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Die Crew dokumentiert jedes überwachte Stellnetz. Foto: Sea ShepherdIm Rahmen der PERKUNAS-Kampagne hat Sea Shepherd Deutschland zwischen April und Juni mehrere Schutzgebiete in der Ostsee patrouilliert. Die Besatzung der EMANUEL BRONNER überwachte Fischereiausrüstung mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV), um die größte Bedrohung für die vom Aussterben bedrohten Schweinswale aufzudecken: als Beifang in Stellnetzen zu verenden. Obwohl während der Überwachung durch Sea Shepherd nicht entdeckt, wurden 2018 mindestens zwei Ostsee-Schweinswale als Beifang bestätigt. Allein an der polnischen Küste wurden im Juni innerhalb eines kurzen Zeitraums zehn Schweinswale tot aufgefunden. Bei einigen von ihnen hatte man versucht, die Todesursache durch Beifang zu vertuschen, zum Beispiel durch Aufschneiden des Körpers.

Mit nur noch 500 lebenden Tieren bleibt der Schweinswalpopulation in der Ostsee nicht mehr viel Zeit. Seit Jahrzehnten sind sich die Wissenschaftler einig, dass Stellnetze aufgrund des hohen Beifangrisikos die größte Bedrohung für die Schweinswale in der Ostsee darstellen. Dennoch ist dieses Fanggerät auch in Meeresschutzgebieten erlaubt. Bereits 1992 hat die EU Schutzgesetze, die so genannte Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, erlassen, um ein Netz von Schutzgebieten in europäischen Gewässern zu schaffen (Natura 2000). Aufgrund der EU-Richtlinie hätten die Schutzmaßnahmen in diesen Bereichen von dem betreffenden Mitgliedstaat umgesetzt werden müssen – was nie geschehen ist. Mehrere Staaten mussten Geldstrafen für die Nichteinhaltung der Richtlinie zahlen, und die EU gab den Mitgliedstaaten die Schuld an den unzureichenden Naturschutzgesetzen.

Im Juni 2018 änderte sich durch ein Urteil des EU-Gerichtshofs (Rechtssache C-683/16) alles. Mehrere deutsche Natur- und Umweltschutzverbände versuchten, ein Fangverbot in deutschen Meeresschutzgebieten zu erreichen, doch die Forderung wurde abgelehnt. Da ein Verbot auch die Fischer anderer EU-Staaten betreffen würde, wäre es, wenn überhaupt, Sache der EU. Nach Jahren des Versuchs, ein Fischereiverbot auf staatlicher Ebene zur Umsetzung des EU-Naturschutzgesetzes zu erreichen, behauptet die EU nun, dass das Verbot nicht mit anderen EU-Rechtsvorschriften vereinbar ist.

Wieder einmal ist das Interesse am Gewinn höher als das Interesse am Naturschutz. Aber es gibt keine Gewinner in dieser Situation: Die Stellnetzfischerei ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Sie bringt einfach nicht mehr genug Gewinn, weil die Artenvielfalt in der Ostsee durch den Menschen abnimmt. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, was früher aussterben wird – die Ostsee-Schweinswale oder die
Stellnetzfischerei? Wenn dieses Spiel der Abwälzung von Verantwortung auf andere Institutionen in den nächsten zehn Jahren so weitergeht, werden die Verlierer die Schweinswale sein.

Die Crew der EMANUEL BRONNER  Foto: Sea Shepherd
Im Golf von Kalifornien (Mexiko) ist eine ähnliche Situation bereits eingetreten. Der Golftümmler, ein Verwandter der Ostsee-Schweinswale, wurde 1996, bei einer Anzahl von 600 verbliebenen Tieren, als vom Aussterben bedroht eingestuft. Die Wissenschaftler waren sich damals einig, dass die einzige Lösung darin besteht, die Stellnetzfischerei im Lebensraum der Golftümmler vollständig zu unterbinden. Es wurde jedoch nur darüber geredet, bis im Jahr 2015 ein vorübergehendes Fangverbot durch Stellnetze eingeführt wurde. Im Juni 2017 wurde ein dauerhaftes Verbot von Stellnetzen erlassen, aber bis 2018 sank die Population der Golftümmler auf weniger als 30 Individuen und damit ist der Golftümmler der am stärksten gefährdete Meeressäuger auf dem Planeten.

In nur 22 Jahren ging die Golftümmler-Population um 95% zurück, da die Politiker Zeit mit Reden und Nichtstun vergeudeten. Die Ostsee-Schweinswale wurden 2008, vor 10 Jahren, als vom Aussterben bedroht erklärt. Die EU-Politiker müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden und Stellnetze und andere destruktive Fangmethoden in Natura-2000-Gebieten verbieten, die für den Schutz der Schweinswale der beiden Ostsee-Populationen bestimmt sind: der gefährdeten Beltsee-Population im westlichen Teil und der stark gefährdeten Ostsee-Population im östlichen Teil. Es kann keine Ausnahmen und keine Übergangslösungen geben. Die akustischen Vergrämungsgeräte (PAL), die Schweinswale vor Stellnetzen warnen sollen, führen nur zum Ausschluss der Schweinswale aus ihrem Lebensraum. Dies kann keine dauerhafte Lösung sein, und deshalb sollte für diesen Ansatz keine Zeit und kein Geld verschwendet werden. Wir sollten nicht wieder dieselben Fehler machen wie die mexikanische Regierung, nämlich zu lange zu warten, bevor wir die einzig wirkungsvolle Lösung umsetzen: das vollständige Verbot von Stellnetzen.

Werde aktiv und kontaktiere Entscheidungsträger!

Die Unterzeichnung von Petitionen führt nirgendwo hin, es wird nur mehr Zeit vergeuden, die diese Tiere mehr als alles andere brauchen – für sie ist jede Minute ohne Taten ein weiterer Schritt Richtung Aussterben. Die Bürger der EU-Mitgliedstaaten haben ihre politischen Entscheidungsträger gewählt, jetzt ist es an der Zeit, dass sie in unserem Willen handeln. Zum Abschluss der PERKUNAS-Kampagne 2018 brauchen wir deine Unterstützung. Schreibe den EU-Politikern mit der Forderung, Stellnetze und andere zerstörerische Fanggeräte in den Natura-2000-Gebieten zu verbieten. Sie sollen merken, dass wir viele sind und uns ernsthafte Sorgen machen. Zeige ihnen, dass wir das Erbe der EU, die einzigen einheimischen Wale in der Ostsee, bewahren wollen, wie sie es einst in ihren Naturschutzgesetzen geschrieben haben.

Dienststelle der EU-Kommission für maritime Angelegenheiten und Fischerei

Zu den Zielen der Abteilung gehören der Schutz der Meeresumwelt unter Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Umsetzung der neuen gemeinsamen Fischereipolitik, einschließlich der technischen Maßnahmen, wie, wo und wann Fischer fischen dürfen.

https://ec.europa.eu/fisheries/tools/feedback_en

Abteilung der EU-Kommission für Energie, Klimawandel und Umwelt

Zu den Zielen der Abteilung gehört der rechtliche Impuls für die EU, ihre Küsten, Meere und Ozeane im Rahmen einer integrierten Strategie zu schützen und zu säubern, die eine nachhaltige Nutzung und die Koordinierung des größten Schutzgebietsnetzes der Welt, der Natura 2000, ermöglicht.

http://ec.europa.eu/environment/contact/form_en.htm



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