shepherd Freiwillige nachts im Nistgebiet, um die Meeresschildkröten vor Wilderern zu schützen. Foto: Sea Shepherd23. Oktober 2014
Am 16. Juni 2014 rief die Sea Shepherd Conservation Society Bay Islands (Sea Shepherd Gruppe der Inselkette Islas de la Bahía) zusammen mit der Bay Islands Conservation Association (BICA) ein Projekt zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Echten Karettschildkröten auf der Karibikinsel Utila, nördlich von Honduras, ins Leben. Einmal im Jahr suchen die Echten Karettschildkröten diese kleine und ansonsten unbedeutende Insel auf.

Nach Schätzungen gibt es auf der ganzen Welt nur noch 8.000 weibliche Echte Karettschildkröten, weshalb diese besonders anfällige Population größte Fürsorge und Beobachtung erfordert. Sea Shepherd Bay Islands ist in der ganz besonderen Situation, für den Schutz eines nicht unerheblichen Anteils der weltweiten Population von weiblichen nistenden Karettschildkröten verantwortlich zu sein. Mindestens 14 gekennzeichnete und vier nicht gekennzeichnete Weibchen, die auf Privatgrundstücken in Utila nisten, konnten dokumentiert werden.

Obwohl die Karettschildkröten der BICA, der örtlichen Gemeindeverwaltung – vertreten durch Troy Bodden – und der Regierung von Honduras sehr am Herzen liegen, können sie nicht viele Maßnahmen zum Schutz dieser Tiere ergreifen, da in jeder Hinsicht die dringend benötigten Geldmittel fehlen. Es ist keine Übertreibung, wenn man behauptet, dass Sea Shepherd Bay Islands an vorderster Front für das Überleben der Karettschildkröten auf Utila kämpft.

In der Zeit vor dieser Kampagne waren die Meeresschildkröten schon bei der Ankunft am Strand mit den Wilderern konfrontiert, die nur auf die Gelegenheit warteten, die Gelege der Schildkröten zu plündern, um die Eier vorgetäuscht als Aphrodisiakum oder potenzsteigerndes Mittel zu verkaufen, und die Schildkröten dann wegen ihres Fleisches und ihres Panzers zu schlachten. Aber weil nun während der dreimonatigen Nistzeit kontinuierlich Freiwillige an den Stränden patrouillierten, fiel den Wilderern kein einziges Gelege und nicht eine Meeresschildkröte mehr zum Opfer.

Wenn man bedenkt, dass eine Karettschildkröte zwei bis drei Mal in einer Nistsaison bis zu 200 Eier pro Nest ablegt, hat Sea Shepherd Bay Islands ungefähr 4.000 dieser Eier geschützt. Nachweislich 3.600 Jungtiere haben damit eine Chance, ihr Leben nun im Meer zu verbringen, ohne der Bedrohung ausgesetzt zu sein, den Wilderern zum Opfer zu fallen. Leider stehen die Überlebenschancen für die winzigen Schildkröten-Jungtiere nicht sehr gut. Es ist eine ziemlich ernüchternde Tatsache, dass nur eines von 1.000 Jungtieren die Brutreife erleben wird und seinen Beitrag für das Fortbestehen dieser Spezies leisten kann.

Echte Karettschildkröten legen bis zu 200 Eier pro Nest Foto: Sea Shepherd Nur eines von 1.000 Jungen wird die Brutreife erleben Foto: Sea Shepherd

Meeresschildkröten werden nicht nur Opfer des Beifangs durch kommerzielle Fischerei und verfangen sich in Netzen oder Angelhaken, sie sind auch bedroht durch Wilderei sowie durch den illegalen Handel mit ihren wertvollen Eiern, ihrem Fleisch und ihrem Panzer. Es ist traurig, dass ihr Fleisch und ihre Eier immer noch zur traditionellen karibischen Küche gehören, obwohl deren Verwendung von der honduranischen Regierung für illegal erklärt wurde. Leider aber hat die - nun als illegal deklarierte - Wilderei auf Meeresschildkröten den nicht beabsichtigten Nebeneffekt der Schaffung einer erhöhten Nachfrage auf dem Schwarzmarkt. Durch den vergleichsweise dünnen Panzer ist das Risiko, Raubtieren zum Opfer zu fallen, insbesondere für die Karettschildkröten ungleich höher; außerdem ist der Panzer in der ganzen Karibik für die Schmuckherstellung sehr begehrt.

Anders, als auf den Nachbarinseln, wo eine zügellose und unbedachte kommerzielle Erschließung stattfand, sind die meisten Nistgebiete der Insel Utila immer noch so gut wie unberührt. Die weiblichen Tiere kehren zur Eiablage alle zwei bis drei Jahre zielsicher und unbeirrbar an ihren eigenen Geburtsstrand zurück. Um dieser Spezies eine Überlebenschance zu sichern, ist es daher von äußerster Wichtigkeit, diese Lebensräume weiterhin zu schützen.

Um die Meeresschildkröten vor Wilderern zu schützen, patrouillierten Sea Shepherd Freiwillige nachst an den nördlichen Stränden der Insel, suchten die Nistgebiete auf Aktivitäten von Schildkröten ab und verwischten deren Spuren zu den Nestern, die sie auf ihrem Weg entdeckten. Anfangs warteten die Wilderer bis die Gebiete unbeobachtet waren, um an die Nester heranzukommen. Zum Pech der Wilderer blieben die Freiwilligen jedoch stets die Nacht hindurch bis Sonnenaufgang und warteten, bis alle Schildkröten mit der Eiablage fertig waren. Dann verwischten sie die Spuren, die zu den Nestern führten. Die Anzahl der Wilderer wurde schon nach dem ersten Monat der Kampagne zum Schutz der Meeresschildkröten geringer.

Wilderer wollen keine Verhaftung riskieren. Die Freiwilligen waren mit der örtlichen Polizei von Utila, der Nationalpolizei von Honduras und dem nahegelegenen Marinestützpunkt von Honduras in ständigem Kontakt, falls es auf den Patrouillen zu Zwischenfällen kam.

Obwohl die nächtlichen Strandpatrouillen zur Suche nach nistenden Meeresschildkröten offiziell Mitte September beendet waren, blieben die Freiwilligen bis zum Ende des Monats vor Ort, um die Nester so lange zu beschützen, bis alle Tiere geschlüpft waren und unversehrt den Ozean erreicht hatten.

Sea Shepherd Bay Islands rekrutierte und mobilisierte während dieser Kampagne mehr als 150 Freiwillige zum Schutz der Echten Karettschildkröten. Die Sicherheit dieser gefährdeten Tiere und ihrer Jungen hätte ohne die finanzielle und organisatorische Hilfe durch Sea Shepherd USA nicht gewährleistet werden können.

Ungefähr 4.000 Eier der Echten Karettschildkröte wurden dank der Strandpatrouillen durch die Freiwilligen geschützt. Nachweislich 3.600 Jungtiere haben damit eine Chance, ihr Leben nun im Meer zu verbringen, ohne der Bedrohung ausgesetzt zu sein, den Wilderern zum Opfer zu fallen. Foto: Sea Shepherd


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