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Samstag, 11. April 2020:

Sea Shepherds Captain Alistair Allan von der SAM SIMON berichtet über das tägliche Leben an Bord während des COVID-19-Lockdowns im Hafen von La Rochelle, Frankreich.

Die einst lebhafte und geschäftige Stadt La Rochelle ist in den letzten Wochen verstummt. Auch wenn der Liegeplatz der SAM SIMON etwas außerhalb der Stadt liegt, kann man immer noch sehen, wie sehr das Leben hier durch Abriegelung und Isolation zum Stillstand gekommen ist. Das gilt natürlich nicht nur für La Rochelle, sondern für ganz Frankreich, ebenso wie für viele andere Teile Europas und der Welt. Ich hoffe, dass jeder tut, was er kann, um in dieser beispiellosen Zeit von COVID-19 aufeinander aufzupassen. Die 16-köpfige Besatzung der SAM SIMON und ich versuchen, unseren Teil zum Abflachen der Kurve beizutragen, indem wir auf Anraten des medizinischen Teams von Sea Shepherd mindestens 14 Tage lang unter strenger Selbstquarantäne stehen. Seltsamerweise unterscheidet sich diese Situation nicht sehr von der Fahrt auf See. Der einzige Unterschied besteht natürlich darin, dass wir am Dock festgemacht sind.

In den vielen Jahren, die ich auf den Schiffen verbracht habe, habe ich auf See einige tägliche Rituale entwickelt. Eines davon ist, morgens auf dem Brückendeck zu stehen und auf den bewegten Ozean zu starren. Der Blick auf den weiten Horizont kann ein Moment der Ruhe und der Freude sein. Deshalb habe ich heute, an einem sonnigen Morgen in La Rochelle, dasselbe getan. Vor dem Bug der SAM SIMON befindet sich heute aber anstelle des wogenden Meeres eine massive und hoch aufragende Ruine einer verlassenen deutschen U-Boot-Basis und einer Schleuse aus dem Zweiten Weltkrieg, die glücklicherweise schon lange stillgelegt sind. Und statt des leisen Flüsterns des Wulstbugs der SAM, wenn er die Wellen durchpflügt, höre ich heute auf dem Brückendeck den hallenden Lärm unserer Hämmer, Schleifer und Druckluftnagler aus diesen höhlenartigen U-Boot-Bunkern. In diesem nun ruhigen Hafen ist es das einzige Geräusch und es ist Musik in meinen Ohren.

Captain Alistair Allan. Foto: Tara Lambourne/Sea Shepherd.

Die SAM SIMON ist ein Schiff, das mir sehr am Herzen liegt. Die SAM wurde von der japanischen Regierung gekauft und heimlich in Australien umgerüstet, bevor sie im Rahmen der OPERATION ZERO TOLERANCE gegen die illegale Walfangflotte in der Antarktis eingesetzt wurde. Ich war während dieser Kampagne Besatzungsmitglied auf der SAM und habe viele der darauffolgenden Jahre an Bord verbracht.

Captain Alistair Allan

Seit 2016 dient die SAM SIMON einem anderen Zweck; sie ist ständig auf den Weltmeeren unterwegs und beteiligt sich an einer Vielzahl von Kampagnen. Sie überquerte den Atlantik Richtung Mexiko, um die vom Aussterben bedrohten Golftümmler zu schützen und trotzte den eisigen Winterstürmen in der Biskaya, um auf das Massentöten von Delfinen als Beifang aufmerksam zu machen. Die SAM SIMON kreuzte aber ebenso im Mittelmeer, um Lockbojen und illegale Stellnetze zu entfernen und stellte sich schließlich den Wilderern auf diversen Patrouillen zur Bekämpfung des illegalen Fischfangs in den heißen und feuchten Gegenden um Liberia und Gambia.

 Die Crew der SAM SIMON führt notwendige Wartungsarbeiten durch, während das Schiff im Hafen liegt.  Foto: Thomas Le Coz/Sea Shepherd

Diese Fähigkeit, fast ständig in Bewegung zu sein, Kampagnen zu führen und unsere Mandanten, die Wale, Haie, Delfine, Schildkröten und Fische, zu verteidigen, ist nur dank der enormen Unterstützung durch die Öffentlichkeit möglich. Sea Shepherd, die Crew der SAM SIMON und ich möchten den Menschen danken, die durch Spenden dabei helfen, unsere Schiffe auf hoher See am Laufen zu halten.

 Die Crew der SAM SIMON führt notwendige Wartungsarbeiten durch, während das Schiff im Hafen liegt.  Foto: Thomas Le Coz/Sea Shepherd

Was man jedoch nicht sieht, ist der Tribut, den die Zeit auf See von unserem Schiff fordert. Wenn wir ständig auf den Weltmeeren unterwegs sind, um die Meeresfauna und -flora zu verteidigen, werden nur die vorrangigen Aufgaben erledigt, die für die Sicherheit des Schiffes und den Einsatz während der Kampagne wichtig sind. Die kleineren Aufgaben werden hinten angestellt. Aber je länger diese kleinen Aufgaben warten müssen, desto mehr Beachtung brauchen sie im Laufe der Zeit. Jetzt, da meine Crew und ich auf unbestimmte Dauer mit strenger Selbstquarantäne konfrontiert sind, ist die Zeit reif, unser Schiff für all die Jahre harter Arbeit zu entschädigen und der SAM SIMON ein schönes und liebevolles Wellnessprogramm zu bieten. Wir müssen Rost abschleifen und von den Aufbauten bis zum Rumpf alte Farbe entfernen und neue Farbe aufbringen, Maschinen müssen gewartet und gereinigt, Rohre geschweißt und ersetzt werden. Es ist eine große Aufgabe, ein Schiff zu warten, und es braucht Zeit.

samlock4

Während viele Menschen ihre Alltagsroutinen anpassen oder sogar ihren Arbeitsplatz verlassen mussten, hat sich für uns nicht viel verändert, unsere Arbeit geht weiter. Dies ist eine willkommene Ruhepause für unser Schiff und wenn es wieder losgeht – wann immer das sein wird – wird es sich wieder in einem Top-Zustand befinden. Bis dahin bleibt gesund und sicher zu Hause. Inzwischen werden wir dafür sorgen, dass die SAM SIMON wieder in ihrem alten Glanz erstrahlt.



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