The Grind
 
The Grind

Das grausame Grindadráp

Die meisten Wale im Nordatlantik gebären ihre Kälber in den warmen Gewässern um den Äquator, bevor sie vorbei an den Färöern in die nahrhaften Gewässer von Svalbard und der Arktis wandern, um zu fressen. Auf der Jagd nach ihrer Hauptnahrungsquelle, den Kalmaren, passieren die Grindwale die nordatlantischen Inseln.

Im Jahre 1586 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, entwickelten die Färinger eine Jagdmethode, bei der die Wale ans flache Ufer bestimmter Strände getrieben werden. Wenn eine Walschule auf offener See gesichtet wird, beginnt das „Grindadráp" – das Walschlachten. Dabei werden vorwiegend Gewöhnliche Grindwale und Kurzflossen-Grindwale getötet, aber auch Große Tümmler, Atlantische Weißschnauzendelfine, Atlantische Weißseitendelfine und Schweinswale.

Die Dorfgemeinschaft rückt in kleinen Booten aus, die mit Steinen, Haken, Seilen und Messern beladen sind. Sobald sie in der Nähe der Walschule sind, formieren sich die Boote im Halbkreis hinter ihr. Dann werden kleine Felsbrocken, die an Seilen befestigt sind, ins Wasser geworfen, so dass eine Wand aus Luftblasen entsteht, die das Sonar der Grindwale reflektiert. Für die Wale erscheinen die Wasserblasen wie Felswände, von denen sie wegschwimmen müssen. Auf diese Weise ist es den kleinen Booten möglich, die Schule in seichte Küstengewässer zu treiben. Während die Schule sich dem Land nähert, setzen die Boote ihre Hatz fort und versetzen die Tiere weiterhin in Panik, bis diese schließlich stranden. Dort werden ihnen die Venen und Arterien, die den Kopf mit Blut versorgen, mit einem Messer durchtrennt. Bei manchen Tieren dauert der Todeskampf 30 Sekunden, bei anderen können es bis zu vier Minuten sein. Den Grindwalen, die nicht gestrandet sind, wird ein an einem Seil befestigter Haken in ihr Blasloch gerammt, mit dem sie dann an die Küste gezogen werden.

Durch den Druck der öffentlichen Kampagnen, die vor allem von Sea Shepherd in den 80ern gestartet wurden, hat der Haken nun kein spitzes Ende mehr wie sein Vorgänger, aber das Verstopfen des Blaslochs ist dennoch unglaublich schmerzhaft und führt zu Panik und Verletzungen. Bei diesem bizarren Ritual, das an die Gewalt der römischen Gladiatoren erinnert, färbt sich das Meer schnell blutrot. Da die komplette Ortsgemeinschaft an dieser Blutorgie teilnimmt, wird das Walfleisch unter den Bürgern verteilt, wobei es nicht selten einfach am Strand liegen gelassen wird und verrottet. Jedes Jahr werden auf diese Weise bis zu tausend Grindwale getötet, vorwiegend in den Monaten Juli und August.

 

Grind in 2010

FRAGWÜRDIGE LEGALITÄT

Der Gewöhnliche Grindwal wird im zweiten Anhang der Bonner Konvention (zum Schutz wandernder Tierarten) aufgelistet. Das bedeutet, dass die Weltnaturschutzunion (IUCN) festgelegt hat, dass diese Spezies, obgleich sie noch nicht akut vom Aussterben bedroht ist, diesen Status sehr bald erreichen kann, wenn die Jagd auf sie nicht streng kontrolliert wird. Es gibt keine Informationen über die Entwicklung des weltweiten Bestandes, und durch die vielen Gefährdungsursachen, der die Populationen ausgesetzt sind, – vom militärischen Sonar bis hin zum Walfang – kann man davon ausgehen, dass sie sich innerhalb von nur drei Generationen um 30% verringern könnten. Daher ist der Gewöhnliche Grindwal im zweiten Anhang der Berner Konvention als „strengstens geschützt" klassifiziert.

Während die Färöer kein Mitglied der Europäischen Union sind, bleiben sie dennoch ein dänisches Protektorat. Mit anderen Worten: Auch wenn die Färinger sich selbst verwalten, kontrolliert Dänemark die Polizei, die Verteidigung, Außenpolitik und die Währung. Jeglicher Handel mit den Ländern der EU wird vom dänischen Außenministerium abgewickelt. Der Hauptgrund, weswegen die Färinger nicht der EU beigetreten sind, lag darin, die EU davon abzuhalten, sich in ihre Fischerei einzumischen. In der EU ist das Abschlachten von Walen verboten.

Nach Meinung von Sea Shepherd versäumt Dänemark, seinen Verpflichtungen gemäß der Berner Konvention nachzukommen und das aus mehreren Gründen:

  • 1. Auf den Färöern, welche zu Dänemark gehören, werden bewusst geschützte Arten getötet, die im Anhang II der Berner Konvention aufgelistet sind.
  • 2. Obwohl die Färinger geltend machen, dass das Grind keine kommerzielle Jagd ist, wird Grindwalfleisch in Supermärkten, Hotels und Restaurants verkauft und somit auch anderen europäischen Besuchern der Inseln zugänglich gemacht.
  • 3. Grindwale passieren färöische Gewässer auf ihren jährlichen Wanderrouten, um in die Arktis zu gelangen. Ein einziges Grind kann eine Schule extrem dezimieren und manchmal sogar völlig auslöschen. Dieses Abschlachten findet in dänischen Hoheitsgewässern und deren Nähe statt

Whale meat

GESUNDHEITLICHE ASPEKTE

Aufgrund ihrer Stellung an der Spitze der Nahrungskette sind Grindwale stark mit Umweltgiften belastet. Das Grindwalfleisch enthält große Mengen Arsen, Kadmium, Zink, Blei, Kupfer, Quecksilber und Selen. Im Jahr 2008 haben Pal Weihe und Hogni Joensen, die Leiter des färöischen Gesundheitsamtes, bekannt gegeben, dass das Fleisch von Grindwalen aufgrund zu hoher Mengen Quecksilber und anderer Schadstoffe nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Eine Vergiftung mit Quecksilber wurde bei den Inselbewohnern bereits festgestellt und äußerte sich in „Schäden bei der fötalen Nervenbildung, Bluthochdruck und schwachem Immunsystem bei Kindern, sowie einer Zunahme von Parkinson-Erkrankungen, Kreislaufstörungen und möglicher Unfruchtbarkeit von Erwachsenen."[1] Kinder mit verseuchtem Walfleisch zu ernähren, kommt einem Kindesmissbrauch gleich.

 

 
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Sea Shepherd ist eine internationale gemeinnützige Organisation
zum Schutz der marinen Tierwelt