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header 3 2 WMAnfang Juni wurden in der Danziger Bucht, Polen, fünf tote Kegelrobben gefunden. Sie alle wiesen mehrere schwere Verletzungen auf, die zweifellos durch vorsätzliche menschliche Einwirkungen verursacht wurden. Während die Crew der EMANUEL BRONNER diese Gebiete im Rahmen der PERKUNAS-Kampagne patrouillierte, gaben Aktivisten der örtlichen Robbenrettung einen Einblick in die Erzfeinde der Ostsee: Fischer und Robben.

Die kleine Stadt Hel in Polen ist ein beliebtes Reiseziel. Es ist nicht nur die Schönheit der gemütlichen Altstadt, die Tausende von Touristen anzieht, um dort ihren Urlaub zu verbringen, in Hel befindet sich auch eine Meeresstation, wo Besucher einen der natürlichen Bewohner der Ostsee beobachten können: Robben. Die Station wurde mit dem Ziel gegründet, den Bestand von Robbenarten in ihrem ehemaligen natürlichen Lebensraum, der Danziger Bucht, wiederherzustellen. Leider gab es trotz aller Bemühungen immer Widerstand der örtlichen Fischer, wodurch das Wachstum der Population gehemmt wird.

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Die Fischer machen die Robben für den Rückgang ihrer Fänge und damit für den Verlust ihrer Gewinne sowie für die Zerstörung ihrer Fischereiausrüstung verantwortlich. Sie behaupten, dass die Robben im Laufe der Jahre faul geworden sind. Statt in offenen Gewässern zu jagen, haben sie gelernt, wie man sich von Fischen ernährt, die in festen Netzen, wie zum Beispiel Stellnetzen, gefangen werden, ohne sich selbst darin zu verheddern. Tatsächlich gibt es zahlreiche Berichte über Fische in Netzen, die zweifellos durch Robben "beschädigt" wurden. Dafür gibt es aber einen einfachen Grund: Die Netze werden in Gebieten mit hoher Fischdichte eingesetzt. Es ist der natürliche Instinkt der Robben, dort zu jagen, wo es Fische gibt, was zu einer Konkurrenz zwischen den Fischern und den natürlichen Beutegreifern in diesen Gebieten führt. Die Reaktionen aufseiten der Fischer sind unterschiedlich. Einige sagen, sie würden einem Tier trotz ihrer Verärgerung nie verletzen, andere wünschen sich die Freigabe zur legalen Robbenjagd nach dem Vorbild von Schweden und Dänemark. Die Regierungen dieser Länder haben Ausnahmen von den bestehenden Naturschutzgesetzen gemacht, welche die Robben davor schützen sollen, vorsätzlich getötet zu werden. Unter dem Druck der Fischereiindustrie erteilte man im Jahr 2016 die Erlaubnis zum Abschuss von 40 Kegelrobben auf der dänischen Insel Bornholm. Seit 2001 erlaubt Schweden sogar die Tötung von 400 Robben jährlich, und jetzt verlangen die örtlichen Fischer sogar eine unglaublich hohe Jahresquote von 15.000 Robben.

Leider gehen einige Fischer so weit, die ansonsten geschützten Robben zu töten, obwohl es dafür keine Sondergenehmigungen gibt. Die jüngsten Fälle in Polen zeigen, dass der Kampf zwischen den Fischern und den mächtigen Beutegreifern erste Opfer forderte. Für Polens größte Robbenkolonie, die nur 300 Tiere zählt, hat jeder Verlust gravierende Folgen. Auch weiter westlich, auf der deutschen Insel Rügen, wurden Ende 2017 23 Kegelrobben tot aufgefunden. Keine von ihnen zeigten Anzeichen äußerer Verletzungen. Experten stellten Ertrinken als wahrscheinlichste Todesursache fest. Es ist sehr ungewöhnlich, dass Kegelrobben ohne menschliches Eingreifen ertrinken. Ob sich die Kolonie, die nur etwa 100 Tiere zählt, vom Verlust eines Viertels ihrer Größe erholen kann, ist ungewiss.

Unterschrift: Die Robbe vorne links weist Spuren eines Netzes am Hals auf

Robben fallen unter einen besonderen Schutz durch europäisches Recht, bei dem Ausnahmen nicht akzeptabel sind. Anfang des 20. Jahrhunderts bevölkerten rund 100.000 Kegelrobben die Ostsee. Legale Jagden und andere menschliche Aktivitäten brachten sie schon einmal an den Rand des Aussterbens. Das EU-Gesetz wurde entworfen, um zu verhindern, dass dies noch einmal geschieht, und die Population wuchs langsam auf rund 40.000 Tiere an. Die Fischereiindustrie ist in der Tat nicht mehr rentabel, die Schuld daran tragen allerdings nicht die Robben. Überdüngung und Überfischung haben den dramatischen Rückgang der Fischbestände verursacht, und mit der Rückkehr der Robben müssen diese Bestände nun auch noch geteilt werden.

Wir fordern mehr Kontrollen und Schutzmaßnahmen sowie eingehende Untersuchungen über den Tod von Robben und dass man die Täter vor Gericht bringt. Tiere, die unter besonderem Schutz stehen, dürfen nicht getötet oder auf irgendeine Weise gestört werden. Die Kegelrobben fordern ihren Lebensraum zurück, doch ist ihre Anzahl nur ein Bruchteil der früheren Populationsgröße.



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