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Die Sam Simon neben dem norwegischen Küstenwachschiff Harstad. Foto: Giacomo Giorgi1. Juli 2015: Das in den Niederlanden registrierte Sea Shepherd-Schiff „Sam Simon“
hat die norwegischen Hoheitsgewässer nach einem kurzen Stopp im nördlichen Hafen Tromsø verlassen.
Captain Lockhart MacLean aus Kanada und seine Crew hielten sich dort auf, um eine Fleischlieferung
des gefährdeten Finnwals zu dokumentieren, welche sich momentan auf dem Weg nach Japan befindet.

Diese Mission beruht auf der Ankündigung am Anfang des Jahres, dass die Organisation ihre Präsenz im Nordatlantik verstärken will, um internationale Aufmerksamkeit auf die illegale Verschiffung gefährdeter Tiere zu lenken.

Das in St. Kitts und Nevis registrierte Frachtschiff „Winter Bay“ transportiert 1700 t des gefährdeten Finnwalfleisches. Es stammt von Tieren, die im Nordatlantik von der isländischen Walfanggesellschaft Hvalur H/F unter der Leitung von Kristjan Loftsson geschlachtet wurden.

Die „Winter Bay“, welche bis 2014 Norwegen gehörte und von der Schiffs- und Fährgesellschaft NOR Lines genutzt wurde, wurde ausgeflaggt und trägt nun die Flaggen von St. Kitts und Nevis.

„Wir fuhren nach Tromsø, um eine Lieferung von Finnwalfleisch zu untersuchen und zu dokumentieren. Diese Tiere wurden trotz des internationalen, kommerziellen Walfangverbots gefangen, und auch die Vermarktung von Walprodukten ist illegal“, sagte Captain MacLean.

Norwegische Behörden gehen in Tromsø an Bord der Sam Simon. Foto: Enric Adrian„Wir haben außerdem herausgefunden, dass die Winter Bay, welche das Fleisch transportiert, an eine Strohfirma in Tortola, eine der britischen Jungferninseln, übertragen wurde. Das ‚Management‘ des Schiffs wurde außerdem an einen lettischen Schiffsbetreiber namens Aquaship AS ausgelagert“, fuhr er fort. „Es ist nicht unüblich, dass alternde Schiffe so behandelt werden, um die Modernisierungs- und Instandhaltungskosten zu umgehen.“

Am 28. Juni, 24 Stunden vor der Ankunft im Hafen, hat die „Sam Simon“ die norwegischen Behörden in Bodø informiert, dass das Schiff norwegische Hoheitsgewässer befahren und in Tromsø ankern möchte, wie es die norwegischen Bestimmungen vorgeben.

Am 29. Juni um 07:25 Uhr Ortszeit identifizierte die „Sam Simon“ das norwegische Küstenwachschiff „NoCGV Harstad“ auf dem Radar, welches die „Sam Simon“ von diesem Zeitpunkt an permanent eskortierte.

Um 15:25 Uhr wurde das Überwachungsflugzeug der Royal Norwegian Airforce „RNoAF3296“ von der Sea Shepherd-Crew gesichtet. Folgend überflog das Flugzeug die „Sam Simon“ sieben Mal binnen einer Stunde, jedoch wurde kein Funkkontakt hergestellt.

Die „Sam Simon“ nahm weiterhin Kurs auf Tromsø und ging am 29. Juni um 23:36 Uhr Ortszeit dort vor Anker, während die „Harstad“ immer noch nebenher trieb. Sofort nach dem Anlegen gingen etwa 25 Gesetzeshüter der Küstenwache, des Zolls und der Polizei mit Spürhunden an Bord der „Sam Simon“.

Die norwegischen Behörden, inklusive der Polizei in Schutzausrüstung, führten dann eine komplette und sorgfältige Durchsuchung der Sam Simon durch.

Die Polizei hielt die Crew während der gesamten Zeit der Durchsuchung in der Schiffsmesse fest, mit Ausnahme von Captain MacLean, Schiffsmanagerin Sonja Hyppänen aus Finnland, Chefmechaniker Brian Race aus den USA und Bootsmann Giacomo Giorgi aus Italien, welche alle den Behörden bei der Durchsuchung helfen sollten. Die Durchsuchung dauerte bis 03:30 Uhr am folgenden Tag, als der letzte Offizier der Küstenwache die „Sam Simon“ verließ.

Die Behörden blieben während der gesamten Durchsuchung professionell und höflich und lobten später Captain McLean und die Schiffscrew für ihre Kooperation und den guten Zustand des Schiffs.

Die Sam Simon passiert die Winter Bay und wird von der Harstad eskortiert. Foto: Lukas ErichsenDie „Sam Simon“ blieb 21 Stunden im Hafen von Tromsø und kommunizierte durchgehend mit den lokalen Behörden. Captain MacLean nutzte die Gelegenheit und machte das Schiff für die lokalen Medien zugänglich, um das Problem des Transports von Fleisch der bedrohten Finnwale an Bord der „Winter Bay“ zu diskutieren.

Die „Harstad“ blieb in Tromsø neben der „Sam Simon“. Ihr schloss sich später das norwegische Küstenwachenschiff „NoCGV Andenes“ an, welches dann der „Sam Simon“ folgte, bis diese am 1. Juli die norwegischen Hoheitsgewässer verließ.

Captain MacLean dankte den norwegischen Behörden für ihre Professionalität.

„Die norwegische Küstenwache hat einen beeindruckenden Besitz und ihre Pflichten mit hohen professionellen Standards ausgeführt“, sagte Captain MacLean. „Vielleicht sollten alternde, ausgeflaggte Schiffe wie die Winter Bay, die gefährdete Tiere – ähnlich wie Haiflossen oder Elfenbein – transportieren, dem gleichen Druck und genauer Prüfung ausgesetzt werden, wie es bei uns der Fall war. Dies wäre eine bessere Verwendung für die Gelder der norwegischen Steuerzahler.“

Sea Shepherd wird die „Winter Bay“ und ihre Ladung weiterhin beobachten. Das Schiff steuert den vereisten Durchgang zwischen Russland und dem Nordpol an, um nach Japan zu gelangen.

„Ich glaube nicht, dass St. Kitts und Nevis wirklich auf Sicherheit an Bord der älteren Schiffe achten“, sagte MacLean. „Es wäre interessant zu wissen, welche Bestimmungen und Empfehlungen der Flaggenstaat bezüglich der kommenden Arktisreise der Winter Bay über die Nordseeroute nach Japan ausgesprochen hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie eine winzige karibische Nation, zehntausende Kilometer entfernt von den harten, anspruchsvollen Konditionen der Arktis, sind.“

Ein Überwachungsflugzeug der norwegischen Luftwaffe überfliegt die Sam Simon. Foto: Giacomo Giorgi Die Winter Bay ist derzeit in Tromsø, mit 1700 Tonnen Fleisch des gefährdeten Finnwals an Bord, und steuert in Kürze Japan an. Foto: Giacomo Giorgi


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