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Tiefwasser-Haie vor dem Entnehmen der Leber. Foto: Melissa Romao/Sea Shepherd19. Dezember 2017:  Die Festsetzung des international auf der Schwarzen Liste geführten Fangschiffes LABIKO 2 durch die liberianische Küstenwache mit Hilfe von Sea Shepherd gewährt einen Einblick in die zwielichtige und größtenteils unregulierte Hai-Leberöl-Industrie. Nachdem man sie aus europäischen Gewässern verbannt hat, peilen diese skrupellosen Inhaber und Betreiber, die meist von Spanien aus agieren, nun Westafrika an.

Mitte der 1990er Jahre richtete die Flotte mit etwa 50 Schiffen, die sich weitgehend in spanischem Besitz befand, im Nordost-Atlantik großes Unheil an. Fast zehn Jahre lang fuhren diese auf Tiefwasserfang spezialisierten Schiffe mit ihren Stellnetzen kreuz und quer über das Kontinentalschelf vor Großbritannien, bis der Bestand an Tiefwasser-Haien auf 20 % der ursprünglichen Population gesunken war. Fischereiwissenschaftler schätzen, dass die Flotte zusammengenommen zu jeder Zeit auf eine Netzlänge zwischen 5800 und 8700 km kam; das entspricht einem Netz von Spanien bis in die USA.

Sea Shepherd unterstützt die liberianische Küstenwache beim Entern der LABIKO 2. Foto: Melissa Romao/Sea Shepherd

Die Aktivitäten der Fangflotte, die ihren Sitz hauptsächlich in Spanien hat, wurden schlecht dokumentiert und es wurden kaum Informationen über Fang und Beifang an das Fischereimanagement weitergegeben. Die Entsorgung von Fangnetzen im Meer, sowohl mit Absicht als auch durch versehentlichen Verlust, war allgemein üblich. Ein Schiff verlor auf einer 4- bis 8-wöchigen Fangfahrt ungefähr 30 km Stellnetz. Diese verlorenen Netze, auch Geisternetze genannt, können noch über viele Jahre hinweg alles töten, was sie „fangen“. Zudem bedeuten die Geisternetze 750 t an Plastikmüll, welche jeden Monat im Meer entsorgt werden.

An Bord der LABIKO 2 werden den Haien die Flossen abgeschnitten, bevor ihre Leber zu Öl weiterverarbeitet wird. Foto: Melissa Romao/Sea Shepherd

Für den rapiden Bestandsrückgang der Tiefwasser-Haie waren einerseits die Menge an verwendetem Fangmaterial und andererseits der Technologisierungsgrad des verlorenen Materials verantwortlich.

Demzufolge setzte der Internationale Rat für Meeresforschung die Fangquote für Haie im Nordost-Atlantik auf null und erklärte damit ein Fangverbot für Tiefwasser-Haie. Das Tiefwasser-Fischen nach Haien hatte in Ostafrika und Indien genau denselben verheerenden Effekt wie schon im Nordost-Atlantik.

Die Entdeckung einer Produktionseinrichtung für Hai-Leberöl an Bord der LABIKO 2 in Liberia zeigt, dass die Hai-Plünderer jetzt in Westafrika angekommen sind.

Ein Mitglied der liberianischen Küstenwache untersucht eine Produktionseinrichtung für Hai-Leberöl. Foto: Melissa Romao/Sea Shepherd

Als die LABIKO 2 von der liberianischen Küstenwache mit Hilfe von Sea Shepherd geentert wurde, war schnell klar, dass das Schiff nicht die Langleinen-Fangausrüstung nutzte, für die es lizenziert war, sondern verbotene Tiefwasser-Stellnetze, mit denen auf Tiefwasser-Haie abgezielt wird. Des Weiteren wurde entdeckt, dass das Schiff, das früher unter dem Namen MAINE lief, auf der internationalen Schwarzen Liste von drei lokalen Fischereimanagement-Organisationen geführt wird. Bei der Beantragung der Fanglizenz in Liberia reichte die LABIKO 2 eine Art Bewerbung ein, die man bei der Fischerei-Kontrolle als „Trojaner-Bewerbung“ bezeichnet, sozusagen eine Bewerbung um eine andere Art von Fangvorhaben, als man eigentlich beabsichtigt, um die zerstörerischen Auswirkungen der tatsächlichen Aktivitäten zu verschleiern.

Die liberianische Küstenwache untersucht die LABIKO 2. Foto: Melissa Romao/Sea Shepherd

Der liberianische Verteidigungsminister Brownie Samukai erklärte: „Die Inhaber und Betreiber der LABIKO 2 konspirierten, um die liberianische Gesetzgebung zu umgehen und zerstörten dabei die Unterwasserwelt in liberianischen Gewässern. Ich sagte es bereits, und ich werde es wieder sagen: Die Republik Liberia ist kein Selbstbedienungsladen für Plünderer!“

Tiefwasser-Haie werden wegen ihrer Flossen und ihres Leberöls getötet. Foto: Jake Parker /Sea Shepherd

An Bord der LABIKO 2 befand sich eine Produktionseinrichtung für Hai-Leberöl. Aus den an Bord befindlichen Dokumenten wurde ersichtlich, dass vergangene Fangfahrten 40, 52 und 60 t Hai-Leberöl ergaben. 40 t Hai-Leberöl entsprechen ungefähr 53.000 toten Haien. Eine durchschnittliche Fangfahrt der LABIKO 2 dauerte 15-18 Tage; danach tötete die LABIKO 2 geschätzt über 500.000 Haie im Jahr.

Ein Haifötus wird vor dem Abschneiden der Flossen entfernt. Foto: Melissa Romao/Sea Shepherd
Alle Hai-Arten wachsen sehr langsam, sie werden spät geschlechtsreif, erzeugen wenige Nachkommen und sind daher sehr anfällig für Überfischung. Wie auf den an Bord der LABIKO 2 gefundenen Frachtscheinen zu sehen ist, hat die Erzeugerindustrie für Hai-Leberöl aufgrund der schieren Tötungszahlen von Haien einen ökologischen Fußabdruck, der die Fischerei in nur wenigen Jahren zugrunde richten kann.

Stark gefährdeten Hammerhaien werden an Bord der LABIKO 2 die Flossen abgeschnitten. Foto: Melissa Romao/Sea Shepherd

„Die LABIKO 2 ist eine schwimmende Umweltkatastrophe und die liberianische Küstenwache und Sea Shepherd haben durch die Festsetzung dieses berüchtigten Wildererschiffes hunderttausende Haie gerettet. Jetzt obliegt es Liberia, ernsthafte rechtliche Schritte gegen die LABIKO 2 einzuleiten, um sicherzustellen, dass die Hai-Bestände in Liberia nicht das gleiche Schicksal ereilt wie die Tiefwasser-Haie in Europa, Ostafrika und Indien“, sagte Sea Shepherd Kampagnenleiter Peter Hammarstedt.


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